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Generation L

12.07.2017 127 Reax
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Freundschafts-Detox

Buchautorin Linda Solanki.

Laut einer Umfrage der amerikanischen Health- und Lifestylewebsite Self.com haben 80 Prozent der Leute schon einmal eine toxische Freundschaft geführt. Der Begriff beschreibt eine platonische Beziehung, die einem sämtliche positive Energie raubt.

Vier von fünf Menschen also haben diese Erfahrung schon gemacht. Die hohe Zahl erstaunt mich kaum. So darf ich mich selber zu den 80 Prozent zählen. Auch ich habe eine Person im Freundeskreis, die mich nach gemeinsamen Unternehmungen verärgert und ausgelaugt zurücklässt.

Der Grund, warum ich sie so lange in meinem Leben behalten habe, ist wohl, weil ich sie schon lange kenne und weil sie früher nicht so extrem war – weniger unzufrieden, weniger missgünstig, weniger verbittert – und weil ich hoffte, dass sie irgendwann wieder die Kurve kriegt.

Als wir jedoch kürzlich mehrere Tage miteinander verbrachten, merkte ich erst, dass sie nicht nur verzweifelt nach Aufmerksamkeit lechzt – so wurde sie nie müde zu erwähnen, wie toll, schön, intelligent, begabt und sonstnochwas sie sei und das nicht etwa zu einem einigermassen passenden Zeitpunkt, sondern völlig willkürlich ins Gespräch eingestreut –, sondern auch, was für ein lustloser Mensch sie ist. Ständig war sie schlecht drauf, vermutlich, weil niemand auf ihr Komplimentefischen einging.

Am schlimmsten fand ich jedoch, dass sie andern gar nichts gönnte. Sobald nämlich eine ihrer Freundinnen die Aufmerksamkeit eines Mannes auf sich zog, machte sie diesen sofort schlecht. Sobald jemand anderes ein Kompliment bekam, musste sie etwas Negatives einwerfen. Ich weiss nicht genau, was in ihrem Leben schiefläuft, und es interessiert mich auch herzlich wenig. Sie ist nämlich nicht erst seit kurzem so.

Wurde ich bei unseren gemeinsamen Ausgängen von einem Mann angesprochen, behauptete sie, Männer sprechen grundsätzlich nie die Frau an, die sie wirklich wollen (ihrer Meinung nach natürlich sie). Einmal, als sie mich im Ausland besuchte, war sie so erzürnt darüber, dass ein gemeinsamer Freund an mir Interesse zeigte statt an ihr, dass sie, als er mich küsste, aus dem Club stürmte und ein Taxi heimnahm. Zu mir heim, wohlgemerkt, mit meinem Schlüssel und ohne Bescheid zu sagen, oder sich darum zu scheren, wie ich ohne Schlüssel ins Gebäude reinkomme sollte. Man könnte nun meinen, dass sie Gefühle für diesen Freund hegte. Dann wäre ihre Reaktion noch verständlich. Wie sie mir aber versicherte, war dem nicht so. Tatsächlich störte es sie also nur, dass sie nicht im Mittelpunkt stand.

Damals schob ich die Episode auf ihre Trunkenheit – wie ich ihr auch viele ähnliche Vorkommnisse verzieh –, aber nachdem ich in den jüngst gemeinsam verbrachten Tagen nichts als Missgunst und Gemotze, unterbrochen nur von ermüdendem Selbstlob, aus ihrem Mund hörte, habe ich beschlossen, Freundschafts-Detox zu betreiben.

Klar ist es schade, jemanden nach zehn Jahren aus dem Leben zu werfen. Andererseits entsteht dadurch Platz für eine neue Freundschaft. Keine toxische, sondern eine bereichernde. Denn ist das nicht der Sinn dahinter?

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