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Drogenboss El Chapo vor US-Gericht: Auf Nimmerwiedersehen, Kleiner!

Am Montag beginnt in New York der Prozess gegen den grössten Drogenbaron der Welt. Dem Mexikaner El Chapo droht eine lebenslange Gefängnisstrafe.

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Hasta nunca, Chapo! Auf Nimmerwiedersehen, Kleiner! Der mächtigste Drogenboss der Welt wird wohl nie mehr seinem schmutzigen Geschäft nachgehen können. Der 61-jährige Mexikaner El Chapo, der Tausende Menschenleben aus dem Drogenkrieg auf dem Gewissen hat, steht am Montag vor dem US-Geschworenengericht in New York.

Seine Aussichten sind düster: Wird Joaquín Guzmán Loera, wie der Drogenboss richtig heisst, nur in einem einzigen der 17 Anklagepunkte schuldig gesprochen, muss er den Rest seines Lebens hinter Gittern verbringen. Nebst Drogenhandel werden ihm auch Delikte wie Geldwäsche, Kidnapping, Mord und illegaler Waffengebrauch vorgeworfen.

Ein Geschenk für Trump

Die mexikanischen Behörden hatten ihn am 19. Januar 2017 an die USA ausgeliefert – just einen Tag vor Donald Trumps (72) Premiere im Weissen Haus. Ein schöneres Antrittsgeschenk hätten die Mexikaner ihrem grossen Nachbarn nicht präsentieren können: Guzmán war 2013 in den USA zum Staatsfeind Nummer eins erklärt worden – ein Titel, den zuvor nur Gangsterboss Al Capone (1899–1947) bekam. 

Der 164 Zentimeter kleine El Chapo, auf Deutsch «der Kurze», hatte in Südamerika fast überall seine Finger im Spiel, wo es um Drogen geht. In den vergangenen 30 Jahren hat er sich mit dem Sinaloa-Kartell ein riesiges Drogenimperium aufgebaut, dessen Mitglieder ihm treu ergeben sind: Schon zweimal holten sie den Chef auf spektakuläre Weise aus vermeintlich unüberwindbaren Hochsicherheitsgefängnissen.

Gefunden dank Sean Penn?

Immer wieder aber ging der Drogenboss der Polizei ins Netz. Seine letzte Flucht endete in einem Blutbad: Im Januar 2016 fasste ihn die Polizei in Los Mochis, einer Stadt im Nordwesten Mexikos. Beim Einsatz wurden fünf Personen getötet und ein Soldat verletzt.

Es wird darüber spekuliert, ob SMS-Nachrichten mit den Schauspielern Sean Penn (58) und Kate del Castillo (46) seinen Standort verraten hatten. Die beiden hatten El Chapo 2015 heimlich zu einem Interview für das Magazin «Rolling Stone» getroffen.

Depressionen und Halluzinationen

Seit der Auslieferung an die USA sitzt er im Manhattan Correctional Center, dem «Guantànamo von New York». 23 Stunden Einzelzelle, eine Stunde Fitness – und das Licht brennt zur Überwachung rund um die Uhr. 

Seinen Anwalt Eduardo Balarezo darf er nur durch eine Panzerglasscheibe sehen. Balarezo: «Den einzigen zwischenmenschlichen Kontakt, den er hat, ist mit den Wärtern. Aber die sprechen offenbar nicht mit ihm.» Kein Wunder, klagt der freiheitsliebende mexikanische Drogenboss über Depressionen. Er soll sogar Stimmen hören – und das, ohne selber Drogen genommen zu haben.

Mehr Tote seit Verhaftung

El Chapo gilt für viele Mexikaner als Held. Der Drogenbaron hat ihnen mit seinem schmutzigen Geschäft Arbeit und Wohlstand gebracht. Zudem hat der Drogenkrieg auch nach seiner Verhaftung kein Ende genommen, im Gegenteil. Mit jeder Festnahme wird das Machtvakuum grösser, was zu neuen Kämpfen führt. Mit über 23’000 Tötungsdelikten war 2017 das blutigste Jahr der jüngeren Geschichte Mexikos.

Während El Chapo in der Hochsicherheitszelle schmort, lassen es sich seine Angehörigen gut gehen. Auf aktuellen Fotos zeigt sich seine Frau unbekümmert mit Luxustaschen und High Heels, seine Zwillinge feiern fröhlich vor einer pinken Barbiekulisse den siebten Geburtstag. Auch seine Söhne verprassen mit Luxuskarossen das Vermögen ihres Vaters.

