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Generation L

20.09.2017 136 Reax
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New York bei Nacht

Buchautorin Linda Solanki.

Irgendwie enttäuschte mich New York. Meine Lieblingsstadt begegnete mir bei meinem letzten Besuch kalt, nass, schmutzig, laut, ruppig und einfach durch und durch uncharmant. Ja, schlimmer noch: öde. Central Park? Kannte ich schon. Chinatown? Sah auch noch genau gleich aus. Meine ehemaligen Stammcafés? Verkauften Kaffee, der nach geplatzten Träumen und nassen Hunden schmeckte.

Meine Freundin meinte, nicht New York habe sich verändert, sondern meine Ansprüche. Aber die Ansprüche an was? Eine Stadt? Unterhaltung? Das Leben? Ich hoffte, sie läge falsch, denn Ansprüche, denen nicht einmal Manhattan gerecht wurde, wollte ich nicht mein Eigen nennen.

Ich hatte New York bereits abgeschrieben, freute mich tatsächlich auf meine Rückkehr nach Zürich, zählte beinahe schon die Tage, da kam plötzlich die Erinnerung zurück. Die Erinnerung daran, warum ich diese Stadt so verehrte, ausgelöst von Paul Kalkbrenner persönlich.

Der gute alte Paul spielte nämlich an einem Festival auf Randall’s Island. Nicht als Main Act, denn die als nuttige Feen und übergewichtige Beachboys im Borat-Style verkleideten Festivalbesucher hatten vermutlich noch nie was von diesem Deutschen namens Kalkbrenner gehört.

Auf einer kleineren Nebenbühne vor reduziertem Publikum gab Paul dennoch alles, was er hatte. Ich gab als Gegenleistung alles von mir. Hypnotisiert von seiner Musik rauschte ich mit geschlossenen Augen durch die Nacht, schwebte durch gläserne Bauten, pompöse Apartments, wühlte mich durch fremde Kühlschränke, tanzte auf Dachterrassen, in Penthouses, mit Aussicht auf die beleuchtete Skyline, füllte Gläser, leerte sie wieder, sass in Limos, Taxis, unter der grellen Deckenbeleuchtung der Subway, besuchte Stripclubs, Koksschuppen, die Hütten von Hollywoodstars, noch mehr Gläser, noch mehr Lichter, die Augen nun offen, lächelnd.

Das zweistündige DJ-Set hatte mich daran erinnert, warum ich die Stadt so liebte. Sicher nicht der Menschentrauben, dem Konsumwahn, dem Strassenlärm oder des unerträglichen Wetters wegen. Mein Herz gehört den New Yorker Nächten. Dann, wenn sich der tägliche Trubel beruhigte, wenn eine neue Energie zwischen den Wolkenkratzern durchfloss, ein neues Publikum die Strassen bevölkerte, dann, wenn die Stadt uns gehörte, dann war sie schön, so unfassbar schön.

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