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Gimma fordert Huonders Rücktritt: Nach Schwulen-Bashing liest Rapper Gimma dem Bischof die Leviten

Blick am Abend-Kolumnist Gimma nimmt Huonders Entgleisung persönlich. Als ehemaliger Ministrant mit einschlägiger Erfahrung hat er gute Argumente.

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Bündner Ministrant: Der Churer Rapper Gimma ist erfolgreicher Musiker und Texter. Er war Novize im Franziskanerorden. play
Bündner Ministrant: Der Churer Rapper Gimma ist erfolgreicher Musiker und Texter. Er war Novize im Franziskanerorden.

«Mir ist gar nicht klar, wo ich genau anfangen soll. Herr Bischof Huonder sieht in der Homosexualität also einen Grund für die Todesstrafe. Es wäre für mich persönlich zu einfach, hier jetzt einfach pauschal meine Solidarität mit Schwulen, Lesben und anderen Abweichungen der unerklärbar definierten Norm auszusprechen. Dagegen spricht zum einen meine zu tiefe Verwicklung mit der katholischen Kirche (religiöse Erziehung, zehn Jahre Ministrant, Oberministrant, Novize im Franziskanerorden), zum anderen meine transparenten Freundschaften zu Menschen jeglicher Neigung, Farbe und Konfession. Ich halte es also für eine zu schwache Ansage, jetzt auf Solidarität zu machen, irgendeine Fahne zu verbrennen wie schwachbrüstige Linksradikale – und ich halte es auch für einiges zu schwach, die zwei Kilometer Fussmarsch auf mich zu nehmen, ins Bistum zu steppen und dort einen verdammten rosaroten Frauenfurz in der Grösse einer Mülltonne zu zünden. Ich kann die Situation auf keine Art und Weise in ein vermeintlich besseres Licht rücken.

Ich wurde von Würdenträgern sexuell genötigt.

Lieber Herr Huonder, ich weiss ja nicht, ob Sie das interessiert, aber ich wurde in meinem Leben von gut und gerne einem halben Dutzend Gläubigen und Würdenträgern sexuell genötigt. Diese Personen waren allesamt katholische Männer. Junge, ältere, alte. Einige Übergriffe waren Lappalien, andere wären durchaus im Strafgesetz erfasst gewesen. Diese Herren haben sich an mir teils nur verbal, manchmal physisch vergreifen wollen – und ich bin männlich. Somit waren diese Übergriffe homosexueller (teils pädophiler) Natur.

Bislang hat mich Ihre Art der Führung der Institution, der ich getauft angehöre, kaum gestört. Sie sind ein gebildeter Mann. Sie besitzen bestimmt ein Spartenwissen zur Religion, das meines um Lichtjahre übersteigt, und ich werde mir in keinster Weise anmassen, über Ihre Fähigkeit, diese Religion zu kennen, im Detail zu richten. Ich hätte da lediglich ein paar Fragen.

Ich bin einer. Es gibt einige mehr von uns.

Wie können Sie mit sich vereinbaren, Homosexualität als Tötungsgrund zu definieren, wenn Sie doch wissen müssen, dass unzählige Vertreter Ihrer Institution unschuldige Kinder sexuell missbraucht haben – und von denen eine hohe Prozentzahl zwangsläufig homosexuell gehandelt hat? Sie können es abstreiten. Aber dann halte ich dagegen, dass ich mindestens ein Dutzend solcher Würdenträger mit Name und Adresse nennen könnte, tot oder lebendig. Und ich bin alles andere als ein Opfer. Ich bin einer, es gibt einige mehr von uns.

Wissen Sie, ich wurde noch von keinem einzigen Schwulen in meinem Leben in irgendeiner Art belästigt, im Gegenteil. Ich geniesse die Freundschaft vieler homosexueller Menschen und hatte nicht ein einziges Mal eine verstörende Situation mit ihnen. Komischerweise hatte ich aber als aktives Mitglied der katholischen Kirche ganze Litaneien an durchaus diskutablen Ereignissen zu erleben und zu bewältigen.

