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Gimmas Welt

03.06.2016 100 Reax
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Wir haben ein Loch gefeiert

Rapper Gimma.

Fest feiern, wie sie fallen. Wir haben den Gotthard durchquert. Sensationell. Eine riesige Bohrmaschine, die aussieht wie die Kauleiste eines Blutegels in drehendes Metall gegossen. Man munkelt, nicht nur Kinder bekommen da Alpträume. Auch Motten. Ziemlich verschissenes Szenario, wenn dich nächstens der Gotthard Basistunnel-Bohrer im Traumland verfolgt, dir mit einem halben Centimeter pro Stunde nachstellt, steinbeisst und luftabführend rotiert, wie ein durchgeknallter Vertikalkreisel mit Geltungsdrang. Vielleicht hat er wenigstens akustische meditative Effekte. Aber ich glaube, er ist einfach riesengross und verdammt laut. Wie Pavarotti.

Die erste Zugfahrt durch den neuen Durchstich hindurch durften glückliche Menschen erleben, die alle ihre ganz eigenen Motive hatten. Töchter von Tunnelbauern, Tunnelbauer, ehemalige Tunnelbauer, Politiker, Ferophile, Bahnangestellte und Rentner. Rentner haben einfach Zeit, die sind überall gut vertreten, wo man möglichst lange auf ein möglichst unspektakuläres Ereignis hineifern darf. Am besten über das Verfalldatum hinaus. Kommentar eines AHV-Staubsaugers: «Im Tunnel sieht man ja nicht viel, dunkel, nicht wahr». Da hat sich der Ausflug ja gelohnt!

Tunnelbau war früher ein probates Mittel, Völker rund um die Alpen zu dezimieren. Beim Tunnel- und Brückenbau in der Schweiz starben früher dermassen viele Arbeiter, dass man sie in Nebenschächten stapelte und erst letztes Jahr hervorholte, um das Kader des FCZ zu verstärken.

Tunnels zu zeichnen und zu konzipieren ist ein klassischer Grosspapi-Job. Unsere Grosspapis sassen alle mit der Pfeiffe im Mund am Reissbrett und zeichneten wurmähnliche Schläuche von Göschenen bis Airolo und irgend ein Volltalent durfte dereinst wohl auch den Isla Bella Tunnel entwerfen: die Ausgeburt Randoms. Da sassen sie, 8 Stunden am Tag gebannt auf das Papier starrend bis Feierabend. Dann durfte Cäsars Marathon-Kurier die Pläne auf den Berg joggen, wo eine Horde Barbaren aus aller Herren Länder mit der Steinbeisserei begann. Kein Job für Schweizer, tuschelten sie hinter vorgehaltener Hand in der Gemüsewarenabteilung beim genossenschaftlichen Konsum, die Damen Genossinen, die weder SP noch SVP waren, dafür ziemlich gesund fremdenfeindlich. Aber diese Zuwanderer, diese Gastarbeiter, diese Fachkräfte: sie gruben Gruben, bohrten Bohrungen und durchstachen die Alpen wie einen Ballon mit einer heissen Nadel, einfach auf die Nanosekunde heruntergepitcht und mit später kaputtem Rücken, fehlenden Gliedmassen und einer geistigen Verwirrung sondergleichen, die man eben bekommt, nach 2-3 Jahren im Stollen ohne Handyempfang oder Internetpornografie. Diesen Kerlen gälte es zu danken. Nur denen.

Wobei, auch heute noch scheint es so zu sein, dass sich die classe politique und die Rentner primär als Schaffer eines, sprich dieses Projekts sehen. Wir Beobachter einigen uns lieber darauf, laut auszurufen, wenn so ein Sauludi die Doppeladlerfahne schwingt anstatt den Psalm mit Fechy-Aroma zum Besten zu geben und mit einem Bratwurstgeschwängerten Rülpser zu garnieren bevor man Witze über die Deutsche Kanzlerin macht. So sind wir: ein debiles Volk von fettigen Geldbündeln, immer auf der Suche nach dem nächsten Projekt, dass uns primär nichts angehen soll. Jetzt haben wir also diesen neuen Tunnel. Der sei dunkel. Die Fahrt schon noch genug lang, haha. «Dorotééé häsch na e Serwila im Rukchsäkchli für dä Herr Nationalrot?». Started from the botton now we nirgends.

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