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Kampf gegen Rassismus: Sein Facebook-Post zeigt, wie verletzend Vorurteile sein können

Der Beitrag von Emlyn Pearce öffnete viele Augen.

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Sein Post sorgte für Aufruhr: Emlyn Pearce. play
Sein Post sorgte für Aufruhr: Emlyn Pearce. Facebook

Der Autor Emlyn Pearce kommt aus Südafrika, lebt inzwischen aber in Schottland. Im Zuge des zunehmenden Rassismus in seinem Umfeld verfasste er einen satirischen Facebook-Post. Darin beschreibt er einen Tag, an dem ihm Leute die selben absurden Vorurteile an den Kopf werfen, mit denen andere Ethnien täglich konfrontiert sind.

Das Geschehene beschreibt er absichtlich übertrieben, um zu zeigen, wie seltsam es sich anfühlen muss, von anderen Menschen beurteilt zu werden, obwohl sie dich gar nicht kennen und in dir nur einen Stereotypen sehen. Pearces Worte treffen einen Nerv. Über 60'000 Likes hat sein Beitrag, 30'000 mal wurde er geteilt. Pearces Beitrag ist ziemlich lang, aber es lohnt sich, ihn zu lesen.

Das steht im Post

«WAS IST HEUTE LOS MIT ALL DEN MUSLIMEN UND SCHWARZEN IN GLASGOW?

Das ist der schlimmste Tag ever. Ich verstecke mich momentan in einer Seitengasse in Glasgow, ohne Hosen und alles nur wegen Muslimen und Schwarzen.

Es begann etwa um 11 Uhr morgens. Ich lief durch die Strassen um etwas zu tun, das typisch für weisse Männer ist, (Kaffee mit Freunden oder so), als plötzlich diese Muslima in einem dieser Kopftuch-Dinger auf mich zukommt und mir eine wirre Frage stellt. Ich habe sie erst nicht verstanden und fragte sie, was sie meint. Sie fragte: ‹Was sagen Sie zu Dunblane?› (Ein Amoklauf in Schottland, 1996, anm. d. Red.)

Ich dachte, sie wolle wissen, wie sie NACH Dunblane kommt, also fragte ich sie, ob ich auf meinem Handy den Weg suchen soll. Sie sagte: ‹Nein, IDIOT. Was hast du zum Dunblane-Amoklauf zu sagen?›

Ich war verdutzt. ‹Dunblane? Ähm, ich habe nichts dazu zu sagen.› Es war seltsam, sie schien richtig wütend. Dann sagte sie: ‹Warum nicht, denken Sie nicht, dass es falsch war?›

Und ich sagte: ‹Natürlich war es falsch, aber das war vor 20 Jahren und ich hatte überhaupt nichts damit zu tun. Ich war damals 14 und habe nicht mal in Schottland gelebt.›

Die verrückte Muslima begann dann, mich zu verfolgen und mir irgendwelche Begriffe nachzuschreien: ‹Oklahoma! Utoya! Omagh! Columbine!› - und dann andere, wirre Dinge ‹Schiessereien in Abtreibungs-Kliniken! Apartheid! Pädophile Priester! Westboro Baptist Church! Massaker von Srebrenica!› Und ich denke mir nur was das alles soll? Hat sie gerade einen Nervenzusammenbruch?

Ich kriegte jetzt etwas Angst und stieg in den ersten Bus, den ich sah. Sie rannte dem Bus nach. Beim nächsten Halt stiegen ein paar junge Asiaten ein und setzten sich vor mich hin. Sie schienen über etwas zu lachen. Dann drehte sich einer um, schaute mir in die Augen und fragte mich allen Ernstes, warum mein Volk gerne junge Mädchen vergewaltige.

‹Was soll das heissen? Ich bin nur ein normaler weisser Typ aus der Mittelschicht. Ich habe studiert, einen Job - wir sind gute Menschen. Ich habe noch nie jemanden vergewaltigt, und mein Volk ist auch nicht voller Vergewaltiger!›

(Warum musste ich das überhaupt sagen, das ist doch logisch!)

Dann sagte der Teenager: ‹Verdammter Pädo. Ich weiss, wie ihr alle seid. Rolf Harris, Jimmy Savile, Cyril Smith. Kinderschänder, ihr alle!›

‹Okay, was auch immer› sagte ich, sie wollten mich wohl nur provozieren. Ich ging in die vorderste Reihe im Bus, ich wollte keinen Ärger. Dann schaut mich dieser alte Sikh an und sagte: ‹Weisst du, sie haben recht. Dein heiliges Buch befürwortet Vergewaltigung, auch wenn du es nicht tust.›

Erstmals habe ich kein heiliges Buch. Klar, ich bin getauft worden und ich feiere Weihnacht, aber ich bin kein Bibel-Fanatiker. Allerdings weiss ich GANZ SICHER, dass die Bibel nie Vergewaltigung gutheissen würde. (Nicht so wie andere heilige Bücher, die ich jetzt nennen könnte)

‹Wenn Sie die Bibel meinen, ist das Unfug. Die Bibel ist ein Buch voller Wissen und Licht›, sagte ich, so höflich wie ich nur konnte, wurde ich doch immer wütender ab all diesen uninformierten Meinungen. Der alte Sikh schien skeptisch, also zeigte ich ihm das einzige Bibel-Zitat, das ich kenne: ‹Alle Dinge hell und schön, Alle Geschöpfe gross und klein Gott der Herr gemacht, sie alle. Das ist die Aussage der Bibel.

