Finde den folgenden Gegenstand beim Surfen auf Blickamabend.ch und gewinne tolle Preise!
Suche starten
Du hast den Gegenstand gefunden! Klicke auf Mitmachen und nehme am Gewinnspiel teil.
Mitmachen

Generation L

06.09.2017 106 Reax
teilen
teilen
0 shares

Wenn der Schlaf nicht will

Buchautorin Linda Solanki.

Ich weiss nicht, wie manche Leute es fertigbringen, keinen Jetlag zu haben. Mich erwischt es bei jeder Zeitverschiebung zuverlässig. Ja, sogar die eine Stunde Unterschied in London merke ich – bilde ich mir zumindest ein. Es überrascht mich demnach kaum, dass ich nach meiner ersten Nacht in New York und sagenhaften vier Stunden Schlaf pünktlich um 1 Uhr aufwache. Also dann, wenn in der Schweiz 7 Uhr in der früh ist. Lustig, dass ich daheim aber kaum je ohne Wecker um diese Uhrzeit erwache.

Bis um fünf bleibe ich liegen, schlaflos natürlich, dann gebe ich auf. Wenn ich eines inzwischen gelernt habe, ist es, dass es einfacher ist, zeitverschoben zu leben, als seinem Körper den neuen Rhythmus aufzuzwingen. Darum schnappe ich mir meine Sportausrüstung und trete raus in die frische, klare Morgenluft und bald darauf hinein in einen miefigen, dunklen Keller.

Bumm, bumm, bumm, dröhnt es mir entgegen. Ketten rasseln, Schweiss tropft, es keucht, es stöhnt, dazu laute, anheizende Musik. Klopfenden Herzens trete ich in den Ring. Ich habe so etwas noch nie gemacht, sage ich. Dann schlage ich zu. Und wieder und wieder und wieder und noch einmal mit voller Kraft, eine Stunde lang, bis auch mir der Schweiss von der Stirn tropft.

Das Boxtraining hat mich einerseits erschöpft und mir andererseits Energie geschenkt, sodass ich den Jetlag fast den ganzen Tag über vergesse, munter durch die verregneten Strassen Sohos und der Lower East Side schlendere, einen Matcha bei Cha Cha schlürfe, und mich schliesslich zum zweiten Mal an diesem Tag im Bikram Yoga auspowere.

Die Yoga Lehrerin quält mich und meine – wie es meine Nase dünkt – ungeduschten Leidensgenossen neunzig Minuten lang bei 40º C. Hinterher fühle ich mich regelrecht erledigt, bereit fürs Bett und eine gesunde Runde Schlaf. Diese dauert diesmal immerhin bis 2 Uhr. Wird langsam.

Aber eben nur langsam. Bei diesem Tempo bin ich längst wieder abgereist, bevor ich eine menschenwürdige Uhrzeit erreiche. Tja. Wenn der Schlaf nicht will, dann will ich eben. In den Club. Denn um diese Zeit geht es erst richtig los. Und ich, ich bin hellwach.

teilen
teilen
0 shares
Wie findest du den Artikel?

Unsere Leser empfehlen

Meist gelesen

Bilder des Tages