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Generation L

08.03.2017 121 Reax
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Rennen gegen die Zeit

Buchautorin Linda Solanki.

Ich gehöre zu denen, die jeweils kurz vor Abflug am Flughafen erscheinen. Das lohnt sich nur schon deshalb, weil die Flieger meistens ohnehin Verspätung haben und ich so wenigstens jeweils nur eine, und nicht mehrere Stunden Zeit vertreiben muss. Die Last-Minute-Ankunft kann aber auch gründlich in die Hose gehen.

Zum Beispiel dann, wenn die öffentlichen Transportmittel zum Flughafen steckenbleiben. «Unsere Weiterfahrt verzögert sich um ein paar Minuten», informiert der Lokführer über die Lautsprecheranlage. Ich bleibe ruhig. Ein Paar Minuten lassen sich durch zügiges Gehen wieder einholen. Oder sagte er etwa paar, as in multiple? Tatsächlich, wie ich fünfzehn Minuten später feststelle, sprach der gute Mann von mehr als 120 Sekunden. Ich habe ein Problem.

Glücklicherweise fahren wir in dem Moment weiter, gerade, als meine Airline App den Beginn des Boardings anzeigt. Eine unerträgliche wenn auch relativ kurze Zeit später erreichen wir den Flughafen und ich erreiche dank rücksichtslosem Drängeln und dem Sprint meines Lebens die Rolltreppe zum Security Check als Erste.

«Sorry, spät dran. Dürfte ich?», frage ich jeden, der das Pech hat, vor mir in der Schlange zu stehen. Die Touristen, die sich vermutlich auf dem Heimweg befinden, lassen mich ohne Widerstand vor, doch zwei Landsmänner fragen mich tatsächlich nach meiner Flugnummer. Als ob sich irgendjemand frech durch die Schlange mogeln würde, um danach noch länger am Gate zu warten. Ich bezweifle auch, dass die Herren mit meiner Flugnummer etwas anfangen können. Dennoch lassen sie mich passieren.

Natürlich parkt mein Flugzeug am Terminal E, also dem am weitesten entfernten Terminal, der nur mit Transferzug inklusive schrecklicher Jodelbeschallung erreichbar ist. Nachdem ich in meiner Eile ausversehen zum Terminal D gerannt bin, stehe ich nun angespannt im Jodelzügli und versuche, diesen mittels Gedankenkraft zu mehr Schnelligkeit anzutreiben.

Beim Endspurt schwingt meine Tasche wild umher und trifft dabei den ein oder anderen verständnislosen Passagier, der mein «Sorry» hoffentlich unter meinem lauten Gekeuche versteht. Dann, endlich, komme ich am Gate an, das allerletzte (ich schwöre!) im ganzen Terminal. Der letzte Passagier läuft gerade durchs Boarding. Geschafft.

Eine Woche später befinde ich mich wieder am Flughafen, diesmal eineinhalb Stunden vor Abflug. Die Muskelzerrung, die ich mir nicht beim Flughafensprint, sondern beim normalen Joggen zugezogen habe, lässt kein Risiko zu. Also lehne ich mich zurück und beobachte gestresste Passagiere beim Rennen gegen die Zeit.

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