Schätzungen zufolge beträgt dieses rund 14 Milliarden Dollar. Aber wo ist es? Es ist eine der grossen Fragen, welche die Ermittler brennend interessiert.

Dossier mit 300'000 Seiten

Der Prozess wird zum Prozess der Superlative. Die Beweismittel der US-Staatsanwaltschaft umfassen satte 300’000 Seiten, man rechnet mit einer Verfahrensdauer von bis zu vier Monaten. Aus Sicherheitsgründen wird die viel befahrene Brooklyn Bridge jeweils gesperrt, wenn El Chapo im Konvoi zum Gericht gefahren wird. Ebenfalls aus Sicherheitsgründen dürfen die zwölf Geschworenen in diesem Fall anonym bleiben.

Die Amerikaner setzen alles daran, ihren Staatsfeind Nummer eins endgültig hinter Schloss und Riegel zu bringen. Die Chancen auf eine lebenslange Verurteilung in einem der amerikanischen Hochsicherheitsgefängnisse sind gross. Diesmal werden ihn seine Kumpane nicht mehr so leicht herausholen können. 

Seine Ausbrüche

Wie eine Maus fand El Chapo bisher immer wieder einen Weg ins Freie. Nach seiner ersten Verurteilung 1993 wurde er 2001 in einem Wäschewagen versteckt an bestochenen Gefängniswärtern vorbei ins Freie geschoben. Auch nach seiner erneuten Verhaftung 2014 suchte er schon eineinhalb Jahre später das Weite: Seine Helfer hatten einen 1,5 Kilometer langen, belüfteten Tunnel bis zur Dusche in El Chapos Zelle gegraben. Weil die Dusche von der Überwachungskamera nicht vollständig erfasst wurde, konnte Guzman durch ein 50 auf 50 Zentimeter grosses Loch im Boden verschwinden. Per Schienentöff wurde er unter den Mauern hindurch aus dem Gefängnis gebracht.

Sein Imperium

1989 gründete Joaquin Guzman aus dem zerfallenen Guadalajara-Kartell das Sinaloa-Kartell. Die Nachrichtendienste der USA bezeichneten es 2010 als die «mächtigste Organisation im Drogenhandel weltweit», es soll bis in 35 Staaten aktiv gewesen sein. Boss El Chapo soll nebst Crystal Meth, Marihuana und Heroin gegen 450 Tonnen Kokain in die USA geschmuggelt haben, zum Teil durch einen klimatisierten Tunnel unter der Grenze hindurch. Sein Führungsstil ist unzimperlich: Gegner räumt er aus dem Weg, verspäteten Drogenkurieren jagt er eine Kugel in den Kopf.

Seine Frauen

Frauen sind seine grosse Leidenschaft. El Chapo ist mit der ehemaligen Miss Emma Coronel Aispuro (29) verheiratet, mit der er Zwillingsmädchen (7) hat. Aispuro ist seine vierte Ehefrau. Mit ihren Vorgängerinnen Alejandrina Maria Salazar Hernandez, Estela Pena und Griselda Lopez Perez hat El Chapo weitere sieben Kinder. Daneben soll er stets zahlreiche Geliebte gehabt haben. Auch im Knast konnte er die Finger nicht von den Frauen lassen. Er schwängerte eine Angestellte, die allerdings das Kind verlor. Für die Affäre mit dem mächtigsten Drogenboss musste die Frau mit dem Leben bezahlen: Mitglieder des verfeindeten Los-Zetas-Kartells töteten sie und ritzten ihr ein «Z» in die Haut.

Sein Netflix-Ärger

Was zieht für eine Serie besser als ein brutaler, raffinierter Drogenboss, der die Behörden immer wieder an der Nase herumführt? Der Streamingdienst Netflix hat zusammen mit dem spanischsprachigen Sender Univision 2017 El Chapo sogar zum Thema einer Serie gemacht. Bisher wurden 34 Episoden in drei Staffeln gedreht. Die Hauptrolle spielt Marco de la O. Der echte El Chapo hat angekündigt, Netflix zu verklagen, da er ungefragt und ohne Bezahlung für die Serie verwendet und er als Person schlecht gemacht werde. (gf)

Deshalb: Hasta nunca, Chapo! Auf Nimmerwiedersehen.

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