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Generation L

15.11.2017 104 Reax
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KFC zu Weihnachten

Buchautorin Linda Solanki.

Weihnachten durfte ich schon an vielen Orten feiern. In Singapur etwa, was ziemlich cool war, weil wir den Festtag völlig vergassen und den 24. Dezember völlig unspektakulär beim Dinner in einem Dumpling Restaurant verbrachten. Ganz anders in New York, wo der Vorweihnachtszeit etwas Magisches anhaftet.

Wer im Dezember die 5th Avenue entlangschlendert, kommt gar nicht darum herum, in festliche Stimmung zu verfallen. Aus allen Richtungen scheinen Lichter, die Schaufenster sind schön dekoriert, Das Highlight ist aber der gigantische Christbaum vor dem Rockefeller Center, der stolz vor dem Wolkenkratzer in die Höhe ragt. In Amerika ist eben alles ein wenig pompöser.

Diese Erfahrung machte ich auch in North Dakota während meines Austauschjahres. Meine Gastfamilie verfiel schon Tage vorher in einen Koch- und Backwahn. Im Ernst, ich habe noch nie so viele Guetzli auf einen Haufen gesehen – oder gegessen. Auch die Bescherung fiel üppig aus. Unter dem Baum lagen bestimmt achtzig Päckchen, verteilt auf sieben Leute. Es schien, als käme es weniger auf den Inhalt als auf die Menge darauf an.

In Frankreich hingegen herrschte Minimalismus, besonders beim Essen. Statt einem opulenten Mahl, begleitet von allerlei Zeugs zum Naschen, ass ich Spinat – nebst der zum Dessert servierten Eistorte das einzig fleischlose auf dem Tisch. Zum ersten Mal in meinem Leben ging ich an Weihnachten hungrig zu Bett.

Dieses Jahr hätte ich gerne auf japanische Art gefeiert. Nicht im Land selber, wobei ich da auch nichts dagegen hätte, sondern bei meinem Bruder, in dessen Wohnung das Fest diesmal stattfindet. Mein Bruder hat nämlich, als ich in North Dakota war, im Gegenzug ein Austauschjahr in Japan verbracht. Ein typisches japanisches Weihnachtsmenu schien mir demnach eine nette Idee.

Dabei hatte ich nicht bedacht, dass die meisten Japaner keine Christen sind und folglich Weihnachten gar nicht feiern. Anscheinend hat sich aber dennoch ein Ritual entwickelt. Durch geschicktes Marketing hat KFC den Japanern nämlich eingeredet, der Westen esse am 24. Dezember kaum etwas anderes als frittierte Hühnerschenkel. Darum gibt es in Japan jetzt traditionell Kentucky Fried Chicken zum Abendessen. Die Leute stehen am 24. Dezember stundenlang Schlange vor dem Fastfood Lokal, um dieser vermeintlichen westlichen Tradition nachzukommen. KFC nimmt ab Anfang Dezember sogar Bestellungen für den Heiligen Abend entgegen. Also Fried Chicken zu Weihnachten? Dann doch lieber die guten, alten Schweizer Weihnachten mit Fondue Chinoise und Mailänderli. Das ist zur Abwechslung auch mal wieder schön.

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