Aber deshalb hörte er nicht auf.

‹Was ist mit Aholibah in Hesekiel? Dort steht: Ich will meinen Eifer über dich gehen lassen, dass sie unbarmherzig mit dir handeln sollen. Sie sollen dir Nase und Ohren abschneiden; und was übrigbleibt, soll durchs Schwert fallen. Sie sollen deine Söhne und Töchter wegnehmen und das übrige mit Feuer verbrennen. Sie sollen dir deine Kleider ausziehen und deinen Schmuck wegnehmen. Also will ich deiner Unzucht und deiner Hurerei mit Ägyptenland ein Ende machen, dass du deine Augen nicht mehr nach ihnen aufheben und Ägyptens nicht mehr gedenken sollst.

‹Das ist dein Gott, wie er Vergewaltigung und Verstümmelung gutheisst›, sagte er.

Ich war ziemlich genervt. Ich habe auf seinen Quatsch nicht mal geantwortet, ich bin am nächsten Stop einfach ausgestiegen. Dann ist alles komplett crazy geworden.

Am nächsten Stop standen ein paar nackte schwarze Teenager, etwa dreizehn Jahre alt. Komplett nackt, bis auf ein paar weisse Zeichen auf ihrer Haut. Sie sahen aus, als würden sie erfrieren, also fragte ich sie, was sie machen. ‹Wir sind Xhosa›, sagte der grösste Junge. ‹Wir sind auf dem Weg an eine Zeremonie. Wir werden in die Wildnis gehen und wenn wir zurückkehren, sind wir Männer.›

‹Aber warum seid ihr NACKT?!›

‹Das ist unsere Tradition›, sagte der Junge. ‹Warum trägst DU Hosen?›, fragte ein kleinerer.

Ich lachte. ‹Ist es nicht logisch? Jeder trägt Hosen. Ich trage sie, weil ich nicht jedem, den ich treffe, jeden Teil meines Körpers zeigen will.›

Die Jungen fanden das lustig. ‹Das klingt nach Unterdrückung. Du bist von deiner Gesellschaft einer Gehirnwäsche unterzogen worden›, sagte einer.

‹Unsinn. Hosen sind sachlich gesehen richtig. Warum bedeckt sie ihre Brüste nicht?›, sagte ich und zeigte auf das einzige Mädchen in der Gruppe.

‹Warum sollte sie? Warum muss eine Frau ihre Brust bedecken, Männer aber nicht? Das klingt sehr sexistisch, nicht?›

‹Es ist die Wahl der Frau, ihre Brüste zu bedecken›, sagte ich.

‹Also werde ich nicht verhaftet, wenn ich so durch Glasgow laufe?›, fragte das Mädchen und rollte ihre Augen.

‹Naja, vielleicht. Ich meine du stellst dich zur Schau. Es ist ziemlich eklig, ein junges Mädchen so angezogen zu sehen›, antwortete ich.

‹Weisst du, was ich eklig finde? Wie deine Gesellschaft dir sagt, du müsstest dich für deinen Körper schämen!›, sagte das Mädchen.

Dann änderte sich die Stimmung plötzlich und der eine Junge schrie: ‹Nehmt ihm seine Hose! Lasst uns ihn befreien!›

‹Wie kann ich ihm vertrauen, wenn ich nicht mal seinen Penis sehen kann?› sagte das Mädchen.

Dann rissen sie mir im Ernst die Hose runter. Ich versuchte, mich zu wehren, aber es waren etwa sechs von ihnen und ich hatte keine Chance. Sie zogen mir die Hosen aus und rannten davon. Dann hatte der grosse Junge noch die Frechheit, mir nachzurufen: ‹Es ist zu deinem eigenen Wohl! Lass dir von niemandem sagen, was du tragen musst!›

Hier bin ich also. Ich habe es geschafft, in eine Seitengasse zu kriechen und mich mit Zeitungen zu bedecken. Aber ich brauche jemanden, der mir Hosen bringt. Bitte, wenn du in Glasgow bist und Extra-Hosen hast, komm und finde mich. DIE GRÖSSE IST EGAL!

Oh, und wenn du mich nackt siehst, bitte bedenke, dass es heute sehr, sehr, sehr kalt ist.»

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