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Generation L

13.12.2017 307 Reax
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Ganz spontan

Buchautorin Linda Solanki.

Die Spontanität ist tot. Zumindest in meinem Universum. Eigentlich erstaunlich, wo uns Smartphones, Social Media und die allgemeine digitale Vernetzung doch fast zur Unverbindlichkeit zwingen. Aber der einzige spontane Akt, dem ich dieser Tage häufiger begegne, ist kurzfristiges Absagen. Kurzfristiges Zusagen hingegen scheint unmöglich.

Ein extremes Beispiel: Vor einigen Wochen fand in den Kreisen 3 und 4 ein Urban Minigolf Tournier statt. Ich fand das wahnsinnig toll und wollte wahnsinnig gerne hin. Beide Freunde, mit denen ich verabredet war, sagten jedoch aus unterschiedlichen Gründen ab. Ich suchte also einen Ersatz.

Ganze 16 Personen habe ich gefragt. Ja, ich habe nachgezählt. Leider war es an dem Tag ausgesprochen kalt. Deswegen fiel schon mal die Hälfte der Befragten weg. Die andere Hälfte war entweder bereits verplant, müde, oder befand sich im Ausland. Ich gab auf. Das Tournier war eh längst vorbei. Das nächste Mal, so nahm ich mir vor, würde ich einfach alleine hingehen, statt meine Zeit damit zu verschwenden, auf negative Antworten zu warten.

Umso mehr überraschten mich die Silvesterpläne meines Bekannten. Er hat nämlich keine. Lieber schaue er spontan am Abend selbst, wo es ihn hintreibe. Anscheinend lebt die Spontanität in seinem Umfeld weiter.

Früher, so erinnere ich mich, schmiedete ich selten Pläne. Irgendwer war immer unterwegs, sodass man sich bei Bedarf nur anzuschliessen brauchte. Heute aber plane ich weit voraus – die einzige Chance, dass überhaupt noch jemand Zeit hat – und bete still, dass niemand absagt.

Eigentlich wäre ich selber lieber spontan unterwegs. Nur weil ich heute Lust auf vietnamesisches Essen habe, heisst das nicht, dass dies in 19 Tagen noch genauso der Fall ist. Aber spontan zum Dinner? Forget it. Entweder hat keiner Zeit, oder das Restaurant ist ausgebucht.

Man muss sich in Sachen Spontanität eben seinem Freundeskreis anpassen. Wenn alle andern gerne in den Tag hineinleben, bringt es nichts, etwas Wochen voraus abmachen zu wollen. Und umgekehrt. Leute, die gerne einen geregelten Terminplan haben, sagen selten kurzfristig zu. In Zukunft werde ich mich bei ad hoc Unternehmungen einzig und alleine auf mich verlassen. Denn ich, das weiss ich ja, bin immer spontan zu haben.

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