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«Florence Foster Jenkins»: Königin der Katzenmusik

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Lukas Ruettimann sagt:

Wer schon mal vor Live-Publikum Karaoke gesungen hat, weiss: Die Selbstwahrnehmung ist eine Schlampe. Nach ein paar Bierchen meint so manch einer, er kriege ­«Bohemian Rhapsody» samt mehrstimmigen A-cappella-Part besser hin als Freddie Mercury. Das ungeschriebene Gesetz, sich vor einem Auftritt nicht mehr als drei Bier zu genehmigen, gilt es immer und unbedingt zu beachten.

Bei Florence Foster Jenkins würde es nichts nützen. Die gute Dame ist nach jahrelanger Syphilis-Therapie mit Arsen und Quecksilber ein bisschen gaga und hält sich für die grösste Opernsängerin der Welt. Meryl Streep verleiht ihr in Stephen Frears’ Film das passende Gesicht – und die passende Stimme. Denn statt ­einfach kreuzfalsch singt sie exakt jenen halben Ton daneben, der das Grauen so richtig gross macht. Damit bewahrt sie den Film ­davor, zum reinen Klamauk zu werden, und schafft Raum für das feine Drama und die spannende Frage: Wer verschliesst bei ihr warum seine Ohren und klatscht Beifall?

Am auffälligsten ist dieser Aspekt beim Gatten, den Hugh Grant schlicht brillant verkörpert. Statt mit spöttischer Arroganz sorgt er hier für einmal mit Empathie und Selbstlosigkeit für Begeisterung. Dass er dafür mit einer Oscar-Nomination belohnt wird, darauf wette ich. Auch nach mehr als drei Bier.

Bewertung: 3 von 4 Sternen

Tanya König sagt:

Kino Arthouse Le Paris, Zürich, vergangenen Freitag: Ich versuche, durch die volle Lobby an die Kasse zu gelangen. «Ein Billett für die Vorführung von Florence Foster Jenkins bitte», sage ich. Doch das ist auch für mich eine unmögliche Sache: Die Vorstellung ist restlos ausverkauft. Ein Ticket für am Tag danach kriege ich aber.

Meryl Streep in der Rolle der schlechtesten Sängerin ihrer Zeit scheint ein Zuschauermagnet zu sein. Bisher kennen wir die dreifache ­Oscar-Preisträgerin für ihre Gabe, unseren Ohren mit ihrem Gesang zu schmeicheln.  Doch hier tut sie das Gegenteil. Und ihr Ehemann, grandios gespielt von Hugh Grant, unterstützt sie dabei. Es ist die Diskrepanz zwischen Selbst- und Fremdwahr­nehmung, welche die Zuschauer bei Florence Foster Jenkins zum Lachen bringt.

Ihre Extravaganz, Exzentrik und Naivität sind einerseits bemitleidenswert, andererseits bringen sie uns zum Staunen.

Streep besitzt das Talent, das Kind in Jenkins zum Vorschein zu bringen – sodass wir nicht die alternde Frau sehen, sondern das kleine Mädchen in seiner Fantasiewelt. Dies muss der Grund gewesen sein, weshalb Jenkins trotz ihrer Unfähigkeit, den richtigen Ton zu treffen, 1944, mit 76 Jahren, die Carnegie Hall in New York füllen konnte.

Bewertung: 3 von 4 Sternen

«Florence Foster Jenkins»

Abstract: Eigentlich könnte Millionärin Florence Foster Jenkins in Ruhe in Saus und Braus leben. Doch sie fühlt sich zu Höherem berufen und strebt eine Karriere als Opernsängerin an. Zunächst tritt sie nur bei privaten Konzerten auf. Das Publikum besteht ausschliesslich aus ihr geneigten Menschen – und das aus gutem Grund: Jenkins singt furchtbar. Aber sie hat einen Traum, der ihrem Mann St. Clair Kopfzerbrechen bereitet: Jenkins möchte in der ­berühmten Carnegie Hall von New York beweisen, dass sie die beste Opernsängerin der Welt ist.

Länge: 110 Min.

Land: GB/Frankreich

Besetzung: Meryl Streep, Hugh Grant, Simon Helberg

Regie: Stephen Frears

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