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Generation L

13.09.2017 63 Reax
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Blut, Schweiss und Tränen

Buchautorin Linda Solanki.

Ich bin süchtig nach Boxen. Aber nicht einfach nach herkömmlichem Fitnessboxen. Overthrow heisst der übercoole, verruchte Schuppen in Downtown Manhattan, den ich in meinen Ferien jeden Tag besuchte. So gesehen bin ich wohl eher süchtig nach dem Gefühl, das der Boxclub mit sich brachte.

Schon von Aussen verspricht der Laden viel Blut, Schweiss und Tränen, aufgehübscht mit Leuchtschriften und Pop-Art-Collagen. Drinnen decken alte Zeitungsausschnitte die dreckigen Wände ab, das rotblaue Neonlicht flackert bedrohlich.

Der Ring, der heilige Ring, thront unberührt am Ende des Raums. Davor kreucht es, fleucht es, flucht es, keucht es. „Du bist noch nicht fertig“, schreit Charlie, einer der Trainer. Nicht Killer Mel oder Dan Halen. Charlie, der mit dem Messer im Schädel. Das harmloseste seiner Tattoos. Wer keines hat, fällt auf.

„Mach weiter“, schreit Charlie. Sein Opfer stöhnt vor Erschöpfung. Selberschuld, wer hier einkehrt. Dann wird die Musik aufgedreht. Kendrick Lamar, in seiner vollen akustischen Lebensgrösse, gibt den Beat vor. Links, rechts, links, rechts, one, two, three, two, one, two. Schlag auf Schlag auf Schlag schwingen Fäuste, bis die Knöchel knacksen, die Knie sacken, die Spucke vor Erschöpfung rinnt.

Nach einer Stunde lehnen wir uns atemlos gegen die Wand. Die schwarzen Striemen im Gesicht fallen erst im Tageslicht auf, nicht in der roten Neonhöhle, und lassen sich abwaschen. Der stechende Geruch, den die Handschuhe hinterlassen, bleibt auch nach mehrmaligem Einseifen auf der Haut kleben. Ein kleines Souvenir aus New York.

Erinnerungen an einen wundervollen Ort. Einer, von dem ich mir wünschte, es gäbe ihn auch in Zürich. Denn ohne Blut, Schweiss und Tränen, ohne Neonschriften, ohne Kendrick, Charlie und Killer Mel, ohne Bier am Freitag und Whiskey am Samstag, ohne diesen abgefuckten Grunge Vibe, ist Boxen einfach nur nüchternes Prügeln.

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