Legen Sie Ihr Amt per sofort nieder!

Sie, Herr Huonder, vertreten mein Bistum, ich gehöre ihm an, wie Ihre anderen Schäfchen. Ich bin weder schwul noch inzwischen sonst wie besonders sündhaft unterwegs in Ihrem Wertesystem und deshalb erlaube ich mir – da vor Gott ja alle scheinbar gleich sein sollen – ein pauschales Urteil über Sie. Ich brauche dafür keine Worte, und ich werde hier auch nicht hinschreiben, was ich von Vertretern, wie Sie einer sind, halte. Ich schweige mich elegant aus und lasse meine Geschichte sprechen. Ich wünsche Ihnen auch keinerlei Leid. Ich möchte Sie nur darauf hinweisen, dass aufgrund dieses Textes, dieser Geschichte, jeder halbwegs bei Trost seiende Angehörige unserer Kirche feststellen wird, dass ich unseren gemeinsamen Glauben (unfreiwillig) besser öffentlich vertrete als Sie. Ich bin ein 35-jähriger heterosexueller Mann, und ich lege Ihnen dringend nahe, per sofort Ihr Amt niederzulegen. Was Sie zurzeit (und des Öfteren davor) von sich geben, hat mit christlichem Glauben in etwa gleich viel zu tun wie die Mafia. Und die wurde ja bekanntlich vom Pontifex Maximus ausgeschlossen aus der Kirche.

Sie tragen gewiss einen lächerlichen Amts-Fummel, und einige Lakaien putzen Ihren Arsch mit Ja-Sagen, aber glauben Sie mir, Leute wie ich, die die Kirche nur zu gerne in ihren unschuldigen Arsch gefickt hätten, wir halten nicht besonders viel von Vertuschern und Lügnern. Wir hören nicht auf Sie, wie hören Ihnen nicht mehr zu, und wir fordern jetzt Ihre Absetzung. Bevor hier ein Schwuler stirbt, wird über Sie gerichtet.

PS: Ich freue mich, Ihnen im Herbst mein Buch zu überreichen, in welchem ich einige detaillierte Schmankerl aus meiner Zeit in unserem gemeinsamen Verein zum Besten gebe. Das wird ein Fest!

Ein Bibel-Zitat sorgt für grosse Entrüstung

Vitus Huonder (73) war sich der Auswirkungen wohl nicht bewusst, als er an einem Vortrag in Fulda (D) gegen die Homo-Ehe wetterte. Der Churer Bischof zitierte dabei folgende Bibelpassage aus dem Buch Levitikus: «Schläft einer mit einem Mann, wie man mit einer Frau schläft, dann haben sie eine Gräueltat begangen. Beide werden mit dem Tod bestraft. Ihr Blut soll auf sie kommen.»

Das Echo auf den Vortrag ist enorm. Das Stichwort #Huonder belegte auf Twitter den Spitzenplatz. Der Schwulen-Dachverband Pink Cross will prüfen, wie «derartige Hassreden strafrechtlich verfolgt werden könnten». Auch die Promi-Welt ist entsetzt. Moderator Marco Fritsche sagt: «Huonder hatte als Bischof – zumindest offiziell – noch nie Sex. Warum erteilt er Ratschläge?» TV-Urgestein Kurt Aeschbacher kann ebenfalls nur den Kopf schütteln. «Mensch ist Mensch, Punkt. Ausser offenbar für die katholische Kirche. Und dies trotz eigenem schwulem Personal.» Und Zürichs Stadtpräsidentin Corine Mauch appelliert an die Kirche, «dass diskriminierende, erniedrigende und weltfremde Äusserungen eines Bischofs nicht länger vorkommen».

Huonder selbst bedauert, dass sein Vortrag als «Herabsetzung homosexueller Menschen verstanden wurde» und beteuert: «So war es nicht gemeint.» Wer sich selbst ein Bild machen will: Auf www.bistum-chur.ch ist der Vortrag nachzulesen. vuc

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