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Tattoos, Schweinefleisch & Konvertiten: 8 häufige Missverständnisse über das Judentum

Durch die innere Abgeschlossenheit und den fehlenden Drang, zu missionieren, gehört das Judentum zu den Religionen, über die man am wenigsten Bescheid weiss. Daher auch die Missverständnisse.

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1. Juden können nicht auf einem Friedhof begraben werden, wenn sie tätowiert sind

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Alle Bilder: Getty Images

«Und eingeätzte Schrift sollt ihr an euch nicht machen», heisst es in der Tora. Die Passage ist der Grund, warum sich viele Juden nicht tätowieren lassen. Doch nicht für jeden spielt diese Anweisung eine wichtige Rolle im eigenen Leben. Nun stellt sich die Frage, wie es mit dem Begräbnis aussieht. Berücksichtigt man die Passage, so ist das Tätowieren eine Sünde. «Für derart begangene Sünden wird man vom Himmel bestraft, nicht jedoch von den Mitmenschen und schon gar nicht nach dem Tode», sagt der Rabbi Bar Rav Nathan. Demnach bekommt auch jeder Tätowierter wie jeder andere Jude ein jüdisches Begräbnis.

2. Juden dürfen kein Schweinefleisch essen

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Das Schweinefleisch ist für diejenigen verboten, die koscher essen. In den USA, wo die meisten Juden ausserhalb Israels leben, praktizieren lediglich 21 Prozent von 5,3 Millionen Juden diese Enthaltsamkeit. Und in Israel selbst sind es rund 36 Prozent. Neben Schwein sind auch Schalentiere, Hasen-, Schliefer- und Kamelfleisch verboten. Für die sekulären Juden, die nicht koscher leben, gilt diese Regelung demnach nicht.

3. Das alte Testament ist die jüdische Bibel

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Viele Leute glauben fälschlicherweise, dass das alte Testament der christlichen Bibel die «jüdische Bibel» ist. In Wirklichkeit folgen die Juden den Schriften des Talmuds und Tanachs. Tanach ist ein Kunstwort, das aus den Anfangsbuchstaben für die drei Worten Tora, Newiim und Khetuvim gebildet ist. Die Tora besteht aus den fünf Mosebüchern. Zu den Newiim zählen auch die prophetischen Bücher der Propheten, die nicht in der christlichen Tradition vorkommen und die Khetuwim sind sonstige Schriften. Der Talmud ist nach jüdischem Verständnis die mündliche Lehre - also die Brille, durch die Juden die Tora lernen und interpretieren. Es ist wahr, dass viele dieser Bücher im alten Testament zu finden sind, aber das alte Testament besteht nur aus einzelnen Teilen der Bücher.

4. Juden dürfen keine Nichtjuden heiraten

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«Die ‹Ehe› eines Juden mit einem Nichtjuden hat nach jüdischem Religionsgesetz keine bindende Kraft und ist religiös ungültig, auch wenn sie von hundert Rabbinern gesegnet wurde», schreibt der Rabbiner Chajim Halevy Donin. Daher stammt der Glaube, Juden wäre es nur innerhalb der eigenen Religion erlaubt, zu heiraten. In den USA werden allerdings 79 Prozent der Ehen von Juden mit Nichtjuden geschlossen. Obwohl das die orthodoxen Gruppen nicht gerne sehen, heiraten seit 2000 sechs von zehn Juden ausserhalb der Religion.

5. Die Juden glauben nicht an einen Messias

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Die Christen glauben an Jesus Christus als den gesandten Messias und haben ihren Glauben um ihn und seine Lehre aufgebaut. Die Juden glauben nicht, dass Jesus der Messias war, aber sind dennoch überzeugt, dass der Messias noch kommt und dass es sich um jemanden aus dem Geschlecht David handeln wird.

6. Die Juden glauben an Himmel und Hölle

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Für die Juden stellt die Hölle nicht das dar, wie es in den meisten Religionen der Fall ist. Im Judentum wurde in der Zeit bis 70 n. Chr. der Glaube an eine leibliche Auferstehung immer wichtiger. Im Zentrum dieses Glaubens steht, dass Gott die Menschen beim Gericht entweder in das Paradies oder in die Hölle schickt. Denn der Himmel ist ein Ort, der nur für Gott und Engel gedacht ist. Für die Menschen bleibt der Himmel auch nach der Auferstehung unerreichbar. Himmel und Paradies werden also getrennt gedacht.

Auch die Vorstellung von der Hölle als einem ewigen Zustand in Qualen entspricht nicht dem jüdischen Glauben. Viel eher gibt es im Judentum das Gehinom, das ungefähr mit Hölle übersetzt werden kann. Es ist aber ein Prozess der Restauration und Heilung. Die Seele kann mit einer Person in der Therapie verglichen werden. Das Gehinom ist eine Station des Lernens, wo man sich vom Negativen, das man im Leben angesammelt hat, befreien kann.

7. Juden dürfen am Sabbat nicht arbeiten

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Der Sabbat fängt mit dem Sonnenuntergang am Freitag und hört mit dem Sonnenuntergang am Samstag auf. In dieser Zeit sollte der Jude keine Arbeit verrichten. Doch daran hält sich ausser den orthodoxen Juden kaum jemand. In den USA gaben beinahe 96 Prozent der Juden an, am Sabbat zu arbeiten. Orthodoxe benutzen an den Ruhetagen kein elektrisches Licht, fahren ihren Computer nicht hoch, kochen nicht.

8. Juden lehnen Konvertiten ab

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Zum Judentum zu konvertieren ist gar nicht so einfach. Deswegen erscheinen Juden oft als engstirnig und lehnen die Menschen, die ihren Glauben teilen möchten, ab. Um ein Jude zu werden, reicht es nicht, die jüdischen Praktiken zu befolgen. Um ein Zeichen des Bundes mit Gott zu setzen, muss der Mann sich beispielsweise beschneiden lassen - wie es Abraham als Erster in der Bibel vollzog. Der Grund, warum die «echten» Juden den Konvertiten gegenüber oft skeptisch sind, liegt in der fehlenden Identität. Der deutsche Historiker Julius Schoeps fasst es so zusammen: «Eine jüdische Identität kann man nicht einfach so bekommen. Die Leidensgeschichte hat ein Konvertit nicht erlebt.» Schliesslich würde man mit dem Konvertieren nicht nur einer neuen Religions- sondern auch einer Volksgemeinschaft beitreten.

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