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Generation L

27.06.2018 52 Reax
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Nüchterne Schweizer machen keinen Spass

Buchautorin Linda Solanki.

Kürzlich probierte ich das abstinente Festen aus. Eine Party ohne Alkohol. Ganz neu in Zürich. Nicht so neu für mich, da mein Glas im Ausgang schon einige Male leer blieb. Die Gründe dafür sind verschieden. Mal hatte ich mich zuvor so überfressen, dass nichts mehr reinpasste, mal wollte ich mir was beweisen, mal war ich noch von einem vorhergegangenem Absturz traumatisiert, mal vergass ich es, mal musste ich anderntags in die Fahrstunde, eine Präsentation geben oder sonst irgendwie funktionieren, mal hatte ich einfach keine Lust darauf.

Aber an einer Party, an der ausnahmslos alle nüchtern sind, war ich noch nie. Fast nie. An der Morning Glory in London vor ein paar Jahren dürften, so hoffe ich zumindest der Pegel der Teilnehmer gegen null Promille gewesen sein. Denn die Morning Glory, der Name verrät es, findet morgens vor der Arbeit statt. Man trank Kaffee und Saft, verteilte Glitter und ravte zu rohem Techno. Das funktionierte nüchtern und bei Tageslicht erstaunlich gut. Andererseits weiss ich nicht, was die Leute damals so alles in ihren Kaffee mixten.

Hingehen, ausprobieren, dachte ich mir also. Gegen neun Uhr abends traf ich ein. Früh, ich weiss, aber die Sause fing schon kurz nach Feierabend an und sollte um Mitternacht enden. Um neun also betrat ich den quasi leeren Clubsaal, in dem ein DJ ungerührt sein bestes gab. Die wenigen Gäste klebten, ebenfalls ungerührt von dem Einsatz des DJs, ironischerweise an der Bar. Dort bestellten sie Kokoswasser und Kinderwein, wohl in der Hoffnung, es verwandle sich in Pina Colada und das Erwachsenenzeugs.

Niemand tanzte, keiner flirtete, nur die Raucher, die fanden draussen auf der Terrasse ins Gespräch. Sucht verbindet eben, egal welche. Und nüchterne Schweizer machen nun mal keinen Spass. Das bewiesen wir an jenem Abend im Kollektiv. Mir taten die Veranstalter leid, die extra aus Berlin angereist waren. Vielleicht versuchen sie es das nächste Mal einfach mit einer Frühstücksparty. Denn morgens sind die meisten von uns ohnehin so grummelig, dass die nüchterne Verklemmtheit gar nicht gross auffällt.

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