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Genuss: «Ferien vom Diät-Wahn»

Warum essen wir an Weihnachten Ethno-Food und überhaupt so viel? Der deutsche Kulturforscher Gunther Hirschfeld erklärts.

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Weihnachts-Auszeit: Pause vom schlechten Gewissen. play
Weihnachts-Auszeit: Pause vom schlechten Gewissen. Getty Images

Der Experte

Der Kulturanthropologe und Volkswissenschaftler Gunther Hirschfelder (54) lehrt als Professor für Vergleichende Kulturwissenschaft an der Uni Regensburg, ist u. a. Dozent der Deutschen Akademie für Kulinaristik und in Fernsehen und Hörfunk tätig. Sein letztes Buch: Was der Mensch essen darf.

Ökonomischer Zwang, ökologisches Gewissen und globale Konflikte. Springer VS, Wiesbaden 2015, lehmanns.ch, 69.90 Fr.

Am Zürcher Weihnachts-Dorf wurde dieses Jahr statt Cervelat und Lebkuchen fast nur Ethno-Food angeboten. Wie kommt das?
Gunther Hirschfelder: Die religiösen Bezüge von Weihnachten gehen zunehmend verloren. Vom Ort der Besinnlichkeit und der Sehnsucht nach der Kindheit wandelt sich Weihnachten zu einem Volksfest. Der Trend zur Oktoberfestisierung ist atemberaubend:  Immerhin war die Adventszeit die festliche Vorbereitung auf die Geburt Christi.

Und jetzt hopst man in lustigen, oft freizügigen Weihnachtskostümen herum. Motto: Have fun!
Ja, man dockt zwar noch an ältere Muster der Tradition an – deutet sie aber völlig neu. Zur Neu-Deutung gehört auch das Ethno-Food in Zürich.

Hat das auch was mit dem Umfeld zu tun?
Vielleicht ist es ein Ausdruck dafür, dass sich Zürich als globale, multikulturelle Stadt versteht mit einem Innovationspotenzial, das grösser ist als im Kleinstadt-Milieu.

Immerhin wird dem guten alten Glühwein noch zugesprochen.
Hirschfelder:
Auch wenn am Weihnachtsmarkt der Alkohol omnipräsent sein mag, ist ein Weihnachtsmarkt kein Ort des exzessiven Alkoholkonsums. Das ist eine bürgerliche Veranstaltung. Trinker fühlen sich von diesem Setting nicht angezogen. Hart gesagt: Auf dem Weihnachtsmarkt wird nicht gekotzt – wie zum Beispiel auf dem Oktoberfest.

Warum sind wir das ganze Jahr auf Diät und tischen dann am Heiligen Abend unmässig viel auf?
Weihnachten ist eine tradierte Auszeit. Da darf man essen, was einem schmeckt, ohne an Kalorien zu denken. Wir erleben es nicht mehr als sakrales Fest, sondern als sozialen Event: Weihnachten ist als Familienfest gelabelt. Dazu gehört das aufwendige Essen.

Was wird denn so geschlemmt?
Der Trend geht zum eventartigen Essen. Beliebt sind zum Beispiel Edelfischkompositionen. Die Gans ist nicht mehr so en vogue. Aber Fleisch bleibt ein grosses Thema.

Wo doch Vegetarier und Veganer auf dem Vormarsch sind?
Weihnachten bedeutet auch Ferien von Nachhaltigkeit und Klimawandel.

Aber was, wenn die Grossmutter auf Braten und der Enkel auf vegan besteht?
Der Trend zur Individualisierung erstreckt sich auch auf die gemeinsame Mahlzeit. Das gibt in der Praxis Diskussionen.

Ist die Weihnachtsvöllerei ein neues Phänomen?
Ja, sie ist mit der Konsumgesellschaft entstanden. Bis in die 1960er-Jahre wurde recht bescheiden gefeiert.

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