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Generation L

11.04.2018 82 Reax
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Die palmölfeindlichen und laktoseintoleranten Kinder von heute

Buchautorin Linda Solanki.

Kürzlich beim morgendlichen Coffee-To-Go Besorgen: Vor mir in der Schlange stehen zwei Mädchen, kaum älter als zwölf. Die eine bestellt eiskalt einen Espresso, die andere einen Caffe Latte, aber laktosefrei bitte. Ich erinnere mich, als ich zwölf war und an den bitteren, fast schon ätzenden Geschmack, den Kaffee damals für mich hatte. Wie die Kleine den Espresso runterbrachte, weiss ich nicht. Noch mehr erstaunte mich, dass ihre Freundin in dem Alter bereits das Konzept Laktosefrei kannte.

Vielleicht leidet sie ja tatsächlich unter Bauchkrämpfen nach dem Konsum von Milchprodukten, aber ich unterstelle ihr – auch, weil die Getränke direkt abfotografiert in der Instastory landeten –, dass ihre Intoleranz eher Mode als Krankheit ist. Ich wusste in ihrem Alter ja noch nicht einmal, was Laktose ist. Auf die Idee, dass Milch, oder auch Gluten, ungesund sein könnte, wäre ich nie gekommen. Aber damals gab es ja auch noch keine sozialen Medien, die uns über alles Mögliche und Unmögliche aufklärten.

Was bin ich froh, durfte ich eine Kindheit erleben, ohne dass ich Pornos auf Whatsapp zugeschickt bekam, gephotoshoppte Influencer als Vorbilder hatte, und ohne dass ich oder meine Freunde das Bedürfnis hatten, das gemeinsame Gummitwist-Spiel mit der ganzen Welt zu teilen. Wenn ich sehe, wie manche Minderjährigen auf Social Media ihr ganzes Leben zur Schau stellen, möchte ich mir gar nicht ausmalen, wie sich das alles entwickeln wird.

Aber: So kritisch ich Social Media auch gegenüberstehe, es bringt nicht nur Schlechtes. Das beste Beispiel sind die zwei Jungs, die mir in der Migros begegneten. Auch sie höchstens zwölf, vermutlich jünger, in der Hand eine Packung Kinder Schokolade, deren Rückseite sie genau studierten. „Igitt“, rief der eine. „Da hat es Palmöl drin.“ „Wäääh“, machte auch der andere und legte die Packung zurück ins Regal. So Aufgeklärt waren wir sicher nicht, obwohl meine Eltern vorwiegend Bio, saisonal und regional einkauften. Es bleibt also die Hoffnung, dass die Kinder von heute zu umweltbewussten Erwachsenen heranreifen – und nicht zu meinungslosen Mitläufern.

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