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Generation L

18.10.2017 1'047 Reax
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Wer nicht trinkt, ist uncool

Buchautorin Linda Solanki.

Wer keinen Alkohol trinkt, fällt auf. Denn Alkohol gehört bei sozialen Zusammenkünften einfach dazu: das Cüpli beim Apéro, der Rotwein beim Dinner, das Bier nach Feierabend, der Schnaps an der Party. Wer da nicht mitmacht, gilt als Spassbremse, Langeweiler, bestenfalls als schrecklich vernünftig. Aber warum eigentlich? Warum degradiert unsere Gesellschaft Abstinente zu sozialen Aussenseitern?

Ich habe das selber schon erlebt. Ein „Nein, danke“ wird meist mit einem verdutzen „Was ist los?“ quittiert. Was auch immer der Grund für die Enthaltsamkeit sein mag, er wurde selten geduldet. „Ach komm, ein Drink“, versucht man zu locken. Bleibe ich wider Erwartens stur, entgegnet man mir mit missbilligendem Stirnrunzeln.

Eine Freundin von mir erlebt gerade ähnliches. Sie trinkt momentan nicht. Warum, darf allen egal sein. Ist es aber nicht. Ständig muss sie sich rechtfertigen. Sobald jemand bemerkt, dass sie nur zum Red Bull und nicht auch noch zum Vodka greift, heisst es: „Warum trinkst du nicht?“

Irgendwann wurde sie so müde vom Erklären, dass sie die Antibiotikaeinnahme aufgrund einer Blasenentzündung vorschob. Immerhin, das akzeptierte man. Was aber, wenn sie gesagt hätte, dass sie schlichtweg keine Lust auf Alkohol habe? Sofort hätte man sie als Spiesser abgestempelt.

Ist es nicht besorgniserregend, wie fest das Trinken in unserem Alltag verankert ist und wie intolerant wir gegenüber Nichttrinkern sind? Vermutlich, weil ihre Gegenwart uns ein schlechtes Gewissen macht. Denn sie erinnert uns an unser eigenes, vermutlich schrecklich unvernünftiges Trinkverhalten. Oder weil wir diesen Personen nicht zutrauen, auch nüchtern Spass zu haben. Denn hätten wir selbst genauso viel Spass ohne Alkohol?

Warum lassen wir die Nichttrinker nicht einfach in Ruhe? Genauso wie die Kampftrinker, die Cüpli-Fraktion, die Wein-Connaisseure und die Bier-Buddies? Soll doch jeder so wie er will. Uns andere braucht das nicht zu stören. Tut es aber scheinbar massiv, denn sogar mich fragte man nach dem Wohlergehen meiner Freundin. Schliesslich trinke sie doch nicht mehr, da müsse ja etwas nicht in Ordnung sein.

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