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Stadt Zürich um 76'000 Frankenbetrogen: Präsident von Fussballclub ergaunerte Juniorengelder

Er hat Stadt Zürich um 76'000 Frankenbetrogen: Der Präsident des Fussballclubs YF Juventus fälschte Daten der Junioren um an Beiträge zu kommen. Die Stadt spricht von einem Sonderfall.

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Der Präsident des drittgrössten Fussballvereins von Zürich, YF Juventus, hat die Stadt jahrelang systematisch betrogen. Jetzt wurde der Mann, inzwischen Ehrenpräsident, des mehrfachen Betrugs schuldig gesprochen. Dies zeigt ein rechtskräftiger Strafbefehl der Zürcher Staatsanwaltschaft, der SonntagsBlick vorliegt.

Von 2012 bis 2015 ergaunerte A. C.* 76'000 Franken. Dabei handelt es sich um Jugendsportbeiträge der Stadt Zürich, also um Steuergelder, mit deren Hilfe der ausserschulische Sport gefördert werden soll. Das Sportamt zahlt die Beiträge nur für Stadtzürcher Jungkicker aus, was dem damaligen Juventus-Präsidenten durchaus bewusst war. Darum verpasste er einzelnen Jugendlichen seines Vereins eine falsche Adresse und täuschte die Sach­bearbeiter so über Jahre.

Jedes Jahr ein wenig dreister

C. begann gemächlich: Im Jahr 2012 machte er aus 159 Junioren 190. Im nächsten Jahr wurden aus 102 Jugendlichen bereits 259. Und wieder ein Jahr später meldete er 343 Junioren – in Wirklichkeit waren es 117. Im Jahr 2015 wurden aus 98 Fussballern 277. Aus Sicht des Sportamts seien sogar 195'250 Franken zu Unrecht ausbezahlt worden. Die Staatsanwaltschaft beliess es jedoch bei einer Schadenssumme von 76'000 Franken.

Der Täter wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 10'800 Franken verurteilt. Dazu kommt eine Busse von 2100 Franken. Auch auf mehrfache Anfrage wollte er nicht Stellung nehmen. Damit bleibt unklar, was mit dem Geld geschah. Steckte es der Präsident in den Verein, der derzeit in der dritthöchsten Liga spielt – oder in die eigene Tasche?

«In dem Ausmass hatten wir das noch nie, das ist ein Sonderfall», sagt Sportamt-Direktor Urs Schmidig. Man sei von Amtes wegen verpflichtet gewesen, Strafanzeige zu erstatten. «Wir klären derzeit ab, von wem wir das Geld zurückfordern, ob vom Verein oder der verurteilten Person.»

Sportamt-Direktor: «System funktioniert gut»

Trotz des Betrugs funktioniere das System der Selbstdeklaration mit Stichproben und genaueren Abklärungen bei Auffälligkeiten gut, findet Schmidig. Auch die Methodik und die Anzahl der Stichproben müssten nicht angepasst werden. Die Vereine verhielten sich in der Regel korrekt. Der Zürcher Sportamt-Direktor betont, es werde nicht systematisch betrogen. «Aber gegen Betrug, der arglistiges Verhalten verlangt, kann man fast nichts machen», sagt er. Trotzdem sei man in diesem Fall dahintergekommen, dass die Eingaben nicht plausibel waren.

Unplausibel sind auch manche Abrechnungen, die YF Juventus beim Sportförderprogramm Jugend+Sport des Bundes eingereicht hat. Das Bundesamt für Sport stellte unabhängig vom Verfahren in Zürich fest, dass einige YF-Abrechnungen nicht den Vorgaben entsprechen, wie Sprecher Christoph Lauener sagt. Daher seien Subventionen nicht vollständig ausbezahlt und teilweise zurückgefordert worden.

Dagegen ziehe der Klub vor Bundesverwaltungsgericht. Das Verfahren läuft.

* Name der Redaktion bekannt

Jugend + Sport entdeckt mehr Schummeleien

Zehntausende Frauen und Männer in der Schweiz leisten Woche für Woche, Tag für Tag Grosses: Sie engagieren sich als Leiter oder Trainer in ­einem Sportverein. Reich wird man dadurch nicht, des Geldes wegen macht das niemand. Doch um den Einsatz für Kinder und Jugendliche zumindest ansatzweise zu entschädigen, werden die Helfer und Ver­eine vom Sportförderungs­programm des Bundes, Jugend + Sport (J+S) genannt, finanziell unterstützt. 2017 schüttete J+S rund 100 Millionen Franken aus, um Kurse, Lager und Coaches unterschiedlicher Sportarten zu fördern. Das meiste Geld fliesst in den Fussball. Im vergangenen Jahr waren es 21,3 Millionen Franken.

Der spektakuläre Betrugsfall im Fussballclub YF Juventus hat nicht direkt mit J+S zu tun. Das ergaunerte Geld stammte von der Jugendsportförderung der Stadt Zürich. Dennoch legt der Fall nahe, auch das nationale Sportförderungsprogramm unter die Lupe zu nehmen: Denn wie die Stadt Zürich setzt auch J+S auf die Selbstdeklaration der Leiter, Trainer und Vereine. Sie geben an, wie viele Trainings stattgefunden haben und wie viele Spieler anwesend waren – entsprechend fallen die Unterstützungsbeiträge höher oder tiefer aus. Kontrolliert werden die Angaben von den kantonalen J+S-Fachstellen. «In den letzten Jahren ist die Zahl der behandelten Fälle kontinuierlich gestiegen», sagt Kurt Henauer vom Bundesamt für Sport. Ein Grund sei die Zunahme der Kurse. Zudem erfasse man heute die Namen der teilnehmenden Kinder. Dies ermögliche eine bessere Kontrolle. Häufig entdeckt würden unbeabsichtigte Fehler oder Missverständnisse.

Henauer: «Vielen J+S-Leitenden ist nicht einmal bewusst, wenn sie Fehler machen.» Zum Beispiel eine Fussballmannschaft, deren Training normalerweise am Dienstag stattfinde und das Goalietraining am Mittwoch. Wenn dann mal das Goalietraining auf Dienstag vorgezogen werde, dürfe der Goalie nur einmal abgerechnet werden, denn ein Name dürfe am gleichen Tag nur einmal auftauchen. Henauer: «Solche Fehler haben mit Nichtwissen oder Nicht-dran-Denken zu tun und erfolgen kaum absichtlich.» Jährlich kürze man in rund 200 Fällen Subventionen oder fordere sie zurück. «Fälle, wo ganze J+S-Kurse erfunden werden – mit Kindern, die gar nicht existieren – gibt es praktisch nicht.» Einen Betrugsfall im strafrechtlichen Sinne habe es noch nie gegeben.

Seit 2018 gibt es aber ein neues, automatisiertes Kontrollsystem, das alle Abrechnungen auf Fehler untersucht. Zuvor erfolgten die Kontrollen nur stichprobenweise oder bei Verdacht auf Unregelmässigkeiten. (tsc)

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