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Heftiger Bergsturz in Graubünden: Keine Entwarnung in Bondo GR

In Graubünden wurde ein ganzes Bergdorf evakuiert. Grund dafür ist ein Felssturz, der sich am Vormittag ereignet hat. Weil alles voller Geröll ist, kann jetzt das Wasser nicht mehr richtig abfliessen.

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Die Lage in Bondo GR hat sich mittlerweile stabilisert. Dennoch: Entwarnung gab es bislang nicht.

Bange Momente gestern Morgen im Bergell: Um etwa 9.30 Uhr donnern hoch oben am Piz Cengalo Felsbrocken in die Tiefe. Sofort schlägt das installierte Murgang-Meldesystem Alarm. Die riesigen Gesteins- und Geröllmassen werden anschliessend vom Fluss Bondasca durchs Tal geschoben, bis sie das Bergdorf Bondo erreichen. Unter dem Schutt werden zwei Ställe komplett zerstört. Insgesamt wurden zwölf Bauten beschädigt oder zerstört.

Als Sofortmassnahme leiten die Behörden umgehend die Evakuierung des knapp Hundert-Seelen-Dorfs ein. Weiter wurde die Hauptstrasse H3 zwischen Castasegna und Stampa aus Sicherheitsgründen gesperrt.

Es besteht die Gefahr eines noch grösseren Bergsturzes. Die Polizei empfiehlt Reisenden zwischen Italien und dem Engadin über den Berninapass und das Puschlav auszuweichen. Bondo bleibt bis mindestens Donnerstagmorgen evakuiert. Dann wird die Lage neu beurteilt.

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Der Felssturz wurde auch vom Erdbebendienst der ETH registriert. Die Ausschläge entsprachen einem Erdbeben der Stärke 3.

Auch der örtliche Campingplatz wurde geräumt. «Immer wieder rutscht der Berg am Piz Cengalo», sagt Gemeindesekretär Fernando Giovanoli zum BLICK. «Ich sehe bestimmt jede Stunde neue Felsmassen, die sich lösen.» Man habe nun Angst vor Niederschlägen, sagt Giovanoli. «Denn das Auffangbecken ist mit Geröll gefüllt. Es könnte jetzt kein Wasser mehr halten. Es würde zu Überflutungen kommen.» 

Helikopter bringen Eingesperrte in Sicherheit

Man wisse nicht, wer sich noch im betroffenen Bondascatal aufhielte, so der Sekretär. Zahlreiche Personen wurden mit den Helikoptern der Heli Bernina und der Rega in Sicherheit gebracht. Auch die SAC-Hütten Sciora und Sasc Furä wurden auf dem Luftweg evakuiert.

Die Gemeinde Val Bregaglia hat einen Krisenstab einberufen. Im Einsatz stehen zudem ein Geologe und das Amt für Wald und Naturgefahren. Militär und Zivilschutz stehen auf Abruf bereit.

Folgen eines Gewitters?

200-Einwohner-Dorf: Bondo liegt im Bergell unterhalb des Maloja-Passe. play
200-Einwohner-Dorf: Bondo liegt im Bergell unterhalb des Maloja-Passe. geo.admin.ch

Am Piz Cengalo ereigneten sich in den vergangenen Tagen wiederholt kleinere Felsstürze. Diese seien nichts Ungewöhnliches, sagte Martin Keiser vom Amt für Wald und Naturgefahren noch vor einer Woche gegenüber der «Südostschweiz».

Einen Grund zur Besorgnis sah Keiser damals nicht. Aber: Die Geschwindigkeit der Felsverwerfungen, die sich am Berg ereignen würden, hätten tatsächlich stark zugenommen. «In den letzten Jahren lag diese Geschwindigkeit bei 1,5 bis 2 Zentimetern. Messungen vom Juli haben nun aber eine Geschwindigkeit von bis zu 10 Zentimetern ergeben.»

  Die Bewohner des Tals wissen seit 2012, dass der Piz Cengalo bröckelt. Damals löste ein Gewitter einen «Jahrzehnt-Bergsturz» aus. Bis zu vier Millionen Kubikmeter Fels – das Volumen von rund 4000 Einfamilienhäuser – krachte zu Tal. Damals blieben die Gesteinsmassen zuhinterst im Val Bondasca liegen.

«Wir haben gewusst, dass sich wieder ein Felssturz ereignen könnte», sagte Gemeindepräsidentin Anna Giacometti. Allerdings sei man von der grossen Menge der Geröllmassen überrascht. Das genaue Volumen werde nun von Fachleuten abgeschätzt.

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