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Der Weg ins Amt über Hearings in die Fraktionen: So werden die Bundesratskandidaten grilliert

Der Weg ins Amt führt über Hearings in den Fraktionen. Hier fühlen die politischen Gegner den Kandidaten für einen Sitz im Bundesrat auf den Zahn.

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Die Parteipräsidenten stehen bereit, um die SVP-Kandidaten zu grillieren. play
Die Parteipräsidenten stehen bereit, um die SVP-Kandidaten zu grillieren. Illustration: Igor Kravarik

Insgesamt 246 National- und Ständeräte bestimmen im Dezember über die Zusammensetzung der Landesregierung. Sie entscheiden auch, ob die SVP einen zweiten Sitz erhält.

Bevor die Kandidaten sich aber überhaupt zur Wahl stellen können, werden sie von den Fraktionen der anderen Parteien auf Herz und Nieren geprüft. Diese grillieren die Anwärter der SVP, ob sie nun Heinz Brand oder Hannes Germann heissen.

Wer bei dieser Prüfung versagt, kann seine Hoffnungen begraben, noch bevor im Parlament die Wahlzettel verteilt werden. 

2010 stieg Karin Keller-Sutter (51, SG) für die FDP ins Rennen und absolvierte den Fragenmarathon. «Was mir sofort auffiel: Die Mitglieder der Frak­tionen waren bei den Hearings sehr aktiv.» Einer habe sogar verlangt, dass sie auf Englisch antwortet. «Das war für mich ein Steilpass!» Die studierte Dolmetscherin lacht.

Beim Hearing in der SP-Fraktion stiess Keller-Sutter auf ein unerwartetes Gegenüber: Aussenministerin Micheline Calmy-Rey (70). Die Magistratin wollte wohl aus erster Hand erfahren, wer da künftig neben ihr in der Regierung Platz nehmen könnte. «Ich weiss bis heute nicht, warum Frau Calmy-Rey damals bei diesem Hearing dabei war – schliesslich ist das doch auch eine Frage der Gewaltentrennung», so Keller-Sutter. Während der Befragung durch die CVP-Parlamentarier wollte Fraktionspräsident Urs Schwaller (63) wissen, wie Keller-Sutter das Verhältnis zwischen Christlichdemokraten und Freisinnigen beurteile. «Ich meinte, als die beiden Parteien sich noch bekämpft hätten, wäre es beiden besser gegangen. Das sorgte für grosses Gelächter im Saal.»

Wie wichtig Sprachkenntnisse in den Hearings sind, erlebte auch SVP-Nationalrat Jean-François Rime (65, FR), als er 2011 der FDP seine Aufwartung machte. Nationalrätin Christa Markwalder (40) stellte gleich zu Beginn eine Frage auf Englisch. «Kein Problem, habe ich gesagt, wir können die ganze Anhörung auf Englisch machen. Nur sei dann fraglich, ob uns alle FDPler folgen können», so Rime. Die Reaktion der Freisinnigen ist nicht überliefert.

Unter speziellen Um­ständen wurde der dama­lige Nationalratspräsident Hansjörg Walter (64, TG) im selben Jahr von der SVP auf den Schild gehoben. Bruno Zuppiger (63) zog sich zurück, die Volkspartei stellte Walter praktisch über Nacht auf. Zeit, um sich vorzubereiten, blieb dem damaligen Präsidenten des Bauernverbandes nicht. «Ich habe lediglich auf einem A6-Blatt einige Punkte notiert.» Themen, die für ihn in der nächsten Legislatur wichtig waren: Energiestrategie, Finanzstrategie, Wirtschaft, Altersvorsorge oder Armee.

SP, Grüne und CVP luden die beiden SVPler damals gar nicht erst ein, da ihre Kandidatur auf den Sitz von BDP-Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf (59) zielte.

Künftigen Bundesrats-Aspiranten seiner Partei rät Walter, bereits im Vorfeld die Werbetrommel zu rühren. «Unsere Kandidaten müssen schon vor den Hearings lobbyieren», sagt der erfahrene Poli­tiker. «Jeder Parlamenta­rier wählt am liebsten einen Bundesrat, den er kennt, zu dem er Zugang hat.»

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