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Generation L

18.04.2018 52 Reax
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Buchautorin Linda Solanki.

Dass Instagram uns unglücklich und krank macht, ist ja kein Geheimnis. Wobei ich sagen muss, dass ich mich nie unglücklich gefühlt habe beim Scrollen, eher gelangweilt ab der Eintönigkeit der Posts. Ein Matcha Latte hier, ein Bikinibild dort. Dazu eine pseudoinspirierende Botschaft. Gähn.

Dennoch blieb ich fast drei Jahre lang treu. Instagram bot schliesslich auch Vorteile. Von vielen Pop-ups hätte ich gar nie erfahren, wenn ich sie nicht in der App entdeckt hätte. Potentielle Brunch Spots checkte ich vorab anhand der von Restaurantbesuchern geposteten Bildern ab.

Doch je länger ich mich auf Instagram rumtrieb, desto mehr nervte mich die Oberflächlichkeit, Phantasielosigkeit, der enorme Mitteilungsdrang und der hemmungslose Gebrauch von Photoshop. Wenn dir deine Realität nicht spannend genug zum Teilen erscheint, investiere doch lieber Zeit darin, etwas Würze in dein Leben zu bringen, statt sie mit Filtern, Facetune und Photoshop zu pimpen. Und wenn du sogar die Party von Samstagnacht in der Insta Story festhalten musstest, hast du offensichtlich keinen Spass gehabt. Übrigens: Niemand will eine Story von dir im Stau sehen, auch nicht von dir, wie du die Strasse runterläufst, wie du keck der Kamera die Zunge rausstreckst, oder lässig mit deinem neuen Frühlingsmantel vor dem Spiegel posierst.

Wie fake die Social Media Welt ist, hat Bloggerin Carolyn Stritch alias @theslowtraveler prima aufgezeigt. Nur mit Filtern verwandelte sich die 32-Jährige, die in Echt ziemlich durchschnittlich aussieht, in ein 22-jähriges Beautymodel. Sie ging sogar noch einen Schritt weiter und photoshoppte sich vors Disneyland – obwohl sie nie da war. Stritch kreierte eine falsche Identität, eine nichtexistierende Person. Ihr Experiment erinnert an „The Shed“, dem imaginären Londoner Restaurant, das es trotz Inexistenz auf Platz 1 auf Tripadvisor geschafft hat.

Ein weiteres trauriges Beispiel, wie weit manche für Likes gehen würden, bildet Nasim A. Die Youtube Vloggerin schoss Anfang April in der Youtube-Zentrale in Kalifornien um sich. Das Motiv: Nasim A. war frustriert, weil Youtube angeblich ihre Videos zensierte und sie so nicht zu genug Likes kam. Wenn jemandem noch der Beweis gefehlt hat, dass Social Media tatsächlich krankmacht, voilà.

Ich habe jedenfalls für mich die Konsequenz gezogen und Instagram gelöscht. Das war vor drei Wochen. Vermisst habe ich es bisher keine Sekunde. Zwar wird meine Aktion die mitteilungsbedürftigen Narzissten da draussen nicht bekehren. Aber wenigstens biete ich ihnen keine Plattform für ihre Eitelkeit mehr. Im echten Leben ist es doch so viel schöner, ganz ohne Photoshop.

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