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Gimmas Welt

19.04.2016 51 Reax
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Tomatensauce oder online Massenschlägerei?

Rapper Gimma.

Ich schreibe, also bin ich. Und ich koche. Stehend, in der Küche. In der einen Hand rühre ich in der Tomatenpampe, die gerade die extra Schärfe aus dem Bio-Laden empfangen durfte und jetzt ganz latent ätzt. Die andere Hand hält einen Ratgeber für Selbstvertrauen. Das ätzt auch etwas. Ich kann mir heute mein Schlachtfeld aussuchen.

Online zu gehen diese Tage, ist oft kein Spass. Ich gehe ja nicht ins Netz, um mich selber der Welt zu verkaufen als das kongeniale Supergenie, welches ich ohnehin nicht bin. Ich kommuniziere mit Freunden, ja. Ich schaue, was sie so treiben, auch. Aber eigentlich informiere ich mich, lese auf vielen Seiten in mehreren Sprachen zu diversen Themen. Und je grösser die Probleme der Welt sind, desto mehr lese ich, desto interessierter wird das naive Kind in mir.

Gott, diese Tomatensauce ist bis hier fürchterlich misslungen. Ich muss die Pasta wohl darin einlegen, um meinen Hals nicht zu schälen. Lege das Buch weg, da muss mehr Tomate rein, das wird sonst Agent Orange hier. Ich weine. Wegen der Sauce, diese verdammten Habaneros. Die ficken mich jedes Mal aufs neue.

Im Buch steht, wichtig sei auch, Kritik nur persönlich zu nehmen, wenn sie von einander bekannten Personen zu gegenseitigen Inhalten stamme. Ich kritisiere somit diese Habaneros, offensichtlich falsch denkend. Die kennen mich ja nicht und ich verfluche sie trotzdem. Shame on me!

Wer im Netz liest, stolpert zwangsläufig in die Kommentarspalten. Irgendwann, spätestens wenn man kurz andenkt, die eigene Meinung auch mitzugeigen. Kommentare von Leuten, die sich meist nicht gegenseitig kennen, zu Themen, von denen sie oft keinerlei fachliche Ahnung haben, aus Gründen, die keiner ernsthaft erfährt. Emotionen kochen über. Scheiss Tomatensauce, ich lege das Buch endgültig weg. Sauerei überall.

Ich google «Tomatensauce retten» und lande auf einem Forum für Rezepte. Der erste Beitrag ist die Frage. Der zweite, dritte und vierte sind Antworten verschiedener Qualität. Es folgen ein halbes Dutzend Accounts, die kritisieren, verbessern, verneinen, verlinken und besser wissen. Jemand flucht. Das bin ich.

Unsere Netz-Kultur ist in einer Einbahn angelangt. Nicht einmal mehr eine Tomatensaucen-Rettung kann man nachlesen, ohne dass sich Hanni und Franzl aufs Dach geben. Logisch verrohen wir, logisch nehmen sich alle zu ernst und zu wichtig. Es zählt nicht mehr, wer etwas weiss, sondern wer etwas noch besser weiss. Klugscheisser treffen auf selbsterklärte Opinion Leader und keiner von denen will wirklich eine Tomatensauce retten, geschweige denn einen Flüchtling. Darüber reden wollen aber offensichtlich alle.

Kartoffeln. Kartoffeln, mehr Tomaten, Zucker. Das hat die Sauce gerettet. Danke, ihr Kartoffeln. Mein Selbstvertrauen ist wieder hergestellt. Jetzt kann ich wieder Pasta essen und danach klugscheissen gehen. Habaneros, du triffst sie immer zwei Mal: zuerst am Eingang, dann am Ausgang. Ausgang ungewiss.

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