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Seit heute dürfen Frauen in Saudi-Arabien Auto fahren: «Frauen sind die besseren Fahrer!»

RIAD (SAUDI-ARABIEN) - Ab heute dürfen Frauen im Saudi-Arabien offziell Auto fahren. SonntagsBlick hat eine Fahrschule für Frauen in Riad besucht und auf dem Rücksitz von Fahrlehrerin Ahlam (23) Platz genommen.

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Draussen herrschen brütend heisse 41 Grad, drinnen büffeln Frauen Verkehrsregeln und üben Bremsmanöver an Simulatoren. Willkommen in der Saudi Driving School in der saudischen Hauptstadt Riad! Die Schule gehört zur Universität Princess Nora bint Abdulrahman, der weltweit grössten Uni nur für Frauen. Im letzten September hat Kronprinz Mohammed bin Salman (32) überraschend angekündigt, dass Frauen bald Auto fahren dürfen. Heute Sonntag ist es nun so weit.

 

Damit die saudischen Frauen das Fahren auch tatsächlich lernen können, wurden in den letzten Monaten Fahrlehrerinnen ausgebildet – denn im wahhabitischen Wüstenstaat darf ein Mann einer Frau das Fahren nicht beibringen. Zu nahe würden die zwei Unverheirateten im Wagen nebeneinander sitzen.

Wir steigen bei Fahrlehrerin Ahlam (23) ein und unterhalten uns mit ihr über ihre neue Freiheit.

Warum wurden Sie Fahrlehrerin?
Ahlam:
Ich möchte dabei sein bei diesem Machtgewinn der Frauen und Teil der Veränderung sein in diesem Land. Und ich will anderen Saudi-Frauen helfen.

Sie haben den Fahrausweis schon?
Ich habe meinen Führerschein in England gemacht, wo ich studierte. Ich musste ihn nur umschreiben lassen. Einen Monat dauerte meine Ausbildung zur Lehrerin und seit einem Monat gebe ich bereits Unterricht. Über 40 Schülerinnen haben bei mir schon den Test bestanden und den Fahrausweis erhalten.

Wie finden Sie es, dass Sie daheim erst so spät ans Steuer dürfen?
Es ist nicht spät. Mittlerweile gibt es viele Änderungen in unserem Land, und da kommt das neue Recht, dass wir fahren dürfen, genau zur richtigen Zeit. Es ist Teil des Reformprojekts Vision 2030 des Kronprinzen Mohammed bin Salman.

Aber das Königreich war bis ­heute das einzige Land der Welt, wo es Frauen verboten war, selbst Auto zu fahren.Jedes Land hat seine eigenen Rahmenbedingungen. Nun sind wir eben so weit.

Was sagen die Männer dazu?
Meine Familie findet es okay, sie unterstützt mich. Manche Männer machen sich über uns lustig und sticheln etwa, wir würden mit pinken Autos rumfahren. Aber sie werden uns dann schon akzeptieren.

Wird es erst mal chaotisch werden auf den Strassen?
Man muss ja nicht fahren, wenn man nicht will. Es ist schon so, dass einige Frauen Angst haben. Aber wenn sie andere Auto fahren sehen, ändern sie ihre Meinung und machen den Führerschein. Die Männer haben auch ein wenig Angst, dass wir nun mit auf der Strasse sind. Aber wir werden super fahren. Frauen sind die besseren Fahrer!

Was wird sich nun für Sie nach dem heutigen Tag ändern?
Ich will ein eigenes Auto und damit zur Arbeit fahren. Im Moment haben wir noch ein Familienauto und einen Fahrer.

Und wie feiern Sie diesen histo­rischen Tag für die Frauen?
Ich bin in der Fahrschule am Arbeiten und lehre weitere Frauen, Auto zu fahren.

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Saudi-Arabien zählt 32 Millionen Einwohner, ein Drittel sind Ausländer.

Vom erzreligiösen Königreich zum modernen Land?

Das Königreich Saudi-Arabien ist eine absolute Monarchie. Das öffentliche Religionsbild im Land ist fundamentalistisch ­geprägt. Es herrscht eine mittel­alterliche Auslegung des islamischen Rechts, der Scharia. Das Land verstösst ununterbrochen ­gegen Menschenrechte. Frauen ­haben kaum Rechte.

Wahhabismus: Die rigide ­Version des sunnitischen Islam in Saudi-Arabien wird im Westen gewöhnlich als wahhabitischer Islam bezeichnet. Der Wahhabismus ist eine konservative Lesart des Islam, er richtet sich explizit gegen jede Art von fremdem kulturellem Einfluss. Wahhabitische Lehren bereiten den Boden für Extremisten.

Vision 2030: Das Königreich soll radikal umgebaut werden. Antreiber des Reformprojekts ist der 32-jährige Mohammed bin Salman. Er ist der Sohn des derzeitigen Königs Salman und wird ihm einst auf den Thron folgen. 2017 wurde er zum Kronprinzen ernannt. Das Land hat einige Probleme: Saudi-Arabien hängt zu stark vom Ölpreis ab – der in den vergangenen Jahren gesunken ist. Die Bevölkerung ist enorm gewachsen, es braucht Arbeitsplätze. Ultrakonservative Religionsgelehrte halten das Land zurück.

Der Umbau des ­bisher erzkonservativen Königreichs zielt vor allem auf die ­Jugend. 70 Prozent der Saudis sind unter 30. Der Kronprinz will einen moderaten Islam. Frauen dürfen neu in Sportstadien, ab Juni auch selber Auto fahren. Die männliche Vormundschaft bleibt bestehen. Kritiker sind skeptisch, ob sich die saudische Königsfamilie wirklich vom Wahhabismus abwendet. Denn sie hat nur wegen der religiösen Unterstützung der Wahhabiten so viel Macht.

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