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19.09.2017 90 Reax
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Als es noch Dachluken und Fenster gab

Christian Dorer ist Chefredaktor der Blick-Gruppe und fährt 1x pro Monat beim Regionalbus Lenzburg.

Mein Göttikind Sophie (8) war kürzlich an einem Konzert. Ein älterer Besucher fragte sie: «Hast du daheim eine CD dieser Sängerin?» Sophie machte grosse Augen – denn sie hat keine Ahnung, was eine CD ist. Songs, die ihr gefallen, hört sie auf dem Handy. Am Samstag musste ich wieder an Sophies Verblüffung denken. Ich fuhr das älteste Fahrzeug unseres Fuhrparks, einen 15 Jahre alten Gelenkbus. Er ist der letzte ohne Klimaanlage. Noch vor ein paar Jahren waren Klimaanlagen in Linienbussen ein Ding der Unmöglichkeit. Sie kamen nicht gegen die Aussentemperatur an, weil sich die vielen Türen an jeder Haltestelle öffnen. Seit gut zehn Jahren ist die Technik so weit. Heute sind Klimaanlagen auch in Bussen nicht mehr wegzudenken. Nur: Sobald etwas selbstverständlich ist, weiss man kaum noch, wie es ohne funktioniert. Und so hat die Betriebsleitung einen grossen Vermerk auf dem Armaturenbrett meines Busses angebracht: «Fahrzeug nicht klimatisiert – Dachluken und Fenster öffnen.» Eigentlich verrückt: Heute muss man die Leute im Sommer daran erinnern, dass man einfach das Fenster aufmachen kann! Jede neue Generation von Bussen ist besser als die vorangegangene. Sie haben keine Treppenstufen mehr, sie lassen sich zusätzlich seitlich absenken – ebenerdige Einstiege sind selbstverständlich geworden. Digital-Anzeigen und automatische Durchsagen informieren über die nächsten Haltestellen. Mikrochips steuern den Motor. Dank GPS und Bildschirm weiss der Chauffeur auf die Sekunde genau, wie er im Fahrplan liegt.

Nein, ich habe wirklich nichts gegen den Fortschritt. Aber wenn eines Tages in meinem Bus ein Hinweis auf dem Armaturenbrett klebt: «Fahrzeug ist nicht selbstfahrend. Bitte Lenkrad und Gaspedal betätigen» – und wenn mein Göttikind gar nicht mehr weiss, was ein Chauffeur ist … dann hört für mich der Spass auf!

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