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Magst du Romane, an denen viele mitschreiben?

Liebe Joëlle Fassungslos lese ich, dass es eine neue, mir bis jetzt unbekannte Welt der Literatur gibt: Internet-Portale, auf denen Millionen junger Menschen mit ihren Handys die Werke von Autoren abrufen, deren Zahl offenbar auch eine unermessliche ist. Interaktiv sollen Leser in die Geschichten, die ihnen erzählt werden, eingreifen und den Autoren alternative Wendungen in ihren Plots vorschlagen – Romane quasi in laufender Fertigung. Hast du das gewusst, Joëlle, und was sagst du dazu?

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Elder Statesman Jürg Ramspeck (jürg.ramspeck@ringier.ch) play
Elder Statesman Jürg Ramspeck (jürg.ramspeck@ringier.ch)
Young Küken Joëlle Weil (joëlle.weil@ringier.ch) play
Young Küken Joëlle Weil (joëlle.weil@ringier.ch)

Lieber Herr Ramspeck

Vor drei Jahren habe ich «Gut gegen Nordwind» gelesen, einen Roman des österreichischen Schriftstellers Daniel Glattauer. Eine Liebesgeschichte, so spannend geschrieben, dass ich sie innert eines Tages verschlang. Die letzten zehn Seiten habe ich mir für den Abend aufgespart. Ich wollte das erhoffte Ende auf dem Balkon meines Hotelzimmers lesen und den Tag mit einem Lächeln beenden. Doch ich trug an dem Abend nur meine Enttäuschung zu Bett: Der Roman endete nicht wie erhofft, und ich war stinksauer. Kurze Zeit später erfuhr ich von einer Fortsetzung des Romans. «Alle sieben Wellen» wurde wohl unter Druck der Leser geschrieben. Ich kann mir kaum vorstellen, die einzige unglückliche Seele gewesen zu sein. Nun bekam ich das Ende, das ich mir erhofft hatte. Ich war glücklich. Aber es war ein manipuliertes Glück. Ich fühlte mich als Teil der jammernden Leserschaft, welche die ursprüngliche Geschichte verfälscht hatte und ein Fake-Happy-End genoss. Zu Ihrer Frage: Von virtueller Roman-Fertigung habe ich noch nie gehört. Aufgrund meiner Erfahrung rate ich Lesern davon ab, sich in eine Geschichte einzumischen. Autoren schreiben, um uns zu entführen. Und wir lesen, um uns entführen zu lassen.

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