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Generation L

23.08.2017 118 Reax
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Fast erwachsen

Buchautorin Linda Solanki.

Ich bin umgezogen. Endlich. Denn mit siebenundzwanzig ist es langsam Zeit für etwas Eigenes. Zuvor hauste ich entweder in möblierten Untervermietungen, WGs, oder zuletzt in der Zweitwohnung meines Vaters. Die Chance, eine Wohnung ganz nach meinem Geschmack einzurichten, hatte ich bisher noch nie. Das Gefühl, mich wirklich in meinen eigenen vier Wänden zu befinden, auch nicht.

Ich machte mich also auf Wohnungssuche. Zusammen mit gefühlt fünftausend anderen, die ich jeweils bei den Besichtigungen wiedertraf. Die Suche gestaltete sich anstrengend: Vor der Arbeit durchforstete ich Immobilienportale nach neuen Posts, über Mittag schaute ich mir ein bis zwei Objekte an und am Abend folgten meist weitere. Nichts, was ich sah, überzeugte mich. Und selbst wenn, hätte ich eh keinen Stich gehabt gegen die Flut an Interessenten, die den Maklern die Anmeldeformulare förmlich aus den Händen rissen.

Und dann fand ich sie plötzlich, meine Traumwohnung. Ganz still und leise bei einer privaten Besichtigung. Eine frisch sanierte 3-Zimmer-Wohnung in Wiedikon, mit Balkon, Waschmaschine und sehr viel Charme. Da ich Betreibungsauszug und Bewerbungsdossier (jaja, ich Streber) bereits mitgebracht hatte, erhielt ich bereits am nächsten Morgen die Zusage. Es eilte nämlich. Der Einzugstermin lag keine zwei Wochen entfernt.

In diesen zwei Wochen verfluchte ich meinen Entscheid, umzuziehen etwa tausendmal. Zum Beispiel als ich zum zweiten Mal in Folge in der Ikea stand, weil die zuständige Person vergessen hatte, das Kopfteil meines Bettes in die Bestellung aufzunehmen. Und dann nochmals, als das Bett geliefert wurde – ohne Kopfteil. Auch, als ich Umzugskisten bei einer Freundin abholte und mitten in einen Sommersturm geriet, der die Kisten zuverlässig aufweichte und unbrauchbar machte. Oder an Tag drei, vier, fünf, unendlich des Packens, Schleppens, Auspackens, Möbel Zusammenbauens, Nervenzusammenbruch Erlebens.

In diesen zwei Wochen schwor ich mir auch, bis an mein Lebensende in der neuen Wohnung zu bleiben. Denn die ganze Chose nochmals durchziehen – never! Da passt es ganz gut, dass die Verliebtheit anhält und ich mich auch einen Monat später noch jeden Abend freue, heimzukommen. In mein eigenes kleines Reich. Fast, wie eine richtige Erwachsene.

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