Finde den folgenden Gegenstand beim Surfen auf Blickamabend.ch und gewinne tolle Preise!
Suche starten
Du hast den Gegenstand gefunden! Klicke auf Mitmachen und nehme am Gewinnspiel teil.
Mitmachen

Generation L

09.05.2018 112 Reax
teilen
teilen
0 shares

Das erste Mal zusammenziehen

Buchautorin Linda Solanki.

Vor einer Woche ist mein Freund bei mir eingezogen. Das ist ein riesen Schritt für uns. Nicht nur, weil er nach zwei Jahren Fernbeziehung von London nach Zürich gewechselt hat, sondern auch, weil keiner von uns je mit einem Partner zusammengewohnt hat.

Ich freute mich natürlich darauf, nicht mehr pendeln zu müssen. Ihn am Sonntagabend nicht mehr am Flughafen zu verabschieden und danach voller Sehnsucht alleine in meine Wohnung zurückzukehren. Ihn auch unter der Woche sehen zu können. Auf gemütliche Abende zuhause, an denen wir nicht um jeden Preis so viel wie möglich unternehmen und voneinander haben müssen, weil wir uns ja nur so selten sehen. Ich freute mich auf ihn, bei mir.

Aber ich hatte auch Schiss. Davor, dass wir uns auf die Nerven gehen würden. Wir sind beide sehr unabhängig und es nicht gewohnt, den Alltag mit jemandem zu teilen. Auch machte ich mir Sorgen, dass es ihm nicht gefallen könnte in der Schweiz, dass er keinen Anschluss findet, die Sprache nicht lernt, sich auch nach längerer Zeit nicht zuhause fühlt.

Nach einer Woche lässt sich logischerweise noch nicht viel sagen, ein erstes Fazit können wir aber schon ziehen: Ja, wir gehen uns auf die Nerven. Er mir mit seinem Zeug, das überall herumliegt. Fairerweise muss erwähnt werden, dass meine Wohnung nur 55 Quadratmeter misst und, obwohl ich im Vorfeld die Hälfte meiner Kleider entsorgt habe, Stauplatz spärlich bleibt. Ich wiederum nerve ihn mit meiner Pingeligkeit in Sachen Ordnung und Sauberkeit. Fairerweise muss erwähnt werden, dass eine aufgeräumte Wohnung einfach schöner ist.

Dafür geniessen wir alles andere: zusammen zu kochen und zu essen, viel zu ambitionierte Badminton-Matches, Joggingrunden, geteilte Eisbecher beim abendlichen Spaziergang durchs Quartier, Whiskey auf dem Balkon, Woody Allen auf der Leinwand, spontanes Ausgehen, geplantes Zuhausebleiben, zwei Zahnbürsten, die sich im Becher berühren, Abschiedsküsse am Morgen, die nach Zahnpasta und Kaffee schmecken. Am schönsten aber ist es, gemeinsam einzuschlafen mit dem Wissen, dass wir auch am nächsten Abend zusammen zu Bett gehen und keiner von uns auf den Flieger muss. Was ist da schon das bisschen herumliegender Krimskrams.

teilen
teilen
0 shares
Wie findest du den Artikel?

Unsere Leser empfehlen

Meist gelesen

Bilder des Tages