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Gimmas Welt: Fear and Loathing in: Filisur / One Love Festival, Part 2

«Öhi Is Back!» - fast ein Tag an einer Goa-Party.

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«Hast du Ihn gesehen?»

«WEN gesehen?»

«Den Alp-Öhi!»

«Welchen Alp-Öhi?!»

Zugegeben, die Verwirrung ist beachtlich gross schon um diese Zeit.

Die warme Zugluft kühlt im Zug. Wir fahren mit «der Bahn ana», wie der belustigte Aargauer nicht müde wird als betrunkenes Mantra lautstark zu skandieren. Die meisten anderen - vermutlich auch Aargauer - johlen mit. Die heimischen Bündner grinsen etwas fremdschämig, aber es ist bei einigen wohl das erste Bier, hier im Sonderzug knapp nach Bonaduz. Man wird sich bewusst, dass man beim optimalen Festivalwetter aufschlagen wird: schön, aber nicht zu heiss. Blauer Himmel jede Stunde, genug Wolken überall. Das reicht auch. Farbig wird es schliesslich sowieso, mein Steffi. Ihr Akzent klingt Deutsch, aber ich klinge vielleicht auch komisch, darum sollte ich mich besser wieder auf meine Notizen konzentrieren bei zweiten Bier. Die Aargauer lachen wieder. Bier drei.

Der Sonderzug legt sogar eine Rauchpause ein. Die Kundenfreundlichkeit der Bündner Touristiker kennt bald keine Grenzen mehr, wenn das so weitergeht. Eine Rauchpause für einen Sonderzug zwischen Chur und Filisur habe ich zum letzten Mal erlebt, als in den 90ern einer den Zug vor Ems entführen wollte. Hier übrigens ein jahrzehntelang gereifter Fakt zu Zugsentführungen: saudämliche Idee.

Vom Sonderzug geht's direkt in den Sonderbus. Einer ruft «fahr mol schnäller!». Ich rufe zurück: «lauf doch langsamer!». ich finde nicht, dass man diesen armen Buschauffeur, der gerade eine halbe Legion Hirnmutantenhippies aus dem Unterland aufgeladen hat schon provozieren sollte. Aber ich kenne auch den Weg, den man laufen müsste um zum Mainfloor zu kommen und ich sag's Mal so: Nein. Einfach: Nein. Und das hat mit meinem Extragewicht nix zu tun. I mag aifach nidda.

«Da, der Alp-Öhi - er steht NEBEN DIR!»

Oh. Da steht tatsächlich ein älterer Mann mit Rauschebart, dunkelblauem Trachtenhemd mit Stock und Hut. Auf dem Mainfloor. Für einen kurzen Moment vergesse ich mich rational betrachtet, dann komme ich dann doch nicht umhin, diesen Herrn anzuquatschen.

«Siehst du ihn jetzt?!»

Jaaaaa. Ich sehe ihn auch. Aber das macht ehrlich gesagt nichts besser. Da steht wirklich ein Alp-Öhi auf dem Mainfloor und ich werde mit ihm reden.

Digitale Bezahlsysteme treffen auf Toiletten mit Holzspan-Trockenspülung. So stelle ich mir Goa-Parties im 2016 vor. Was das OneLove letztes Jahr schon ausgemacht hat, war die unfassbar detailverliebte Deko. Früher sahen psychedelische Festivals tagsüber manchmal aus wie ein Erdrutsch in Nepal: da hingen zwar ein paar Fähnchen, aber primär sah man nur noch Matsch und Rüfen. Und am Sonntag Zombies. Dies alles versuche ich zu vermeiden.

Wer hier das Festivalgelände betritt, beim Eingang, der neu fast einen Kilometer näher am Mainfloor ist (ja, diese Distanzangabe stimmt ungefähr). Eigentlich ist man direkt im Festival, hat man erst mit den anderen Dutzenden halbnervösen Vorfreuern die Albula doppelt überquert und bekommt von einem netten Kolumbianer (?) und seiner italienischsprechenden äusserst attraktiven Kollegin in wirklich sehr diffusem Deutsch (BERLIN!) erklärt, es gäbe nichts dergleichen wie einen Tagespass. Also zahlt man die volle Mehrtagespinjata und freut sich überzuckert auf die Tatsache, dass man soeben vermutlich ziemlich genau eine Pizza Funghi und eine Bio-Vegan-Cola plus kleines Dessert pro DJ ausgegeben hat, den man erleben wird. ABER... - und dieses Aber schreibt sich sehr gross - ich weigere mich mit 36 zu denjenigen zu gehören, die sich über so etwas noch Gedanken machen wollen, lächle fröhlich zurück.

