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Generation L

19.07.2017 95 Reax
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Willkommen im Bootcamp

Buchautorin Linda Solanki.

Meine Freunde haben mich schräg angeschaut, als ich ihnen davon erzählt habe. „Du bist ja schon schlank“, musste ich mir einerseits anhören. Dabei hat meine Anmeldung im Bootcamp nichts mit dem Wunsch nach einer Figurveränderung zu tun. „Warum um Himmels Willen tut man sich so etwas freiwillig an?“, wurde ich daraufhin gelöchert.

Gute Frage. Warum steht man zehn Wochen lang jeden Tag um 5:30 Uhr auf, um sich zusammen mit fünfzig anderen müden Gestalten in einer überhitzten Turnhalle zu quälen?

Meine Antwort lautete bisher: Weil ich fitter werden will. Es frustriert mich, dass ich zwar drei bis viermal in der Woche joggen gehe, aber keine anständige Liegestütze hinkriege. Und da ich mich ausser zu Ausdauertraining und Yoga kaum alleine zu einer Sportart motivieren kann, schien mir ein von Coaches geführtes Bootcamp das Richtige.

Zudem wache ich, seit der Sommer angebrochen ist, eh regelmässig auf, bevor der Wecker klingelt. Zwar eher um 7 Uhr als um 5:30 Uhr, aber was sind schon eineinhalb Stündchen. So würde ich die überschüssige Zeit wenigstens sinnvoll nutzen.

Nun ist die erste Woche des Bootcamps durch. Mein derzeitiger Hauptgedanke: Warum um Himmels Willen tu ich mir so etwas freiwillig an?! Warum stehe ich zu einer Zeit auf, zu der ich früher zu Bett gehen pflegte, und blamiere mich freiwillig vor anderen Leuten mit meiner schwachen Imitation von Burpees, Push-ups etc.?

Warum nur bringe ich meinen Körper so weit an die Grenzen, dass ich vergessen habe, wie sich ein Leben ohne Muskelkater anfühlt? Warum lasse ich mein Sozialleben leiden, weil ich jeden Abend um spätestens 22:30 Uhr todmüde ins Bett falle?

Weil es mir trotz Schmerzen und Erschöpfung guttut, darum. Weil ich mich beim Verlassen der Turnhalle gewappnet für den Tag und auch ein bisschen stolz fühle – stolz, dass ich es durchziehe. Und das Gefühl, wenn ich merke, dass ich schon nach fünf Tagen ein bisschen länger mag, ein bisschen höher komme, ein bisschen weiter, nur schon für dieses Gefühl lohnt es sich die Zähne zusammenzubeissen.

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