Finde den folgenden Gegenstand beim Surfen auf Blickamabend.ch und gewinne tolle Preise!
Suche starten
Du hast den Gegenstand gefunden! Klicke auf Mitmachen und nehme am Gewinnspiel teil.
Mitmachen

Generation L

04.07.2018 64 Reax
teilen
teilen
0 shares

48 Stunden Berlin

Buchautorin Linda Solanki.

Freitagabend in Berlin. Nach einer Woche mit durchschnittlich vier Stunden Schlaf pro Nacht liege ich erledigt im Bett. Den Freitagabend verpennen? Kein Thema, ich bin jetzt schliesslich in einem Alter, in dem man nicht mehr einfach die Nächte ohne Folgeschäden durchzechen kann. Dafür fällt im fortgeschrittenen Alter das frühe Aufstehen leichter. Bereits um zehn springe ich also putzmunter aus dem Bett direkt zur Minibar. Frühstück aufs Haus.

Eine Stunde später stehe ich vor dem falschen Club mit den falschen Leuten, aber mit dem richtigen Tequila, darum geht’s trotzdem irgendwie. Niemand ausser uns trinkt, weil alle auf Koks oder Keta oder MDMA sind, und keiner zückt sein Handy, da die Kamera am Eingang abgeklebt wurde. Damit keiner auf einer Instastory den Beweis dafür liefert, dass alle auf Koks oder Keta oder MDMA sind. Find ich sympathisch. Das mit den Drogen weniger, aber das mit dem Hier und Jetzt erleben, ungefiltert, ungefilmt.

Nach sieben Stunden mach ich schlapp, ihr versteht schon, das Alter, verkrieche mich zurück in meinen neuen Lieblingsort, das Bett. Um acht Uhr abends gibt es endlich ein alkoholfreies Frühstück, dazu das Spiel Deutschland-Schweden und eine Portion Magenschmerzen. Trotz Sieg in letzter Sekunde zeigen sich meine deutschen Freunde feiermüde. Nur der Franzose, der mag noch. Ich dann auchwieder um 3 Uhr nachts, zumindest eine Partie Billard liegt drin, dann noch eine und dann ist es auch schon halb 5 und eh zu spät, um heimzukehren.

Also stehen wir schon wieder vor dem Club, diesmal vor dem richtigen, spielen Berghain mit dem Türsteher, bis wir alle Pseudofragen richtig beantwortet haben. Danach werden wir durchs Labyrinth geschleift, in einen Bunker verfrachtet und von nackten Gestalten umtanzt. Der DJ versucht uns mit Beats zu töten. Alle anderen mit ihren Blicken. Um neun merken wir, dass wir noch leben, und feiern dies mit Hüttenkäse und Salat und viel Vogelgezwitscher. In unserem Alter muss man schliesslich vernünftige Entscheidungen treffen. Wie diejenige, nach nicht einmal achtundvierzig Stunden wieder abzureisen. Denn drei Tage Berlin, dafür bin ich eindeutig zu alt.

teilen
teilen
0 shares
Wie findest du den Artikel?

Unsere Leser empfehlen

Meist gelesen

Bilder des Tages