Gehe meinen Getränkegutschein auf magische Weise in eine Faust Hopfensaft verwandeln. Diesen Trick wende ich im Verlaufe des abends mehrmals an: Plastikgeld in Hopfenfaust - Tschack! Schabernack!

Schabernack wäre übrigens ein toller Name für einen DJ an einem solchen Festival. DJ Schabernack: falls du das jetzt liest und diesen Namen ab sofort verwendest: meine IBAN gibt's per DM. Aber bleiben wir noch etwas bei den analogen Künsten. Die Acts hier haben manchmal tatsächlich recht lustige Namen: Audiofisters lese ich da. Und Tschernobillies. Halleluja ich bin unter meinesgleichen! Jack trägt auf dem Mainfloor sogar ein Gimma Shirt. Es gib Sachen, die gibt es einfach gar nicht.

Der Alp-Öhi.

Er sei schon seit 20 Jahren nicht mehr an einer Goa-Party gewesen. Und eigentlich wäre er gerne nach Frankreich geflogen. Aber dann habe das irgendwie nicht geklappt am Flughafen und er habe ein paar Mädels getroffen, die ihm ihr übriges Ticket für dieses «OneLove» Dings für einen läppischen Preis verkauft hätten und jetzt sei er eben hier. Wir heben die Tassen! Alp-Öhi is here! So einen muss man einfach umarmen, auch ohne MDMA im System.

Das Tolle an diesem einen partikulären Festival ist, dass es von meinen Freunden organisiert wird von Grund auf. Jede Attraktion, jedes Booking, jedes Deko-Element gleitet durch diese Leute, die ich für ihre Energie und ihren Enthusiasmus extrem bewundere. Da gehen sie hin, deine Jahresferien als Logistiker - dafür bis du für 4 Wochen der König der Albula!

Die Mädels tragen diesen Sommer schwarze, zerrissene Leggins. Das sieht etwas verwegen und mystisch aus. Für einen normalen Typen wie mich vielleicht sogar exotisch. Jungs tragen prinzipiell nur Kabis. Sehen per se komisch aus und hantieren mit Dingen: jonglieren, brennen, jubeln. Und stampfen, das tun sie alle. Trotz Löcher in die Hose. Ich schätze relativ viel Leute hier arbeiten im Dienstleistungsbereich. Ich werde von mehreren Pflegepersonen innerhalb von 500 Metern auf ihren Beruf angesprochen. Meinen kennen sie ja: ich bin Rapper. Sheesh! Aber solange man freundlich zu mir ist, finde ich das lustig. Ausserdem wirken inzwischen die Kekse. Was soll ich mich also beschweren. Es ist grossartig hier an der Albula an diesem lauen abend unter all diesen Freaks und schrägen Vögeln.

Wir stehen in einer Giger «Exhibition». Das Wort ist schon befremdlich. Wir stehen vor einem Stuhl von Giger und keiner kann mir erklären, was der da soll, an dieser Goa, aber die netten jungen Menschen am Tresen in diesem Ausstellungszelt scheinen von Giger in Etwa soviel Ahnung zu haben wie ich von Goa, drum ist fair fair und ich halte mein Schnautze tif und erkläre meiner Begleitung, dass keine 20 Kilometer von hier eine Bar steht, wo alle Stühle so sind. Ja, Giger was from Switzerland, amazing!

Man torkelt von Bier zur Bier, veganes Essen, Bio, Schmuck, klatscht willkürlich ab, High-5 Low-5, random people kennenlerning. Alte Kollegen treffing. Dann leider vom Kalender an den Masterplan erinnert werding... ich muss! Und zwar bald! Hallo Sterne, sali Regenbogen! Was schon so spät? Oha!

Und nach einem kurzen, heftigen Aufprall zwischen Bässen und Geknutsche fährt uns ein Taxi zu ausgehandelten Selbstkostenpreis zurück dorthin, wie diese Giger Stühle stehen und die Alp-Öhis sonst zu Hause sind.

Das OneLove ist angekommen. Das Festival hat sich wie man so schön sagt etabliert. Noch immer keine Sponsoren, kein Mainstream, kein Cola. Keine Chemie (hihi) alles Bio. Viel Liebe, wenige Generve. Viel Freunde, wenig Argumente. Eine sehr schöne Party, einmal mehr. Danke! #onelove17 wir sehen uns! Und nächstes Mal sogar etwas länger, als nur ein paar durchgeknallte Stunden.

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