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Generation L

04.04.2018 55 Reax
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Kleine Schritte Richtung Erwachsensein

Buchautorin Linda Solanki.

In knapp einem Monat werde ich achtundzwanzig. Das ist an für sich kaum erwähnenswert, bietet aber die Gelegenheit für eine Bilanz. Vor zehn Jahren feierte ich meinen achtzehnten Geburtstag mit einigen Freundinnen im Europapark. Im Car morgens kurz nach sieben sorgte ich mit Champagner dafür, dass allen bereits bei der Anreise schlecht wurde, quasi als Einstimmung auf die Achterbahnen, die folgen würden.

Den Europapark wählte ich als Krönung meines kindlichen Monats, wie ich den Mai 2008 taufte. In den Wochen vor meinem Geburtstag führte ich nämlich all jene Tätigkeiten aus, die ich als Kind heiss geliebt hatte. Ich kaufte mir das Mickey Maus Magazin, ass rote Lakritzschnüre, sprang bei McDonalds ins Bälleparadies, spielte Gummitwist und machte Telefonscherze mit meinen Freunden. Dies als feierlichen Abschluss meiner Kindheit, die mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter offiziell endete.

Nun, zehn Jahre später, frage ich mich, was aus dem Erwachsensein geworden ist. Auf dem Papier sieht es eigentlich ganz gut aus: Ich wohne alleine in einer modernen, aufgeräumten Wohnung, habe einen festen Job, ernähre mich die meiste Zeit über vernünftig, zahle meine Rechnungen rechtzeitig und fülle die Steuererklärung fast ohne Hilfe meiner Mutter aus.

Abgesehen davon fühle ich mich jedoch kaum reifer, geschweige denn weiser. Während andere in meinem Alter bereits heiraten und/oder Kinder kriegen, erachte ich es schon als Errungenschaft, wenn ich daran denke, die leeren Flaschen nach dem Wochenende zu entsorgen. Wenigstens sieht es bei meinen Freunden kaum anders aus. So fragen wir uns ab und an, ob wir nie richtig verantwortungsvoll sein werden. Immerhin kann man bei jedem eine Entwicklung sehen.

Ein Freund aus früheren Tagen beispielsweise veranstaltet in seiner Wohnung keine Massenbesäufnisse zur Einstimmung für den Ausgang mehr, sondern lädt nun zu gepflegten Orgien auf MDMA. Und ich war übers Osterwochenende nur einmal betrunken – wenn man den Donnerstag nicht mitzählt. So geht jeder von uns in kleinen Schritten Richtung Erwachsensein. Ob wir je ankommen werden, sehen wir dann in zehn Jahren bei der nächsten Bilanz.

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