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Gimmas Welt

20.09.2016 38 Reax
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Wenn es Zuviel wird

Rapper Gimma.

Ich bin neugierig. Zu neugierig. Und ich kann schlecht Nein sagen. So lande ich nebst in vielen total fluffigen Settings auch ab und zu irgendwo, wo ich nicht wirklich hingehöre. Man würde ja meinen, ein offener Mensch mit einem freien Geist könne sich in nahezu jede Situation begeben, einzig dem Stillen der Neugierde frönend. Aber auch ich lerne immer wieder Neues über mein Innenleben. Und stülpe das gnadenlos peinlich und erzwungen nach aussen. Einer muss ja, denke ich jeweils danach. So passiert es zum Beispiel, dass man an der Seitenlinie eines irakischen Fussballstadions steht, das der IS inzwischen zerbombt hat. Oder man kauft in Bali sinnfrei eine Ladung Baby-Schildkröten für den Preis eines Kleinautos und wirft sie ins Meer zurück, genau vor den Bug eines lokalen Fischers. Ja, man lernt nie aus.

Das jüngste Setting führte denn auch zu einer heftigen Reaktion. Geplant war eine Art Auftritt während einer Suspension Show. Unter Freunden quasi, Kollegendienst für jemanden, der das Leben rockt. Suspension Show bedeutet, dass jemand Ösen in den Leib gestochen bekommt und an diesen dann aufgezogen wird. Dann hängt man da so rum, als esoterisches Fotomotiv mit Schmerzfaktor 1000. Die Neugier war riesig. Umrahmt wurde der Anlass von einer tollen Foto-Ausstellung eines geilen durchgeknallten Fotografen - dem Freund der jungen Dame die später «aufgezogen» werden würde, wie sie es selbst nannte. Die ganze Szenerie mit all diesen freakigen Leuten auf einem Haufen war schon vor der Türöffnung - das Ganze war ja ein öffentlicher Anlass - spannte meine Neugier und auch meine Party-Laune. Unter wilden Menschen ist der Wilde sich selbst der beste Freund. Wo ich sonst weitestgehend ein stummer Beobachter bin, wurde ich hier wieder zum 18jährigen Schnuderi und ich begann die Leute auszufragen. Ich wollte alles wissen, vom Fotoapparat bis zur Schmerzfrage, den Verankerungen und den roten Tattoos im Gesicht der netten Italienerin. Mit jedem ein Bier trinken. Und einen Schnaps. Und gleich nochmal. Nur eines vergass ich auf halber Strecke: dieser Freak, der ich einst war, ist nicht mehr im Freak-Training. Wo ich vor Jahren noch Party bis in den Morgentau ritt, um dann noch mit einer Kiste Bier und einem Sack Gras vor der Türe von Kumpels zu stehen zu unseliger Stunde... nunja sagen wir es so: meine Party-Energie ist weitestgehend entladen, mit 36. Aber das tat meiner Sympathie-Orgie keinen Abbruch: weiter ging's mit Stemm-Spielchen und Prost-Schreierei. Eigentlich übergoss ich meine gar nicht Mal so niederschwellige Nervosität. Nicht wegen der Lesung, sondern eben dieser Suspension Sache. Und ich dachte, ich lese um 21.30. Aber um diese Uhrzeit wurde ich leicht angezählt darauf hingewiesen, dass ich wohl die Hälfte der Sprachnachricht mit den Infos vermeiert hatte. Lesung sei gegen Mitternacht. Also goss ich eben weiter Wasser in meine innere Angst-Mühle. Und lernte, dass ich nicht mehr der Hengst vor Früher bin, eher das Kalb von damals. Verabschiedete mich in den halbjährlichen Blackout-Gong. Irre peinlich. Aber was soll ich mich auch aufplustern mit Dingen, die ich gerne über mich hören würde? Lieber ehrlich zu mir selbst sein. Ich hatte Schiss, ich wollte es mir schön trinken und ich habe kläglich versagt, sagt mir die angebrannte Pfanne in der Küche, die offenbar mitleiden musste an meinem geistigen Notfallszenario. C’est la vie.

 

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