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Ist es naiv, aufs neue Jahr Hoffnungen zu setzen?

Lieber Herr Ramspeck: Dies ist unsere erste Kolumne 2017. Wir könnten über Vorsätze reden oder darüber, wie schrecklich 2016 war. Aber ich möchte etwas anderes wissen: Wir suchen zum Jahresbeginn Hoffnung, weil wir es nicht verkraften, dass die Welt auch nach Mitternacht die bleibt, die sie war und ist. Ausser einer Zahl im Kalender ändert sich nichts. Ikonen werden weiter sterben und Kriege werden weiter geführt. Warum versuchen wir, krampfhaft optimistisch zu sein? Fast schon naiv dümmlich?

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Young Küken Joëlle Weil (joëlle.weil@ringier.ch) play
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Elder Statesman Jürg Ramspeck (jürg.ramspeck@ringier.ch) play
Elder Statesman Jürg Ramspeck (jürg.ramspeck@ringier.ch)

Liebe Joëlle

Du hast natürlich recht: Der 1. Januar ist für mich ein Tag wie jeder andere, zumal ich es längst aufgegeben habe, am 31. Dezember bis Mitternacht wach zu bleiben. Aber selbst wenn ich zum jüngsten Jahreswechsel die Energie aufgebracht hätte, an einer Silvesterparty teilzunehmen, dann nicht um zu feiern, sondern um mich zu betrinken. Die Welt bewegt sich zurzeit überdeutlich nicht auf das Ende der Geschichte zu, sondern in Gegenrichtung. Die grossen Friedens- und Solidaritätsprojekte des vergangenen Jahrhunderts, auf die Optimismus sich begründen liess, sind allesamt angeschlagen. Überall macht sich wieder nationalistischer Eigennutz breit, und es ist nicht zu erkennen, wie die globalen Probleme unserer Zeit von Mächten und Völkern gelöst werden können, die sich von der Einsicht in Notwendigkeit enger internationaler Zusammenarbeit verabschieden. Wenn ich dir gleichwohl empfehle, deinen Optimismus nicht für alberne Vertrauensverschwendung zu halten, so aus der Lehre heraus, dass geschichtliche Vorgänge nie gradlinig verlaufen. Sie haben auch Rückschläge zu verkraften. Setze deinen Optimismus gegen diese Rückschläge ein. Es gibt für den Glauben an eine bessere Zukunft viel zu tun.

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