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Genuss: Leckere Lektüre

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Warum essen Männer Steaks und naschen Frauen Pralinen? Warum wirken manche Veganer wie Anhänger einer Religion? Nach der Lektüre von «Die Moral auf dem Teller» weiss man’s. Eigentlich soll das Buch von Albert Wirz (1944–2003, Historiker und mal Chefredaktor des Zürcher «Tages-Anzeiger») die historischen Wurzeln unserer Ernährungsgewohnheiten freilegen. Doch mit einer Fülle von Anekdoten entlang der Biographien von Max Bircher-Benner (1867–1939) und dem Cornflakes-Guru John Harvey Kellogg (1852 –1943) erzählt, ist es beste Unterhaltung. Vieles hätte ein Romancier nicht besser erfinden können: Etwa, dass einige der reichen Patienten des Müesli-Papstes mit dem Reitpferd im Sanatorium «Lebendige Kraft» anreisten, um dort in kärglichem Ambiente mittels Haferflocken und geraffelten Äpfeln an Leib und Seele zu gesunden. In Amerika trachtete zur gleichen Zeit in Battle Creek im Staat Michigan der Frühstücksflocken-König Kelloggs danach, seine Kundschaft mit Einläufen und rigiden Ernährungsvorschriften ausser von der Verstopfung auch von der Libido zu kurieren.
Nach der Lektüre wird man nie wieder unbefangen Cornflakes kaufen, erst recht nicht nach «Willkommen in Wellville» (auch verfilmt), wo der amerikanische Bestsellerautor T. C. Boyle die Kelloggs-Story – ziemlich nah an den Fakten – als echten Roman mit fiktivem Personal aufbereitet. Schnell, im für ihn typischen, leicht hysterischen Sound und mit boshaftem Unterton, beschreibt er Kellogs Heilklinik Battle Creek als Brutstätte von Sektierertum und Gesundheitswahn.
Ebenfalls mit Verrückten, aber immerhin sympathischen, hat es Bill Buford in «Hitze» zu tun. Der Ex-Literaturchef des «New Yorker» kündigte seinen Job, um ein Jahr in der Küche des Sterne-Restaurants Babbo in glühender Hitze den Sklaven zu spielen. Im Schweisse seines Angesichts lernte er, dass gutes Essen bei den Zutaten und ihrer Erzeugung anfängt. Auf einer Reise ins italienische Chianti trifft er Pasta- und Wursthersteller vom alten Schlag, Wahnsinnige, die ihren letzten Blutstropfen für die beste Pasta, die beste Wurst opfern würden. Liest sich wunderbar, und als Leser mag man seine Fleischwaren von jetzt an nur noch beim Top-Metzger kaufen.
Gehobenes Lesefutter (da auf Französisch, aber leicht zu lesen) sind die Memoiren des Meisters aller Meister, Paul Bocuse. Titel: «Le feu sacré» (Das heilige Feuer), das bei ihm nicht nur für Foie gras und Dodine à Canard brennt: Das Schreiben hat er Eve-Marie Zizza überlassen, Tochter einer der drei Amouren, mit denen Bocuse sein Leben teilt.
Dagegen klingt die Sprache des Sterne- und TV-Kochs Vincent Klink so saftig wie ein schwäbischer Rostbraten. Aus einer Philologenfamilie stammend, mit Sinn fürs Schöngeistige, lässt er in «Sitting Kitchenbull – Gepfefferte Erinnerungen eines Kochs» sein Gourmet-Leben passieren. Auch dies alles andere als literarisches Junkfood.

 

Leidenschaftlich: Le feu sacré, die Memoiren von Paul Bocuse, amazon.de

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Saftig: Sitting Küchenbull –Gepfefferte Erinnerungen eines Kochs, von Vincent Klink, Rowohlt, 11.90 Fr., weltbild.ch

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Wahnsinnig: Bill Buford. Hitze. Hanser-Verlag, 35.90 Fr., buch.ch.

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Boshaft: Roman von T. C. Boyle über denKelloggs-Kosmos, Hanser-Verlag, Taschenbuch, 16.50 Fr., weltbild.ch

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