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Generation L

07.03.2018 58 Reax
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Après-Ski heil!

Buchautorin Linda Solanki.

Das letzte Mal stand ich vor fünfzehn Jahren auf den Skiern. Mit zwölf beschloss ich nämlich, nicht mehr mit in die Skiferien fahren zu wollen. Also blieb ich alleine zuhause und nutzte die sturmfreie Zeit, nein, nicht mit Party, dafür war ich noch zu jung und brav, sondern damit, meine Backkünste zu verbessern, mir die Haare zu färben und jeden Tag eine Stunde joggen zu gehen – um die Donuts und Muffins, die ich ja alle selber ass, wieder zu verbrennen.

Das war genauso langweilig, wie es klingt, aber mir immer noch lieber, als die Woche mit meiner Familie in Einsiedeln zu verbringen, jeden Morgen viel zu früh aus dem Bett gerissen zu werden, mich in Schichten über Schichten dicker Kleidung zu hüllen, bereits im Auto ob des Zwiebellooks zu schwitzen, ausserhalb des Autos aber gleichzeitig zu frieren, endlos am Skilift anzustehen, jedes Mal beim Ausstieg des Liftes in Panik zu geraten, mehr schlecht als recht den Hügel hinab zu donnern, hinzufallen, in fremde Leute reinzufahren, am Mittag in durchnässter Kleidung lauwarme Pommes zu speisen und am Nachmittag schliesslich erschöpft heimzufahren.

Das Highlight der ganzen Woche war, dass jeder von uns einmal das Abendessen wünschen durften. Bei mir gab es jeweils selbstgemachte Pizza oder Kartoffelstock mit Bratkügeli. Das war zwar lecker, machte aber die Pein des Tages nicht wett. Darum weigerte ich mich, sobald alt genug, da mitzumachen. Meinen Pisten-Streik zog ich erfolgreich durch. Bei zwingenden Ausflügen in die Berge, mit der Schule etwa oder als Teambuilding-Event, liess ich den Sport einfach aus und begann direkt mit dem Après-Ski.

Nun aber habe ich mich von meinem Freund überreden lassen: drei Tage in Gstaad, drei Tage auf der Piste. Er als grosser Skifan möchte schliesslich davon profitieren, dass er mit einer Schweizerin zusammen ist. Blöd nur, dass er ausgerechnet an die eine geraten ist, die sich so gar nicht für Wintersport begeistern kann. Also sprang ich ihm zuliebe über meinen Schatten – allerdings nur unter ein paar Bedingungen. Erstens: Unser Hotel muss ein Spa haben. Zweitens: Ich kriege ein pistentaugliches und gleichzeitig schickes, nicht erstickendes Outfit, das mich von meinem Kindheitstrauma befreit. Drittens: Wir starten gleich nach der Ankunft mit Après-Ski. Wenn ich Glück habe, sind wir am nächsten Tag nämlich so verkatert, dass ausser Spa sowieso nichts mehr in Frage kommt.

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