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Alles ist wahnsinnig normal: Was ist bloss mit der Zürcher Clubszene passiert?

War füher alles besser?

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Im aktuellen Jahrzehnt hat sich in der Zürcher Clublandschaft einiges bewegt. Viele Clubs machten die Türen dicht, neue Lokale feierten Erfolge. Was hat das Jahrzehnt Zürich bis jetzt gebracht?

Die «edlen» Clubs

Wird von Nicht-Zürchern oft als archetypischer Edelclub bezeichnet: das Kaufleuten. play
Wird von Nicht-Zürchern oft als archetypischer Edelclub bezeichnet: das Kaufleuten. Youropi.com

 

Hier hat sich in den letzten Jahren extrem viel verändert. Drei grosse Namen verschwanden, drei neue kamen hinzu: Vior, Alice Choo und, wenn man so will, das Aura. Du hast dich sicher schon gefragt: Warum die Anführungszeichen bei «edel»? Weil die neuen Clubs nur auf Hochglanz poliert sind, es aber nicht wirklich sind.

Seit das Diagonal als letzter wirklicher Nobel-Club geschlossen hat, fehlt Zürich ein solches Lokal. Wo auf die Kleider geachtet wird, die Gäste stets höflich (aber nicht zwingend nett) sind und du, ohne es zu wissen, plötzlich mit einem Rothschild oder Adligen am Tisch feierst.

Das Kaufleuten, welches von Nicht-Zürchern gern als Edelklub betitelt wird, hat zudem schon lange eine Gäste-Melange aus Agglo, Gangster und dem vereinzelten Tisch mit Rich-Kids. Vior und Alice Choo sehen zwar von aussen und innen chic aus, aber das Party-Feeling ist ein ganz anderes als in den «alten» Nobel-Clubs.

Und wo sind bitte die grossen Acts? Noch vor wenigen Jahren holte die «Vanity» regelmässig internationale DJ-Grössen ins Kaufleuten. In anderen Clubs legten Stars wie Sidney Samson oder Fedde Le Grand für wenige Hundert Gäste auf. Wenn in Lausanne mehr renommierte Acts auftreten als in Zürich, dann ist definitiv etwas schief gelaufen.

Das Vakuum der weggefallenen Edelclubs wartet weiterhin darauf, gefüllt zu werden. Ist der Haifisch-Club, der im ehemaligen Cabaret Haifisch eröffnet wurde, eine neue Hoffnung? Die kleine Location hat nur Platz für 150 Gäste, die sorgfältig ausgewählt werden. Der Club ist, ähnlich dem Diagonal, sehr tischlastig, was automatisch eine eher zahlungswillige Stammkundschaft anzieht. Bei der Personalsuche wurde daher viel Wert auf zuvorkommendes Auftreten gelegt, wie Clubmanager Sebastian Köpe blickamabend.ch erzählt. Aber kommen internationale Gäste in einen Club, der Haifisch heisst?

Die Hipstrigen

Hat ein bunt gemischtes Publikum: das Hive. play
Hat ein bunt gemischtes Publikum: das Hive. Instagram

 

Wenn coole Szene-Kenner über noch coolere Clubs sprechen, gehts eigentlich immer um einen der Folgenden: Hive, Zukki, Supi, Gonzo. Ab und zu mal Friedas Büxe, der BLOK und das Café Gold. Für «Normalos» sind diese Clubs «zu abgefuckt». Leute, die vor 10 oder 20 Jahren unterwegs waren, finden sie hingegen zu clean. Fest steht: Hive und Zukki sind extrem beliebt. Wer hip sein will, kommt um Besuche in diesen Clubs nicht herum. Der «Stadtblog» findet die Besucher schon fast «zu sehr auf Hipster gestylt».

Die Langstrasse sieht sich jedoch zunehmend regulatorischen Problemen gegenüber. Die Stadt will Lärm-Emissionen vermindern, mehr (teure) Wohnungen ins Quartier bringen. Aber was soll dann aus DER Ausgangsmeile der Schweiz werden? Ein zweites Niederdorf, in dem nichts mehr los ist? Diese Probleme kennt das Hive nicht. Es liegt in einem wohnfreien Gebiet. Mehr davon würden dem Nachtleben sehr gut tun, erzählt Nocila Schneider, Betreiber des Hive dem «Tagesanzeiger».

