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Gimmas Welt

19.04.2016 77 Reax
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Wir waren auf 1 Viadukt in Wiesen

Rapper Gimma.

Ich reise, also bin ich. In meinem Ansatz, Tourismus zu verstehen, habe ich schon länger her beschlossen alle Sehenswürdigkeiten des Berg-Kantons rund um die Alpenstadt ohne wirkliche Identität (Chur) abzuklappern. Und so mein geistiges Profil zu schärfen, zu verstehen, was an Hier so toll ist und wie wir das den Leuten in der weiten Welt beibringen können V2.0.

Vieles habe ich schon gesehen. Eigentlich fast alles. Ich war schon überall ausser auf den Bergspitzen und im Münstertal. Auf den Bergspitzen war ich nicht weil ich zu fett bin und mir keinen Heli leisten kann und das Münstertal lag nie am Weg. Aber es wird bald am Weg liegen. Wie gesagt, die meisten Orte habe ich schon passiert, bin durchgerollt. Aber man muss sich auch Zeit nehmen, aussteigen am richtigen Rätischen Bahnhof und zurücklaufen, wenn man etwas genauer ansehen will.

Ehrlich, bislang gab es keinerlei Anlass, in Davos Wiesen auch nur daran zu denken, einen Fuss neben die Gleise am munzigen Bahnhof zu setzen. Die Begrüssung durch verfressene Ziegen macht den etwas trostlosen Ort an einem bewölkten Vormittag etwas belustigender. Und die bei 15 Grad noch immer winterverpackten Autos die verloren herumstehen. Naja, wenigstens haben wir die Sehenswürdigkeit für uns allein. Das Wiesner Viadukt ist knapp 90 Meter hoch, der Zug fährt darüber und auf einer Seite wurde ein Weg montiert, damit man darüber laufen kann. Ich habe Höhenangst weshalb in einem lustigen Video das wir gedreht haben etwas debilen, verwirrten Käse erzähle. Das ist primär dem Umstand geschuldet, dass ich auf einem löchrigen Weg knapp 100 Meter über Fluss (Landwasser) nicht unbedingt in meiner Komfort-Zone agiere. Aber so eine Bogenbrücke ist ein stabiler Kerl, gespannt auf 210 Meter und aus Stein. Also tue ich mein bestes und tripple halb nervöslustig über das Viadukt und bin anschliessend sogar so etwas wie stolz auf mich, dass ich nicht geweint habe wie ein kleines Kind bei ausklingendem Zuckerrausch.

Hinter der Brücke befindet sich eine Aussichtsplattform im Wald und von dort aus erkennt man auch die unfassbare Schönheit des Baus. 1906 bis 1909 wurde das Viadukt gebaut, zuerst ein Gerüst und dann wurde gemauert. 1906 hat sich kaum jemand über die vielen Italiener beschwert, die damals den Job übernahmen, den Friedrich Hennings für die RhB entworfen hatte. Nur so als Gedankenbrücke in die Neuzeit. Das war gewiss kein lockerer Job. 1926 würdigte Ernst Ludwig Kirchner mit «Brücke bei Wiesen» den Bau in seinem eigentümlichen Stil.

Da sitzen wir nun und staunen. Ich bin Dutzende Male über das Wiesner Viadukt gefahren, aber nie habe ich mir die Zeit für dieses Kunstwerk genommen. Ich habe mir noch nicht einmal Zeit genommen, darüber einen Gedanke zu verschwenden.

Meinem Ziel, den Kanton besser zu verstehen, bin ich aber einen wesentlichen Schritt näher gekommen. Und im Kampf gegen die Höhenangst unbewusst vermutlich auch. Wer die Augen offen hält, sieht mehr Dinge. So ist es einfach. Auf dem Rückweg fällt mir eine Sternform an der Brüstung auf. Die sei ein Mahnmal mit Kerze. Für wen? Für diejenigen, deren letzte Reise hier kurze 90 Meter in die Tiefe führt. Und das waren scheinbar so einige, leider. Mögen sie an diesem ruhigen, mächtigen Ort Frieden gefunden haben.

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