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Kriegsverbrechen in Europa: Massaker von Srebrenica: Tausende gedenken den Opfern

Tausende Menschen haben heute im bosnischen Srebrenica des Massakers an der muslimischen Bevölkerung vor 19 Jahren gedacht. Angehörige der im Juli 1995 getöteten Männer und Knaben, sowie viele andere Trauerende, kamen zusammen, um der Beisetzung von weiteren 175 identifizierten Leichen aus Massengräbern beizuwohnen.

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Hunderte Trauernde vor Ort: Männer beim Gebet während der Beisetzungszeremonie. play
Hunderte Trauernde vor Ort: Männer beim Gebet während der Beisetzungszeremonie. Amel Emric / AP Photo

Viele Menschen sind in Tränen aufgelöst, kauern bei den Särgen nieder oder streichen mit zitternden Händen darüber. Mustafa Delic, der bei dem Massaker drei Brüder verloren hat, der jüngste von ihnen 21 Jahre alt, schöpft Regenwasser aus den für sie vorgesehenen Gräbern. «Das Warten war schmerzhaft, aber nun ist der Moment gekommen, um damit abzuschliessen», sagt der 50-Jährige. «Wir müssen ein neues Kapitel aufschlagen, weil das Leben weitergeht, ob wir es wollen oder nicht», fügt er hinzu.

Ein Ort erlangt traurige Berühmtheit

Srebrenica liegt im Osten Bosniens und nahe der serbischen Grenze. Schon zu Beginn des Krieges kommt es dort zu Kämpfen. Im Jahr 1992 besetzen serbische Truppen die Stadt, die zu 75 Prozent von Muslimen (Bosniaken) bewohnt wird. Kurz darauf gelingt den Bosniaken jedoch die Rückeroberung. Die serbischen Truppen ziehen sich daraufhin ins Umland zurück und belagern die Stadt.

Im April 1993 schreiten die Vereinten Nationen (UN) in Bosnien ein und erklären sechs belagerte Städte, darunter Srebrenica, zu «UN-Schutzzonen». Internationale Friedenstruppen werden stationiert und sollen dort die ihnen anvertraute Bevölkerung schützen. Allerdings sind sie nur unzureichend ausgerüstet. Ihre Waffen dürfen sie laut Mandat nur zu ihrem eigenen Schutz einsetzen, nicht zum Schutz der Bevölkerung.

Grösstes Massaker in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg

Im Frühjahr 1995 verschärft sich die Situation in Srebrenica erneut. Hilfskonvois, die Güter in die eingekesselte Stadt bringen sollen, werden immer wieder von serbischen Truppen aufgehalten. Bei dem heissen Wetter sterben die ersten Menschen an Hunger und Entkräftung. Als sich Anfang Juli die Truppen des serbischen Generals Ratko Mladic auf die Schutzzone Srebrenica zu bewegen, stossen sie auf wenig Widerstand. Radovan Karadzic, der Führer der bosnischen Serben, erlässt schliesslich den Befehl, die Stadt einzunehmen.

Obwohl die bosniakischen Einwohner die Flucht antreten, können die serbischen Truppen den Grossteil der Flüchtlingstrupps stellen. Sie trennen Männer «im waffenfähigen Alter» zwischen 16 und 65 Jahren von ihren Verwandten und schaffen sie weg. Innerhalb von wenigen Tagen werden die ca. 8000 muslimischen Männer und Knaben zusammengetrieben, ermordet und in Massengräber verscharrt. Das Massaker in der ostbosnischen Stadt geht als das folgenschwerste Kriegsverbrechen in Europa seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs in die Geschichte ein. Vom UNO-Tribunal in Den Haag wird es als Völkermord eingestuft.

Brisant: Die niederländischen UNO-Soldaten haben keinen Widerstand geleistet, als die bosnisch-serbischen Truppen anrückten. Einem UNO-Bericht zufolge überliessen sie alle Beobachtungsposten und Sperren widerstandslos den bosnischen Serben. Diese sonderten anschliessend alle muslimischen Männer und Knaben aus und töteten sie in Massenhinrichtungen.

Warnung vor dem Versuch, «die Geschichte zu verändern»

Am heutigen Gedenktag sprachen der deutsche Aussenminister Frank-Walter Steinmeier und sein britischer Amtskollege William Hague in einer gemeinsamen Erklärung von einer «Tragödie, die niemals hätte geschehen dürfen». Sie warnten vor Versuchen, in Bosnien «die Geschichte zu verändern» oder «die territoriale Unversehrtheit dieses Landes zu untergraben». «Die Zeiten, in denen Grenzen auf dem Balkan neu gezogen wurden, sind vorbei», erklärten beide. (SDA/mub)

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