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Fit oder Fett: Pille statt Präventation - daran krankt die Medizin

Die Entdeckung der Autophagie, meint das Nobel-Preis-Komitee, sei ein Steilpass für die Pharmaindustrie. Doch jedermann kann das Tor selbst schiessen – billig und einfach.

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Der neue Nobelpreis für Medizin ist – einmal mehr – ein typisches Beispiel dafür, wie der moderne Medizinbetrieb läuft. Der Preis geht an den japanischen Biologen Yoshinori Ohsum, der in den 90er-Jahren anhand von Hefezellen den Mechanismus der Autophagie entschlüsselt hat. Das ist eine Art Selbstreinigung, bei der Zellen überflüssige Bestandteile selbst (auto) aufessen (Phagie).

Dass sich Zellen selbst reinigen ist nicht neu. Man weiss auch schon ziemlich gut, wie man diesen Vorgang beeinflussen und vorbeugend nutzen kann. Präventivmediziner wie der Grazer Professor Frank Madeo forschen dazu seit Jahrzehnten. (Wir haben darüber berichtet). Das Grundprinzip ist einfach: Die Zelle tut drei Dinge in dieser Reihenfolge: Sie produziert Energie, sie legt neue Energiereserven an und sie reinigt sich selbst, sie betreibt Autophagie.  Das tut sie, wenn mit nichts wichtigerem beschäftigt ist. Faustregel: Autophagie beginnt 12 Stunden nach der letzten Nahrungsaufnahme.

Konkret heisst das: Wir müssen immer wieder mal fasten. Wie radikal das wirkt, zeigen etwa Experimente mit Mäusen. Lässt man sie zwölf Stunden pro Tag fasten, bleiben sie auch bei einer ungesunden Ernährung gesund und schlank, gibt man ihnen genau gleich viel Futter, aber über 24 Stunden verteilt, werden sie dick und krank – und zwar nicht zuletzt deshalb, weil die Autophagie gebremst wird.

Zurzeit läuft an der Uni-Graz ein Grossversuch, bei dem fünf verschiedene Personengruppen unterschiedliche Ernährungs- und Fastenprotokolle befolgen. Dabei werden neben den üblichen Messungen von Gewicht, Blutdruck etc. auch regelmässig Blut- und Gewebeproben entnommen, mit denen unter anderem festgestellt wird, wie viel Autophagie stattfindet. Das Ziel der Übung ist es, dass für den jeweiligen Gesundheitszustand optimale Ernährungsprotokoll zu eruieren. Klar ist aber jetzt schon, dass jede Form von (gelegentlichem) Hunger gesund ist. Madeo sagt das so: Begrüssen sie ihren Hunger wie einen Freund. Er könnte ihre Autophagie ankurbeln.“ Konkreter Tipp: Man verzichte auf das Frühstück und überbrücke den Hunger allenfalls mit Kaffee.

Doch die Selbstreinigung der Zellen wird nicht nur durch Hunger ausgelöst, sondern auch durch Kälte, durch sportliche Betätigung und durch Nahrungsmittel, namentlich durch Kaffee. Zitat: “Innerhalb von einer bis vier Stunden nach dem Konsum wurde in den Modellorganismen die zelluläre Autophagie aller untersuchter Organe – Leber, Skelett-Muskulatur und Herz – stark angekurbelt.” Aber auch Zitrusfrüchte, Käse, Soja, Natto, Pilze usw. kurbeln die Zellreinigung an. Dabei spielt offenbar das in diesen Nahrungsmitteln enthaltene  Protein Spermidin ein wichtige Rolle. Es bewirkt, dass Autophagie auch dann stattfindet, wenn die Zellen noch verdaut. Es hat eine verjüngende Wirkung und beugt (zumindest bei Fruchtfliegen) der Demenz vor.

Doch Altersforscher und Präventivmediziner wie Madeo sind Randfiguren im modernen Medizinbetrieb. Dieser ist nicht an Vorbeugung interessiert, sondern an spektakulärer Heilung. Pharma-Multis sind immer auf der Suche nach dem One-Billionen-Dollar-Molekül, das gezielt in einen krankhaften Ablauf eingreift und den Fehler korrigiert. Genau so, hat auch das Nobelpreis-Komitee seine Auszeichnung verstanden. In der Laudatio wird nicht etwa Ohsums Beitrag zur Erhaltung der Gesundheit und Prävention von Krankheiten gelobt. Stattessen steht da: „Dieser Mechanismus stellt daher ein vielsprechendes Ziel für neue  Medikamente gegen verschiedene Krankheiten dar.“ Die FAZ präzisiert dies wie folgt: „Ein Zuviel oder ein Zuwenig an Autophagie kann fatale Folgen haben. Bei manchen Erbleiden, vielen Infektionen, womöglich auch bei Parkinson, Alzheimer, Diabetes und Krebs ist das zelluläre Recycling mitunter massiv gestört.“

Kurz: Da locken Milliardengeschäfte auf Multi-Milliarden-Märkten. Deshalb hat sich der Pharmabetrieb längst auf die Socken gemacht. Sie hat – wiederum laut FAZ -  bereits „14 000 Proteine katalogisiert, davon drei Dutzend Kern-Eiweisse der Autophagie und 113 Regulatoren, die an der Selbstkannibalisierung der Lebensbausteine beteiligt sind.“ Die weitere Aufgabe besteht nun darin, herauszufinden, wie das Zusammenspiel der 14'000 Proteine normalweise funktioniert, wo Störung auftreten, welche Regulatoren bei diesen Störungen beteiligt sind, bzw. falsch reagieren und mit welchen Anti-Molekülen man diese Störungen beseitigen kann. Dann geht es darum, die richtige Darreichungsform zu finden, das Medikament zu testen, Nebenwirkungen auszuschalten usw.

Die meisten Medien haben denn auch darauf hingewiesen, dass es noch lange dauern kann, bis die Grundlagenforschung des japanischen Biologen medizinisch nutzbar gemacht werden kann. Hier und dort konnte man zwar lesen, dass Yoshinori Ohsum der Nobelpreisträger auch darauf gestossen sei, dass Hunger, Licht und Wärme die Autophagie beeinflussen können, aber niemand hat darauf hingewiesen, dass jedermann diese Erkenntnisse schon heute praktisch für sich nutzen kann.

Alle warten darauf, dass die Pharma-Industrie ihren teuren Gang nimmt und uns etwas liefert, was uns der Arzt verschreiben, und das wir in Pillenform zu uns nehmen können. Daran haben wir uns schliesslich seit Jahrzehnten gewohnt.

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