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«Jöö»-Insekten: Ganz schön pfiffig, die Kleinen

Der Biophysiker Mario Markus ist Fan von Insekten. Sein neues Buch ist ideal für alle, die (noch) kein Herz für Krabbler haben.

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Diese Insekten haben jetzt ihr eigenes Buch: «Unsere Welt ohne Insekten? Ein Teil der Natur verschwindet.» play
Diese Insekten haben jetzt ihr eigenes Buch: «Unsere Welt ohne Insekten? Ein Teil der Natur verschwindet.»

Insekten zu lieben ist etwas für fortgeschrittene Tierfreunde. Schliesslich sind Spinnen, Käfer, Läuse und Heuschrecken weder süss noch kuschlig – und manche beissen und stechen. «Die allermeisten Insekten sind harmlos und nützlich», hält Insektenfan Mario Markus dagegen. In seinem neuen Buch «Unsere Welt ohne Insekten?» schreibt der Biophysiker einem «die schönsten und pfiffigsten Wesen auf unserem Planeten» ins Herz.

Zum Beispiel die Zikaden der Gattung Magicicada. Sie erscheinen alle 13 oder 17 Jahre in Nordamerika. Diese Jahreszahlen sind Primzahlen, was eine Synchronisation mit Feinden, die alle zwei, drei usw. Jahren erscheinen, verhindert.

Raffiniert kommt auch der Kleine Postbote (Heliconius erato) vom amerikanischen Kontinent daher. Der Schmetterling begattet Weibchen im Puppenstadium, kurz vor dem Schlüpfen, denn dann sind sie schon empfängnisbereit. Danach beschmiert er die Puppen mit einem übel riechenden Sekret, damit andere Männchen Abstand nehmen.

Und die Männchen des Apollofalters Parnassius apollo (in Europa weitgehend ausgestorben) verschliessen nach dem Sex kurzerhand die Genitalöffnung «ihres» Weibchens mit einem Sekret – damit andere Männchen keine Chance mehr haben.

Auch bei den Wasserläufern der Gattung Gerris herrscht keine Gleichberechtigung. Macht das Weibchen nicht mit, beginnt das Männchen zu wippen. Die Wasserwellen ziehen dann Fische oder Wasserkäfer an, die das Weibchen fressen könnten. Es kann sich also entscheiden zwischen Sex und Tod.

Die Verliererin kommt in die Wechseljahre.

Aber: Weibchen machen sich das Leben durchaus auch selber schwer. Die Weibchen der Holzbiene Xylocopa pubescens etwa tragen in ihren Nestern erbitterte Machtkämpfe aus. Die Gewinnerinnen können sich weiterhin fortpflanzen. Die Verliererinnen werden von ihrem eigenen Hormonsystem bestraft. Sie kommen in die «Wechseljahre» und können in der Folge nur noch Arbeiten im Nest verrichten.

Das Leben einiger Spinnenweibchen endet nach der Geburt ihrer Kinder. Die Rote Röhrenspinne Eresus kollari beispielsweise verdaut sich innerlich selbst und steht so dem Nachwuchs als nahrhafter Brei zur Verfügung.

Die Larven der Schildkäfer (Cassidinae) schliesslich zeigen im Umgang mit ihrem Kot Kreativität. Die Raupe des Hemisphaerota cyanea beispielsweise produziert ihren Kot nicht in einzelnen Stücken – wie die meisten Bewohner dieser Erde, sondern in Form einer Schnur, die an keiner Stelle unterbrochen wird. Diese Schnur ist von einer dünnen Haut aus mikroskopisch feinen Fasern umhüllt. Die Raupe windet die Schnur bis zu 50-mal um ihren Körper und ist damit ungestört und vor Fressfeinden wie Marienkäfern, Ameisen und Baumwanzen geschützt. Hauptsächlich bewahrt der Kot-Mantel die Raupe vor Austrocknung, wenn es zu warm wird.

Das grösste Insekt aller Zeiten war übrigens die Riesenlibelle Meganeuropsis permiana, die vor etwa 300 Millionen Jahren lebte. Ihre Flügelspannweite betrug bis zu 75 Zentimeter.

«Unsere Welt ohne Insekten? Ein Teil der Natur verschwindet», von Mario Markus (Foto), Verlag Kosmos, 20.70 Fr.

Komplex: Welche Art soll weg?

Zurzeit sind 1,4 Mio. Tierarten bekannt. Ein hoher Anteil (61 Prozent) entfällt auf Insekten, Spinnentiere und Krebstiere. Für Biophysiker Mario Markus zeigt der hohe Anteil der Insekten am Artenspektrum der Erde, wie wichtig die Insekten für das Zusammenspiel der Arten sind. In solchen Gefügen sind einzelne Lebewesen nicht nur als Individuen wichtig, sondern auch wegen der Wechselwirkungen mit anderen Arten. Wie komplex so ein System sein kann, zeigt die Forschung von Frank Marsh (Union College, Nebraska), der das Ökosystem rund um tropische Bäume der Gattung Cecropia untersuchte. Die Raupe des Nachtfalters Hyalophora cecropia ist ein Feind dieser Bäume. Die Raupenfliege Winthemia und die Wespe Agrothereutes legen ihre Eier in die Hyalophora-Raupen und nützen damit den Cecropia-Bäumen. Die Wespe Dimmockia ihrerseits legt ihre Eier in Winthemia und wird somit indirekt zum Feind der Cecropia. Die beiden Wespenarten Dibrachys und Mastrus sind ebenfalls schädlich für die Bäume, indem sie ihre Eier in Agrothereutes legen. Allerdings legt die Wespe Dibrachys ihre Eier nicht nur in Agrothereutes, sondern auch in Mastrus und ist somit gleichzeitig Freund und Feind der Cecropia-Bäume. Aber es kommt noch besser: Die Wespe Pleurotropis ist sowohl ein Feind von Dimmockia wie auch von Dibrachys. Ihre Feindschaft zu Dimmockia macht Pleurotropis zum Freund der Bäume. Damit aber nicht genug. Wie beurteilen wir die Angriffe von Pleurotropis auf Dibrachys, da ja Dibrachys sowohl Freund als auch Feind ist? Und schliesslich: Welche Art soll getötet werden, um diese Bäume zu retten?

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