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Generation L

22.03.2017 137 Reax
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Social-Media-Wahn

Buchautorin Linda Solanki.

Über den herrschenden Social-Media-Wahn habe ich mich ja schon einige Male ausgelassen. Es scheint mir nun aber, dass dieser sich in letzter Zeit verschlimmert hat. Ein Beispiel: Vor kurzem war ich an einem Mode Event und langweilte mich fürchterlich.

Die anwesenden Gäste entsprangen nämlich allesamt der Blogger- oder der Zürcher Schickeria Szene und taten somit nicht viel mehr, als sich vor der eigenen Handykamera in Pose zu werfen, dabei das Gesicht zu einem vermeintlichen Schmollmund zu verziehen und den anderen Anwesenden neidische Todesblicke zuzuwerfen.

Zum Glück gab es genügend Häppchen und alkoholische Verpflegung, um wenigstens die Geschmacksnerven bei Laune zu halten und so quartierten wir uns bei einem Stehtisch in Barnähe ein. Wenigstens, so freuten wir uns, konnten wir uns ungestört unterhalten. Denn zu uns gesellen würde sich wohl kaum jemand – waren sie doch alle zu sehr damit beschäftigt, zu sehen und vor allem von dem nicht anwesenden Rest der Welt an diesem Event gesehen zu werden.

Dachte ich, und wurde keine Minute später eines Besseren belehrt, als mit einer Handykamera vor meinem Gesicht herumgewedelt wurde. «Achtung», warnte mich die Filmerin, da ich offenbar ihren Post zu versauen drohte, und schubste mich aus dem Bild. Ich war heilfroh, dass ich erstens nicht mit dem Ellbogen in der Mousse landete und zweitens, dass sich wenigstens meine normalerweise doch sehr mitteilungsfreudige Begleitung mit Fotografieren und Filmen zurückhalten konnte.

Klar befand ich mich auf dem Jahrmarkt der Eitelkeit, somit darf ich das dortige Treiben nicht mit dem Verhalten der Allgemeinheit gleichsetzen. Aber ich beobachte auch ausserhalb solcher Events immer häufiger absurdes Benehmen: Leute laufen eine unscheinbare Strasse entlang und filmen sich dabei selber, Poser fotografieren im Club fremde Flaschen an fremden Tischen und stellen sich fürs Selfie neben einen geparkten Luxusschlitten.

Manche meiner Freunde teilen sich alle halbe Stunde mit. In ihren Insta-Stories verraten sie Spannendes wie die Wahl des Frühstückgetränks, welche Turnschuhe sie tragen oder dass sie gerade am Bellevue vorbeispazieren. Ich kann ihnen keinen Vorwurf machen. Mit den Sozialen Medien verhält es sich nämlich wie mit den Weihnachtsartikeln im August: Die Nachfrage bestimmt das Angebot. Oder anders gesagt: Würde ich endlich damit aufhören, die Insta Stories meiner Freunde anzuschauen, würden diese vielleicht auch ihre Post-Frequenz reduzieren.

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