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Oliver (25) will trotz Rollstuhl in die Politik

Oliver Ranger kam mit Zerebralparese zur Welt. Das hält ihn aber nicht davon ab, etwas zu bewegen. Der 25-jährige Zuger möchte als Kantonsrat in die Politik – um Menschen mit Einschränkungen eine Stimme zu geben.

«Von jung auf 100»: Oliver Ranger

🔊💯 «Von jung auf 100» – Oliver will ein Sprachrohr für Menschen mit Einschränkungen sein.·Oliver Ranger kam mit Zerebralparese zur Welt. Das hält ihn aber nicht davon ab, etwas zu bewegen. Der 25-jährige Zuger möchte in die Politik – um Menschen mit Einschränkungen eine Stimme zu geben.·#vonjungauf100

Gepostet von Blick am Abend am Donnerstag, 24. Januar 2019

Wir treffen Oliver bei uns im Pressehaus in Zürich zu einem Video-Interview. Er ist mit dem öffentlichen Verkehr aus dem Kanton Zug angereist. Gar kein einfaches Unterfangen, denn der 25-Jährige kann mit seinem Rollstuhl nicht in jeden Zug einsteigen. Ein Problem, das er gerne lösen würde. «Ich wünsche mir mehr Barrierefreiheit im öffentlichen Raum», erzählt er. Nicht nur bei Zügen und Bussen, sondern auch bei Gebäuden. Immer wieder stösst er im Alltag auf Treppen ohne Rampe oder Lift, die für ihn und seinen Rollstuhl nicht passierbar sind.

Das ist einer der Gründe, warum Oliver sich politisch engagieren möchte. «Ich will etwas verändern, anstatt mich nur darüber aufzuregen», erklärt er. Letztes Jahr hat der damals 24-Jährige für die SP Baar für einen Sitz im Zuger Kantonsrat kandidiert. 669 Stimmen hat er bekommen. Für einen Sitz hat es damit nicht gereicht. Trotzdem ist Oliver stolz auf das Resultat: «669 Menschen glauben an mich und wollen mich unterstützen. Das macht mir Hoffnung.» Oliver gibt nicht auf. Dieses Jahr wird er noch einmal kandidieren.

Oliver Ranger (25). ZVG

«Menschen mit Behinderungen verdienen den gleichen Respekt wie andere»

Oliver, der in einem Pflegezentrum in Baar lebt, will eine Verbindung zwischen Menschen mit und ohne Behinderung sein. «Ich möchte den Menschen zeigen, wie sie helfen können.» Ein Beispiel, das ihm besonders aufgefallen ist, sei, dass Menschen mit Einschränkungen oft geduzt werden. Das stört Oliver. «Wenn man jemanden siezt, zeigt das Respekt», erklärt er. Diesen Respekt würden auch Menschen mit Behinderungen verdienen.

Selbständigkeit ist dem 25-Jährigen sehr wichtig. Im Selbststudium hat er darum bei der Institution Akad in Zürich das Bürofachdiplom VSH und das Handelsiplom VSH erlangt. Seit über zwei Jahren arbeitet er bei einem Zuger Treuhandbüro als Büroangestellter. Seit letztem Jahr studiert er ausserdem in einem Online-Studiengang Politikwissenschaften. «Selbständigkeit ist meine grösste Motivation. Sie kommt von Selbstmotivation und Selbstüberzeugung. Etwas, das mir niemand wegnehmen kann, egal wie fest er es versucht.»

In unserem Video-Format «Von jung auf 100» stellen wir regelmässig junge Menschen vor, die etwas Besonderes machen. Hast du auch eine Geschichte, die du gerne erzählen möchtest? Dann melde dich per Mail mit dem Betreff «Von jung auf 100» an redaktion@blickamabend.ch

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Bettina hat Journalismus studiert und leitet seit einem Jahr das Online-Team von Blick am Abend. Sie liebt Tiere, Literatur und TV-Serien.

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