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Prypjat bei Tschernobyl – die ewige Geisterstadt: Hier werden nie mehr Menschen leben können

Einst lebten in Prypjat 50 000 Menschen, gleich neben dem Atomkraftwerk. Bis die Katastrophe ihre Heimat verseuchte.

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Verstrahlt, verlassen, verloren:  Auf den Treppen vor dem Hotel Polissya wachsen Bäume. play
Verstrahlt, verlassen, verloren: Auf den Treppen vor dem Hotel Polissya wachsen Bäume. Philippe Rossier

Auf den ersten Blick mutet Prypjats wilde Stadtnatur idyllisch an. Doch wer den Ort eine Weile erkundet, dem wird bald mulmig. Seit 29 Jahren ist die ukrainische Stadt nuklear verseucht, seitdem im nahen Kraftwerk von Tschernobyl der Reaktor explodierte.

Hat da nicht eine Tür geknallt? Ist da nicht ein Schatten vorübergehuscht? Das Hirn versucht, eine unsichtbare Bedrohung sichtbar zu machen. Denn radioaktive Strahlung sieht und spürt man nicht. Doch sie ist überall. Auf Jahrhunderte hinaus. Der Ort ist zum Mahnmal geworden.

Im Kulturpalast wurde einst getanzt und gefeiert. play
Im Kulturpalast wurde einst getanzt und gefeiert. Philippe Rossier

Einst war Prypjat eine Vorzeigestadt der Sowjetunion, 50 000 Menschen lebten hier, etwa so viele wie in Biel BE. Die meisten waren Kernkraftwerk-Mitarbeiter mit ihren Familien. Sie bekamen gute Löhne, hatten neue Wohnungen. Die Stadt wurde 1970 eigens für sie gebaut.

In diesem Hauswohnten die höheren AKW-Angestellten und ihre Familien. play
In diesem Hauswohnten die höheren AKW-Angestellten und ihre Familien. Philippe Rossier

Als am 26. April 1986 in der Nachbarschaft der Reaktorblock 4 von Tschernobyl explodierte, erfuhren die Menschen in Prypjat nichts davon. Über die Atomkatastrophe informierte sie niemand.

An dem Samstag flanierten sie wie immer in der Stadt und freuten sich auf das bevorstehende Fest zum 1. Mai. Der Rummelplatz war schon aufgebaut. Die Autoscooter und das Riesenrad stehen heute noch, verrostet, mit Moos überwuchert, radioaktiv. Kein Kind sass je darin.

Die Autoscooter auf dem Rummelplatz wurden nie benutzt. play
Die Autoscooter auf dem Rummelplatz wurden nie benutzt. Philippe Rossier

Erst 36 Stunden nach der Explosion wurde die Stadt mit über 1000 Bussen evakuiert. Da hatten bereits gewaltige Mengen radioaktiven Materials die Umgebung kontaminiert. Die Menschen durften nur das Nötigste mitnehmen. Man sagte ihnen, sie könnten in drei Tagen wieder in ihre Häuser zurück. Seither ist die Stadt verlassen.

Steht seit 29 Jahren still: Riesenrad in Prypjat. play
Steht seit 29 Jahren still: Riesenrad in Prypjat. Philippe Rossier

Doch selbst an diesem Ort finden sich stramme Unterstützer der Kernenergie. Igor Gramotkin etwa, der heutige Direktor des Kernkraftwerks Tschernobyl. Unter ihm wird keine Energie produziert, sondern bloss Atommüll entsorgt.

Trotzdem sagt er: «Wir können es uns nicht leisten, auf Atomkraft zu verzichten.» Aus der Katastrophe von Tschernobyl habe die ganze Welt gelernt. Die Menschen hätten ihre Kraftwerke sicherer gemacht. «Wir hörten nach dem Untergang der Titanic auch nicht einfach auf, Schiffe zu benutzen», so Gramotkin.

Kaum zu erkennen: Dieser Waldweg war einst der Lenin-Boulevard. play
Kaum zu erkennen: Dieser Waldweg war einst der Lenin-Boulevard. Philippe Rossier

Dabei bleibt Prypjat für immer unbewohnbar. Die radioaktive Strahlung im Ort liegt heute noch ein Vielfaches über den Grenzwerten. Ein weiteres Problem: Die Häuser verfallen zunehmend.

Eingestürzt ist etwa das Dach der Schule «Nr. 1». 1500 Kinder lernten hier, in einer der fünf Schulen der Stadt. Das eingestürzte Dach hat die Klassenzimmer freigelegt. Sie sind in der Zeit stehen geblieben.

Unsere Reporter Adrian Meyer (l.) und Philippe Rossier vor der Schule «Nr. 1». play
Unsere Reporter Adrian Meyer (l.) und Philippe Rossier vor der Schule «Nr. 1». zvg

Über den Pulten hängt ein Porträt des kommunistischen Vordenkers Friedrich Engels. Links und rechts von ihm hingen einst die Bilder der Kommunisten Karl Marx und Wladimir Iljitsch Lenin. Sie sind heute zerstört. Auf einer Wandtafel steht mit Kreide geschrieben: «Unsere Stadt wird alleingelassen.»

Der Zerfall legte ein Schulzimmer frei. Nur Friedrich Engels  ist noch da. play
Der Zerfall legte ein Schulzimmer frei. Nur Friedrich Engels ist noch da. Philippe Rossier

Neue Hülle für den Katastrophen-Reaktor

Prypjat – Am 26. April 1986 explodierte Reaktorblock 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl. Die bisher grösste Atomkatastrophe setzte riesige Mengen radioaktives Material frei und verseuchte Tausende Quadratkilometer. Bis nach Schweden und in die Türkei zog die nukleare Wolke. Nach den Löscharbeiten bauten die Sowjets einen Schutzmantel aus Stahl und Beton um den zerstörten Reaktor. Heute droht dieser Sarkophag einzustürzen. Ein weiteres Mal würde die Umwelt verseucht. Deshalb wird derzeit eine neue, 110 Meter hohe Schutzhülle gebaut. In zwei Jahren wird sie über den alten Sarkophag geschoben. Die zweite Hülle soll 100 Jahre lang Schutz bieten.

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