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Generation L

27.09.2017 198 Reax
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Simple Liebe

Buchautorin Linda Solanki.

Erinnert ihr euch, wie simpel Liebe einst war? Bevor Hormone und Lebenserfahrung die Dinge verkomplizierten und die Ansprüche hoben. Bereits im Kindergarten interessierte ich mich, auf völlig unschuldige Weise, für Jungs und für einen davon ganz besonders. Er ging bereits in die sechste Klasse. Ich hatte also keine Chance, aber das spielte nicht wirklich eine Rolle.

Denn damals genügte seine blosse Anwesenheit auf dem Pausenhof, vielleicht ein kurzer Blick oder gar ein freundliches Hallo, um mich mit Glück zu erfüllen. Mehr wollte ich gar nicht. Es reichte, in der selben Welt zu existieren wie er.

In der Grundschule verliebte ich mich wieder, diesmal in einen Gleichaltrigen aus meiner Klasse. Auch hier erwartete ich nichts, träumte höchstens heimlich von einem Treffen ausserhalb der Schule und in besonders hemmungslosen Momenten davon, seine Hand zu halten.

Die Tage, an denen wir miteinander sprachen, weil er mich beispielsweise nach einem Bleistift oder der Lösung für Aufgabe 3 fragte, waren einfach nur schön. Da konnte es sogar überbackenen Blumenkohl zum Abendessen geben, ich liess mir die Laune durch nichts mehr verderben. Wochenenden verloren dafür plötzlich an Reiz, Ferien schienen überflüssig.

Als ich mitkriegte, dass mein Schwarm gerne Madonna hörte – eine Sängerin, die ich bis anhin für besonders doof und nervig hielt –, sparte ich mein Sackgeld, bis ich mir ihr Album leisten konnte und spielte es fortan auf Repeat. Als ich erfuhr, dass er Tennis spielte, flehte ich meine Eltern an, mich im lokalen Club anzumelden (ohne Erfolg übrigens, da meine Woche schon mit Reiten, Singen, Tanzen und Judo voll war).

Schon seltsam, was er, ohne es zu ahnen, für eine Macht auf mich ausübte. Und ich wünschte fast, es verhielte sich noch heute so. Dass wir auch im Erwachsenenalter fähig wären, mit kindlicher Unschuld zu lieben. Natürlich ist es nicht gesund, automatisch die Interessen einer anderen Person zu übernehmen. Auch die Tatsache, dass in dem Alter kaum Interaktionen mit dem Objekt der Begierde stattfanden, geschweige denn sich eine romantische Beziehung zu ihm bildete, spricht eher dagegen.

Aber dass eine einzige Person dafür sorgen kann, dass man morgens gerne aufsteht und sich auf die Schule, die Arbeit, den Tag, einfach auf alles freut, bedingungslos – wäre das nicht wunderbar?

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