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Toni Brunner sieht seine Zukunft in der Partei – nicht im Bundesrat: «Ich bleibe SVP-Präsident»

Partei statt Regierung: Der St. Galler Nationalrat setzt allen Spekulationen ein Ende – im Frühjahr 2016 will er sich für zwei weitere Jahre zum Chef der SVP wählen lassen. Seine Kollegen zeigen Verständnis für den Entscheid.

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Kaum ein Tag, an dem nicht ein neuer SVP-Politiker seine Bundesrats-Ambitionen verkündet. Der biedere Hansjörg Knecht (55) aus dem Aargau, der Bündner Funktionär Heinz Brand (60) oder der Walliser Haudrauf Oskar Freysinger (55) trauen sich den Sprung in den Bundesrat zu. In Schaffhausen sind es gleich zwei: Thomas Hurter (52) und Hannes Germann (59). Gemeinsam ist den beiden der Ruf, zu wenig auf Parteilinie zu politisieren. Und weil keiner der bisher Genannten hundertprozentig zu überzeugen vermag, hält sich im Hin und Her um den zweiten SVP-Sitz hartnäckig derselbe Name: Toni Brunner (41).

SonntagsBlick: Herr Brunner, nächsten Freitag läuft die Frist für die SVP-Bundesratskandidatur ab. Was ist jetzt – steigen Sie ins Rennen?
Toni Brunner:
Nein.

Dann wird der neue Bundesrat am 9. Dezember definitiv nicht Toni Brunner heissen?
Ja, das steht definitiv fest. Genauso wie es auch feststeht, dass Peter Spuhler als Kandidat nicht zur Verfügung steht.

Wieso eigentlich nicht?
Ich habe in meinem politischen Leben nie ein Exekutivamt angestrebt. Das würde mich viel zu stark einengen. Als Parteipräsident der SVP bin ich frei. Diese Freiheit bin ich nicht bereit aufzugeben.

Letztes Jahr hiess es, Sie seien amtsmüde, würden vielleicht sogar als Parteichef zurück-treten. Ist es auch der Wahlerfolg, der Sie wieder motiviert?
Ja, auf jeden Fall. Ich freue mich, mit der neuen, noch grösseren Fraktion zusammenzuarbeiten. Wir haben die beste Mannschaft, die die SVP je hatte. Mit den meisten arbeite ich seit vielen Jahren zusammen. Ich bin überzeugt, dass wir in der kommenden Legislatur einiges erreichen können.

Kandidieren Sie im Frühjahr für weitere zwei Jahre als SVP-Parteipräsident?
Ja, ich will Parteipräsident bleiben.

Parteichef und Bundesrat gehen aber definitiv nicht zusammen.
Das beurteilen Sie richtig.

Brunners Lust, die SVP zu führen, erstaunt nicht. Seit bald acht Jahren steht er nun schon an der Spitze der Schweizerischen Volkspartei. Mit dem jüngsten Wahlsieg krönte er seine Karriere. Nationalrat Albert Rösti (48, BE), als Wahlkampfleiter einer der Architekten des SVP-Erfolgs: «Er zieht die Fäden in der Partei sehr geschickt.» Brunner bewies es mit seinem grössten Coup: die Kandidatur von «Welt-woche»-Chef Roger Köppel (50). Noch heute schwärmt man in der Partei von «Tonis Meisterstück».

Besonders eng stimmt sich Brunner mit SVP-Fraktionschef Adrian Amstutz (61, BE) ab. «Wir sind praktisch politische Zwillinge und verstehen uns ohne grosse Worte.» Jeder wisse in der Regel, wie der an­dere politisch denkt.

Brunner habe erst in sein Amt hineinwachsen müssen. Das gehe jedem so, der eine neue Aufgabe übernehme. «Ich kenne jedenfalls keinen Hochspringer, der aus dem Stand Olympiasieger wurde», sagt Amstutz.

Doch die ständigen Kampagnen forderten ihren Tribut. Noch vor einem Jahr wirkte Toni Brunner erschöpft. Im Abstimmungskampf um die Masseneinwanderungs-Initiative hielt er sich zurück. «Ich kann mir ein Leben ohne Politik vorstellen», sagte er im August vergangenen Jahres zu SonntagsBlick.

Bereits machten Gerüchte über einen Rücktritt als Parteichef im Jahr 2016 die Runde. Würde sich Brunner mit seiner Partnerin Esther Friedli ins Toggenburg zurückziehen? Sich mehr um seinen behinderten Bruder Andi (42) kümmern? Diesen Sommer gründete er zusammen mit Friedli eine PR-Agentur.

Ein Rückzug hätte nicht überrascht. Immerhin sitzt der kinderlose Brunner schon die Hälfte seines Lebens – zwanzig Jahre – im Nationalrat. Nachdem er 2011 die ersten Wahlen als Parteichef verloren hatte, siegte er vor drei Wochen.

Der Wahlerfolg stärkt ihm den Rücken. Dass er tatsächlich kein Exekutiv­amt anstrebt und seine Zukunft in der Partei sieht, deckt sich mit der Einschätzung prominenter SVP-Vertreter. Brunner sei der beste Parteipräsident, den man sich vorstellen könne, sagt der Freiburger SVP-Nationalrat Jean-François Rime (65). Aber: «Er weiss auch, was er kann. Bundesrat gehört nach meiner Meinung nicht dazu.»

Ähnlich äussert sich SVP-Nationalrat Hansjörg Walter (64, TG): «Er müsste Französisch lernen. Als Bundesrat vertritt man die ganze Schweiz.»

Brunner hat auch innerhalb der Partei klipp und klar gesagt, dass er nicht antreten will. Aber er habe halt auch ein «Pokerface», sagt ein führendes Mit-glied der SVP. So ganz ausschliessen mögen die Parteigenossen eine Kandidatur ihres Präsidenten immer noch nicht. Zumal auch Ueli Maurer (64) vor seiner Wahl 2008 hartnäckig dementierte, Bundesrat werden zu wollen.

Wenn Brunner in diesem Jahr wirklich nicht kandidiert, so heisst das auch nicht, dass er auf immer und ewig verzichtet. «Bei der nächsten SVP-Vakanz brauchen wir auch wieder gute Kandidaten», sagt Walter über eine Nachfolge für  Ueli Maurer.

Brunner wäre bei einem Rücktritt des VBS-Chefs noch immer ein Jungspund unter Schweizer Spitzenpolitikern. Er kann warten.

Hansjörg Walter stellt sich jetzt schon die Frage: «Folgt dann Parteipräsident auf Ex-Parteipräsident?»

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