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Nationalrätin Sibel Arslan erlebte den Putsch-Versuch in Istanbul: «Kampfjets flogen ganz tief über unseren Köpfen»

ISTANBUL - Kampfjets in der Luft, Detonationen, aufgebrachte Menschenmassen: Die Basler Grünen-Nationalrätin Sibel Arslan hat den Putschversuch von Teilen des türkischen Militärs hautnah miterlebt. Gegenüber BLICK schildert sie, wie sie die ereignisreiche Nacht erlebt hat.

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Die Kurdin Sibel Arslan ist Nationalrätin des Kantons Basel-Stadt. Keystone

Sibel Arslan sass im Bus, als Teile des türkischen Militärs gestern zum Putsch bliesen. Die Grünen-Nationalrätin macht gerade Ferien in der Türkei, ist auf Familienbesuch in Istanbul. Wie hat sie den Umsturzversuch erlebt? Gegenüber BLICK erzählt Arslan von der chaotischen Nacht.

Frau Arslan, Sie werden eine kurze Nacht hinter sich haben.
Das stimmt, ich habe kein Auge zugemacht. Es war etwa 22 Uhr, als es losging. Ein Kollege hat die Entwicklungen übers Handy verfolgt und uns informiert. Als wir im Quartier ankamen, sind wir sofort in ein Café von Bekannten gegangen, um am Fernseher und über Social Media mehr zu erfahren.

Kam der Putschversuch für Sie überraschend?
Völlig! Er ist wirklich ohne jegliche Vorwarnung gekommen. Ich habe es ernst nicht geglaubt, und dachte, mein Kollege macht Witze. Erst als ich dann am Fernsehen sah, was vor sich geht, konnte ich das Unfassbare glauben.

Wie haben die Menschen in Ihrem Quartier reagiert?
Ich habe gemerkt, dass die Leute nervös wurden. Vor den Bancomaten bildeten sich lange Schlangen, die Menschen hoben ihr Geld ab. Auch vor Bäckereien und kleineren Supermärkten standen die Leute an, um Lebensmittel wie Brot, Teigwaren und Wasser zu kaufen. Dann schlossen plötzlich alle Läden, die normalerweise bis spät in die Nacht geöffnet sind, und die Menschen gingen langsam nach Hause.

Wie ging es dann weiter?
Im Verlauf der Nacht rief Erdogan dazu auf, auf die Strasse zu gehen und gegen den Putsch Widerstand zu leisten. Sehr viele Menschen folgten seinem Aufruf. Riesige Menschenmengen, besonders AKP-Anhänger und Nationalisten, versammelten sich vor den Wahlbüros der Regierungspartei AKP, schrien und sagten, dass sie die Büros zu schützen versuchten. Ab 1.30 Uhr hörte man zudem plötzlich fast von allen Moscheen den Muezzin rufen. Das dauerte bis in die Morgenstunden.

Hatten Sie Angst?
Wir hörten mehrere Detonationen, mitten in der Nacht flogen zudem zwei Kampfjets ganz tief über unseren Köpfen. Ja, das war wahnsinnig beängstigend. Wir verfolgten zudem live am Fernseher mit, wie das Parlament unter Beschuss genommen wurde. Zum ersten Mal konnte ich richtig verstehen, wie es den Menschen in der Osttürkei gehen muss, für die solche Szenen fast schon Alltag sind.

Wie sieht die Lage aktuell aus?
Inzwischen ist hier in Istanbul etwas Ruhe eingekehrt. Ein paar wenige Läden sind wieder geöffnet, doch auf den Strassen sieht man kaum jemanden. Es herrscht überall totale Stille. Die Menschen sitzen alle vor dem Fernseher, wo die Livesendungen der regierungstreuen Sender der Bevölkerung mitteilen, wie sie die Situation einschätzen. Für den Putschversuch verantwortlich gemacht wird die Gülen-Bewegung.

Was bedeutet der Putsch für Ihre Ferienpläne?
Ich wollte heute früh eigentlich in die USA fliegen, doch mein Flug nach New York wurde gecancelt. Nun muss ich ich bis am Montag warten, dann fliege ich weiter.

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