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«Arbeiten ist keine Option»: Influencer suchen Spenden für Reise

Mit einem Spendenaufruf auf «Go Fund Me» haben zwei deutsche Influencer für einen Shitstorm gesorgt.

Hinter dem Instagram-Profil «another_beautiful_day_official» stecken Catalin Onc und seine Frau Elena Engelhardt. Die beiden kommen aus Deutschland und wollen das gleiche, wie viele junge Menschen: Die Welt bereisen. Statt das Abenteuer aber mit harter Arbeit selber zu finanzieren, findet das Paar, sie hätten dank ihres «Einflusses auf das Leben anderer» Spenden verdient.

Was Catalin und Elena zuerst auf «Go Fund Me» veröffentlichten, stiess vielen sauer auf. So eröffneten ihr Plädoyer mit: «GELD, GELD, GELD. Wir sind wieder an einem Punkt angekommen, wo wir nach Geld fragen müssen, um mit unserem Tun weiterzumachen. Einige werden uns sagen, wir sollten einfach Jobs suchen, wie alle anderen auch und aufhören zu betteln. Aber wenn du den Einfluss auf das Leben anderer hast wie wir, ist Arbeiten keine Option.»

Schon die erste Zeile wirkt leicht abgehoben, doch es kommt noch dicker. Das Paar schreibt weiter: «Wir könnten modeln und schnelles Geld machen, aber wir wollen den Konsumismus nicht bewerben. Ein normaler Job wäre zu diesem Zeitpunkt schädlich. Ich werde komplett ehrlich sein: Momentan finanziert uns meine Mutter, sie hat zwei Jobs und hat nicht viel für sich selbst. Wir haben sie nicht nach Geld gefragt, aber sie liebt es, dass sie helfen kann.»

Catalin, der den Text in der Ich-Form zu verfassen scheint, sieht auch hier noch kein Problem. Er erzählt weiter: «Nachdem ich einige Zeit auf Wanderungen im Himalaya verbracht habe und Dinge über mich selbst und wie andere Leute leben gelernt habe, wäre es egoistisch, nicht zu Social Media zurückzukehren.»

Dass der Spendenaufruf nicht sonderlich gut ankam, wird kaum jemanden überraschen. Das merkten auch Catalin und Elena ziemlich schnell und änderten den gesamten Text. Doch es war schon zu spät. Ein Screenshot des ursprünglichen Aufrufs hatte es bereits auf «Reddit» geschafft und wurde von dort weiter verbreitet.

Der original-Text / SCREENSHOT REDDIT

Auf der «Go Fund Me»-Seite steht jetzt eine wesentlich harmlosere Variante des Textes: «Wir starten am 20. Juli in der Mitte von Deutschland auf einem Tandem und werden bis nach Afrika und hoffentlich noch weiter radeln. Wir wollen dich auf dieses grosse Abenteuer mitnehmen. Eine Zelebration des Lebens, während wir frei über Berge, neben Seen und durch Grossstädte radeln. Wir werden die Schönheit unseres Planeten und ihren Bewohnern zeigen, aber auch ihre Hässlichkeit.»

Trotz des schnellen Vertuschung-Versuches des Paares scheint der Schaden schon angerichtet zu sein. Auf Instagram und auch auf «Go Fund Me» werden Elena und Catalin als Schmarotzer beschimpft, von ihrem Spende-Ziel à 10’000 Euro kamen bis jetzt auch nur 205 Euro zusammen. Der ganze Hass scheint die beiden zudem für die nächste Zeit von Social Media vertrieben zu haben: In ihrem letzten Post verabschiedeten sie sich «für eine Weile».

Direkt aus dem Social-Media-Team macht Joëlle den fliessenden Wechsel in die Welt der Schreiberlinge. Sie mag Bücher, Memes und Blobfische.

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