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Generation L

31.05.2018 80 Reax
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Koma-Saufen mit Koreanern

Buchautorin Linda Solanki.

Vergangene Woche schnabulierte ich mich noch durch Südkorea, diese Woche trinke ich mich durch das Land. Der Abend startet denkbar harmlos in einem Izakaya – einer japanischen Kneipe, in der auch Essen serviert wird. Wir bestellen Sake,„with a side of cheese-omlette“. Unsere Absichten sind klar. Erst ein bisschen die Birne bedusseln, dann sitzt hinterher das Portemonnaie lockerer beim Nachtshopping. Und ein lockeres Portemonnaie verspricht lustige Fehlkäufe, die sich wiederum als Souvenirs eignen für nicht ganz so geliebte Verwandte und Bekannte.

Nach dem Shopping vielleicht noch auf eine Runde Bowling, ist ja alles Teil der 24-Stunden-Kultur, die dem Jetlag frech den Finger zeigt. Ein denkbar gemütlicher Dienstagabend also. Ist ja ein Familienurlaub, theoretisch, auch wenn die Familie in Suwon geblieben ist und wir nun zu zweit, ganz unverwandt, in Seoul sitzen.

Der Sake kommt noch vor dem Omelette, wodurch es ein für alle Male zu spät ist, um dem Magen noch einen Boden zu schenken, bevor er grausigen Reisschnaps in seine toxischen Bestandteile zersetzen muss. Schwuppdiwupps ist die Flasche leer und wir bezahlen, bevor das Essen kommt. Nächste Kneipe, nächste Spirituose. Diesmal Soju. Ähnlich wie Sake, aber koreanisch. Die Shotgläser füllen sich so schnell wie sie sich leeren und plötzlich befinden wir uns in Gesellschaft zweier koreanischer Banker, die eine Flasche nach der anderen bestellen und denen immer mehr Gründe einfallen, mit uns anzustossen.

Easy, denken wir, die morgen ausschlafen können. Mal sehen, wie die beiden nach dem Saufgelage pünktlich um 7:30 Uhr im Büro auftauchen wollen. So macht es uns nichts aus, die lokalen Gepflogenheiten anzunehmen, denen zufolge die Runde erst mit trinken aufhören darf, wenn der älteste Anwesende das Tuch hinwirft. Als Jüngste am Tisch habe ich eh nichts zu sagen. Darum schweige ich und benutze meinen Mund lieber, um Zentiliter um Zentiliter Soju darin verschwinden zu lassen.

Irgendwann wollen die beiden in einen Club weiter und wir wollen mit, aber das nächste, was ich weiss, ist, dass ich in unserer Wohnung aufwache, vollständig bekleidet und neben dem Bett. Auf meinem Handy eine Rechnung von Uber mit Details zu unserer nächtlichen Fahrt, die einmal quer durch die Stadt komplett in die falsche Richtung führte. Im Bad kotzt sich währenddessen mein Freund die Seele aus dem Leib. Keiner von uns weiss, wie und wann wir heimgekommen sind, warum unsere Kleidung voller Strassenstaub ist, und wie um Himmels Willen wir je wieder Frieden mit unseren schmerzlich schreienden Mägen schliessen sollen. Und die Moral von der Geschicht: Mit Koreanern trinkt man nicht. Schon gar keinen Soju.

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