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Gimmas Welt

19.04.2016 54 Reax
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Zwischen Paris und Genf

Rapper Gimma.

Meine Sorgen haben sich dezentralisiert. Kürzlich habe ich mich  blitzhaftig erinnert an die Zeiten der Intervention im Irak, damals unter uns Kindern ebenfalls «Desert Storm» genannt. Obwohl es mich inzwischen bei dem Gedanken mehr als kalt den Rücken runter streichelt, muss ich zugeben, dass ich damals gebannt am TV sass und für die Amerikaner wettfieberte. Zum einen mag das gewiss an meiner Verwandtschaft in Übersee gelegen haben, zum anderen waren es auch die Parolen und Bilder, die mich täglich zur Tagesschau antreten liessen. Als Kind bewunderte ich diese Welle, die für den kleinen Staat Kuwait so viel bewegte. Ich verstand damals keinen Deut, worum es eigentlich ging und sind wir ehrlich, ich könnte es vermutlich auch heute nicht gebührend erklären, mit all dem diffusen Informationsschwall, den ich über die Jahre neu zum Thema gewonnen habe. Auf jeden Fall hegte ich grosse Sympathien für diese Befreier in den amerikanischen Kampffahrzeugen und Saddam war das Böse. So sah die Welt aus, 19.30 Uhr auf dem Teppich liegend.

Die sogenannte «Terrornacht von Paris» habe ich wörtlich verschlafen. An dem Abend wollte mir Fussball nichts sagen und gute Filme hatte ich nicht zur Hand, also gönnte ich mir einen Apero-Barbesuch und ging früh ins Bett. Der erste Blick auf Twitter früh zum Wecker irritierte mich vollends.

Die Sondersendung des SF zum Thema genehmigte ich mir gleich im Doppelpack. Währenddessen durchforstete ich das Netz nach weiteren Fakten und Zahlen, Schauplätzen. Über das Motiv musste ich nicht lange Bedacht halten, das stand mir als erstes in grellem Weiss auf Schwarzer Flagge mit erhobenem Zeigefinger vor dem inneren Auge. Nach mehreren Stunden der Informationsgewinnung schaltete ich TV und Handy aus und ging in den Wald, zur Ruhe kommen wollend. Für mich persönlich war diese Idee wirklich gelungen, ich blendete Social Media bis und mit dem folgenden Montag aus und verliess mich einzig auf Zeitung und Kollegenmeinungen. In Chur war ein längerer Kulturanlass, ich konnte Distanz gewinnen.

Als die Meldung bei mir einklingelte, in Genf werde nach Terroristen gefahndet, war ich zuallererst verwirrt. Dann besorgt. Mir schien, der Krieg steht vor meiner Haustüre. Jetzt bin ich keiner dieser Menschen, die dann nicht mehr über die Schwelle treten, wenn es im Dorf brennt. Es interessiert mich normalerweise, was vor sich geht. Nur schien es sonst keinen zu kratzen. Verwirrend. Es musste an mir liegen.

19.30 Uhr, ich sitze vor dem TV Gerät und schalte wenig bewusst um auf die Tagesschau. Vor meinen Augen die Bilder aus Genf. Und in diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich wieder dieses komische «jemand muss doch etwas tun» Gefühl habe, wie damals. Vermutlich beginnt jetzt die Zeit, in der ich meine Meinung und Einstellung zu gewissen Dingen neu überdenken muss. In den Wald gehen hilft nicht immer.

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