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Generation L

17.05.2017 165 Reax
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Ein Indianer kennt keinen Schmerz

Buchautorin Linda Solanki.

Ich gehe äusserst ungerne zum Arzt und eigentlich auch nur zur jährlichen Kontrolle. Alles andere geht mit Bettruhe und Teetrinken schon wieder weg. Oder indem man das Unwohlsein ignoriert und weitermacht wie gewohnt. Das dachte ich mir auch nach einer schlaflosen Nacht mit Schüttelfrost und Fieber.

Da ich mich am Abend darauf zwar schlapp, aber nicht fiebrig fühlte, begleitete ich meine Freundin in den Ausgang und achtete darauf, auch ja genug zu trinken – Alkohol selbstverständlich, der allfällige übriggebliebene Keime töten sollte.

Anderntags ging’s mir entsprechend miserabel, was ich aber auf den Kater schob. Bis das Fieber und der Schüttelfrost wieder anfingen. Ich vermutete einen grippalen Infekt und bekämpfte die Fieberschübe mit heissen Bädern, die Schmerzen mit Paracetamol.

Zum Arzt? Ach was! Viel mehr als NeoCitran und Bettruhe würde der mir auch nicht verschreiben können. Nach drei Tagen beschloss ich, dass es mir nun besserging. Nach einem halben Tag bei der Arbeit schickte man mich nach Hause. Auch jetzt hielt ich es nicht für nötig, einen Arzt aufzusuchen.

Stattdessen schlief ich zwölf Stunden und fand mich am nächsten Morgen ausgeruht im Büro ein. Mein Hochgefühl hielt genau acht Stunden. Während der Präsentation kurz vor Feierabend begann ich auf einmal zu zittern. Die Fieberschübe waren zurück.

Das Wochenende verbrachte ich vorwiegend schlafend. In den seltenen wachen Momenten ärgerte ich mich über mein schwaches Immunsystem, das über eine Woche brauchte, um mit einer Erkältung fertig zu werden.

Am Montag, als ich mich noch immer hundeelend fühlte, blieb mir schliesslich nichts Anderes übrig, als zum Arzt zu gehen – wenn auch nur, um mir ein Krankheitszeugnis einzuholen, das meine lange Absenz im Büro entschuldigte.

„Sie haben also ausser Fieber und Schmerzen keine anderen Symptome? Kein Schnupfen, Husten, Halsweh?“, fragte die Ärztin. Ich verneinte. Man schickte mich zum Bluttest. Dessen Auswertung ergab, dass ich gar nicht an einer Erkältung litt, sondern eine Nierenentzündung hatte mit dermassen hohem Entzündungswert, dass ich noch an Ort und Stelle eine Infusion gelegt bekam.

Sieben Tage und viele Antibiotikatabletten später sind die Entzündungswerte wieder normal, mein Körper jedoch noch immer geschwächt. Wäre ich gleich zum Arzt, als das Fieber anfing, hätte ich mir viele Schmerzen und langweilige Ruhetage erspart. Soll ich in Zukunft also auf meine Abwarten-und-Auskurieren-Taktik verzichten? Ich möchte nämlich auch nicht zu denjenigen gehören, die das Gesundheitssystem belasten, weil sie wegen jedem bisschen Kopfweh in den Notfall rennen.

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