Musikalisch bewegen sich viele der Clubs jedoch im gleichen Spektrum. «Momentan spielt jeder neue Club der Stadt Deep House und Elektro», sagt Adrian Wöllhaf, ebenfalls Betreiber des Hive, im selben Interview.

Allgemein fehlt in Zürich ein wenig die Diversität. Future Bass, Trap und richtig harten Electro-House vermissen Party-Gänger in Zürich. Obwohl letzterer international klar zum Mainstream gehört, traut sich in den Zürcher Normalo-Clubs trotzdem niemand, eine musikalisch harte Schiene zu fahren. Müssen hier die kleinen Lokale ran?

Die Normalen

Beliebt bei Studenten: das Plaza. play
Beliebt bei Studenten: das Plaza. Plaza.ch

 

Der grösste neue Stern am Nachtlebenshimmel war in den letzten Jahren wohl das Plaza. Der Club räumte den Swiss Nightlife Award 2015 in der Kategorie «Best Big Club» ab. Mit der beliebten Studenten-Partyserie «Nachtseminar» baut sich das Plaza schon mal Goodwill bei all denen auf, die in ein paar Jahren gut verdienen. Mit dem freundlichen Service für alle, die einen Tisch gebucht haben, entsteht ein sympathisches Gesamtbild.

Ebenfalls gut läuft es im Mascotte, das von den selben Leuten wie das Plaza betrieben wird. Es kommen jeweils so viele Gäste, dass sich sogar die Feuerpolizei einschalten musste. Zukünftig sind nur noch 350 Gäste gleichzeitig erlaubt.

Die Härterei musste aufgrund einer Lärmbeschwerde eines neuen Mieters in der Nähe umziehen. Und 13 Millionen in neue Isolationen investieren. Der Aufwand hat sich scheinbar gelohnt, sie erhielten ebenfalls einen Swiss Nightlife Award in der Kategorie «Best New Location».

Der gemeinsame Nenner all dieser Clubs ist: sie sind wahnsinnig normal. Das Publikum ist normal, die Musik nichts extrem Abwegiges. Nicht zu chic, nicht zu kaputt. Reicht das auf die Dauer? Ein Club, den viele gerne wieder sehen würden, ist die Alte Börse. Schön zentral gelegen, nicht schickimicki und jeder war wilkommen.

Die Club-Gäste

Aggressiver als früher? Das Partyvolk. play
Aggressiver als früher? Das Partyvolk. Getty Images

 

Und mal ganz abgesehen von den Clubs: Was ich persönlich immer mehr vermisse, ist Höflichkeit und Respekt. Ich erwarte nicht, dass jeder mein Freund sein möchte, aber wenn du an mir vorbei läufst, halte doch zumindest die Hand vor dich und rempel mich nicht gleich mit den Schultern an. Falls das doch mal passiert, ist ein kurzes Sorry-Händeheben ein einfaches Zeichen der Nettigkeit. Falls jemand einen Tisch hat, stehe ich nicht einfach zu ihm in den Tisch-Bereich. Wenn der Türsteher mich abweist, akzeptiere ich das. Das sind alles Dinge, die logisch sein sollten.

Zum Thema Musik sagten mir diverse Freunde unabhängig voneinander das selbe: Es gibt Partys, auf denen die Musik zwar super ist, aber das Publikum ihnen gestohlen bleiben könne. Hingegen sei auf anderen Partys zwar ein tolles Publikum, aber die Musik gehe gar nicht. Mit dem Service verhält es sich ähnlich. Diese Diskrepanz scheint viele Zürcher Partygänger ein wenig heimatlos zu machen.

Vielleicht haben wir aber auch einfach zu hohe Ansprüche. «Wenn ich schon Hunderte Franken an einem Wochenende zahlen muss, dann soll besser auch alles stimmen!» Wenn das eine ganze Stadt denkt, passt es am Schluss niemandem. Jeder meint, alle müssen nach seiner Pfeife tanzen. Aber diese Attitüde ist halt so wunderbar zürcherisch. Und ist wohl der Grund, warum die «normalen» Clubs so erfolgreich sind: Sie polarisieren nicht und machen es möglichst vielen Leuten recht. Ein typischer Schweizer Kompromiss.

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